Auferstehungsmesse Dr. Walter Hostert
Predigt 21.04.2008
Wie freute ich mich, als man mir sagte:
„Wir gehen zum Hause des Herrn.“
Ich liebe, Herr, die Zierde Deines Hauses,
die hehre Wohnung Deiner Herrlichkeit.
Liebe Familie Hostert, liebe Trauergemeinde, Schwestern und Brüder,
dieses Wort aus den Psalmen finden wir in der Todesanzeige. Als die Eheleute Hostert vor Jahren
ihre Goldene Hochzeit feierten und den Altenberger Dom besuchten, einen wichtigen gemeinsamen
Bezugsort ihres Lebens, schrieb Dr. Hostert dieses Wort in das Gästebuch in Altenberg. Er liebte Kirchen
– nicht bloß aus historischen oder ästhetischen Interessen heraus. Sie stehen vielmehr für ein
großes Zuhause, ein von ihm tief empfundenes Zuhause in der Welt, die Gottes Welt ist, von ihm geschaffen,
von ihm erlöst.
Gott und Welt – das gehörte für ihn zusammen. Und das Bild des Hauses – zuhause sein steht für
beides, für Gott und die Welt. OIKOS – das ist das Wort der alten Griechen für „Haus“, und sie füllten
es mit vielen Bedeutungen. Wir sprechen von Öko - auf vielfache Weise: Ökonomie, Ökologie, Ökumene,
und immer steckt oikos darin, das Haus. Und immer steckt die Hoffnung dahinter, dass die
Erde ein bewohnbares Haus ist und bleibt für uns Menschen, keine Wüste, keine Barbarei, sondern
ein Zuhause, das sich gut bewohnen lässt…
Vielleicht ist das die innere Wurzel gewesen für seine politischen, pädagogischen und historischen
Interessen und Tätigkeiten. Man kann ja nur staunen, was er in seinen 81 Lebensjahren alles war:
Ehemann und Familienvater, Schulleiter, Gründer und Direktor des Stadtmuseums, Heimatforscher
und Buchautor, Historiker, Ratsherr und Bürgermeister, Landrat, tragende Figur in der Landschaftsversammlung
Westfalen- Lippe und noch manches mehr. Sein Leben war reich und erfüllt – erfüllt in
dem Bemühen, das „Haus“ - Schule, Stadt Lüdenscheid, Märkischer Kreis, Westfalen-Lippe - bewohnbar,
menschengerecht zu halten. Er hat sich mit ganzer Kraft dafür eingesetzt: mit brillantem
Verstand und pragmatischem Sinn, geradlinig und mit starken wertkonservativen Überzeugungen, mit
großer Liberalität und Respekt vor der Würde der anderen.
Der Sinn für das Zuhause war eine bestimmende Kraft in seinem Leben. Er hat seine Stadt
Lüdenscheid nie wirklich verlassen – von der Soldaten- und Studentenzeit und der Kriegsgefangenschaft
abgesehen. Heimat hatte für ihn etwas Tragendes – war nicht „enge Welt“, nicht Provinz, sondern
konkrete, nahe Welt – das Große im Kleinen. „Ich bin ein Mensch dieser sauerländischen Welt –
und ich brauche sie“, hat er einmal gesagt.
Eine Welt im Fluss der Geschichte: miterlebte böse Geschichte in seinen jungen Jahren. Kleine Akte
des Widerstands in der Katholischen Jugend (noch im letzten Jahr hat er zusammen mit anderen Jugendfreunden
zu einem Manuskript beigetragen, das diese Zeit lebendig macht). Dr. Hostert feierte
sein Leben lang gern das Christkönigsfest, das Bekenntnisfest der katholischen Jugend, das das
Reich Gottes vor alle politischen und totalitären Reiche setzte. Aus der Erfahrung des 3. Reichs heraus
kam der feste Wille, unter einem anderen Gesetz anzutreten als dem, das man in seiner Menschenverachtung
erlebt hatte, und das immer eine drohende Gefahr bleibt.
Die Lesung des 1. Psalms stellt scharf gegenüber: die Spötter, die Frevler, die Leute ohne Fundament
– „wie Spreu sind sie, die der Wind verweht“, ihr Weg führt in den Untergang. – und die „ Gerechten“
auf der anderen Seite. Das ist das Ideal des Menschen im Alten Testament: der Gerechte, d.h. der
Mensch, der lebensweise ist, der von den Werten und Geboten Gottes her lebt und darin wurzelt und
der weiß, was sich im Leben bewährt hat, „er ist wie in Baum, an Wasserbächen gepflanzt, der Frucht
hervorbringt zur rechten Zeit und dessen Blätter nicht welken; alles, was er beginnt, gerät ihm wohl.“
Es will mir scheinen, dass Walter Hostert diesem Ideal in seinem privaten und öffentlichen Leben gut
entsprochen hat.
Der Gerechte gründet sein Leben in Gott. Ich erinnere mich noch gut an Walter Hosterts Feier zum 7o.
Geburtstag. Viele Menschen waren eingeladen, die Familie hatte ein launiges Programm mit Dias und
ähnlichem vorbereitet, und dann meldete sich zum Schluss der Jubilar zu Wort. Mit großer Eindringlichkeit
erzählte er von seinem Leben, beschrieb die Wendepunkte und deutete sie. Nichts darin war
für ihn Zufall oder Beliebigkeit; er sah sein Leben selber als eine Kette von Fügungen und wusste sich
geführt und getragen von Gott. Das war ein kleines biografisches Glaubensbekenntnis, mit dem er
einen Einblick zuließ in sein ansonsten eher gehütetes Inneres.
Liebe Schwestern und Brüder,
W.Hosterts letzte Lebensjahre waren schwer, eingeschränkt durch rasches Nachlassen der Kräfte und
die Beschwerden des Alters. Das Lebensmotiv „Haus - Zuhause“ verdichtete sich jetzt im eigenen
Haus am Ramsberg, in den eigenen vier Wänden, in den 62 Jahren der Freundschaft und glücklichen
Ehe mit seiner Frau Gisela, in der Familie. Der Schreibtisch war noch da und wurde bis zuletzt benutzt,
viele Fotos wurden angeschaut und halfen der Erinnerung, und immer musste Licht um ihn sein
und das Dunkle fern halten. Seine Pfarrkirche – diese Kirche - blieb ein wichtiges weiteres Haus, auch
wenn er sie kaum noch aufsuchen konnte. Hier war er getauft worden, hier hatte er geheiratet und die
anderen Sakramente empfangen, genauso wie die ganze Familie. Hier war ihm ein innerer „Hafen“
entstanden, hier fand er die Quellen, bei denen man seinen Baum pflanzen soll, wie die Lesung sagt.
Die letzten Tage seines Lebens verbrachte er im Krankenhaus. Als seine letzten Worte wurden wahrgenommen:
„Ich möchte nach Hause.“ Es ist so geschehen – vielleicht anders, als er dachte, oder
vielleicht so, wie er es verschlüsselt meinte. Das ewige Licht leuchtet ihm nun – nach den Lichtern und
Lampen an seinem Bett. Und ein ewiges Zuhause erwartet ihn. Im Haus des Vaters sind viele Wohnungen,
ist viel Platz, ist eine unendliche Liebe. Und wir alle sind sehr dankbar für dieses an so viele
Menschen und Aufgaben hingegebene Leben, sind sehr dankbar für sein unablässiges Bemühen,
unsere Lüdenscheider und mürkische Welt, seine und unsere Heimat, als bewohnbares, menschenfreundliches,
den anderen wertschätzendes Haus zu bewahren.
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