Medardus
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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

22.05.2008 Fronleichnam

Predigt von Pastor Patrick Schnell

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

nur wenige Bücher bringen es soweit, dass sie auch Monate nach ihrer Veröffentlichung noch diskutiert werden. Zumindest was die Auseinandersetzung in theologischen Zeitschriften anlangt, hat ein Buch dies geschafft: Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg". In der Diskussion geht es dabei weniger um Kerkelings Erzählstil, den ich persönlich sehr gewöhnungsbedürftig finde. Zumindest ein Artikel in einer theologischen Zeitschrift moniert die innere Haltung, in der der Komiker den Jakobusweg beschreitet und schließlich an den Gottesdiensten in Santiago teilnimmt.
Es scheint ein Zeichen unserer Zeit zu sein, das auch an so manchen Theologen und Seelsorgern nicht vorbeigeht. Wenn wir etwas tun, dann aus innerstem Herzen, mit voller Inbrunst und Hingabe - gerade im religiösen Bereich scheint alles andere nur wenig mehr als nichts zu sein!
Wenn ich in die Kirche gehe, dann am besten, wenn mir danach ist, wenn ich "in Stimmung bin" (und zwar in der richtigen) - alles andere ist Gewohnheit und damit von niederem spirituellen Wert. Wenn ich bete, dann konzentriert und mit ganzer Hingabe - wie sollte Gott, der Herr, mich erhören, wenn ich selbst nicht so ganz mitkriege, was ich da bete, und wie steht es um meine Gottesliebe, wenn ich nicht ganz dabei bin. Und vor allem muss es mir ja auch gut tun!

Und dann die Wallfahrten - die werden natürlich von allen nur aus tiefstem Glauben und Hoffen unternommen. Menschen wie Kerkeling, die religiös keine Heimat haben und auf der Suche sind, sind da eher die Ausnahme.
Ist das wirklich so? Oder haben wir unseren sprichwörtlichen Perfektionismus und den Machergeist unserer Zeit ins Religiöse übertragen. Hängen Sinn und Wert religiöser Aktivitäten allein von meiner Einstellung und meiner Leistung ab?
Heute haben wir uns hier versammelt, um zu zeigen, dass genau das nicht der Fall ist - und wir müssen uns eingestehen, dass wir da mitunter in eine Falle tappen. Der Katholikentag und die Worte aus dem Buch Deuteronomium können uns da helfen:
"Du führst uns hinaus ins Weite" - unter diesem Motto aus Psalm 18 steht der diesjährige Katholikentag. Stellen wir uns nicht auch unter dieses Wort, wenn wir Christus, unserem Herrn, vertrauensvoll durch die Straßen unserer Stadt folgen, wenn wir auf diese Weise zeigen, dass Er auch der ist, der mit uns durchs alltägliche Leben geht, der uns führt und hält und hinter jeglicher Leistung und jeglichem Nicht-Können steht? Der gerade durch manchmal unbequeme Veränderungen unseren Blick und Horizont weitet auf Neues hin, von dem, was uns ängstigen und bedrücken und vielleicht auch nerven mag auf den hin, der gesagt hat: "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich werde euch Ruhe verschaffen?" Ja sogar von uns selbst weg auf den Vater hin, der sein Volk "durch die große und furchterregende Wüste geführt hat", wie Mose uns gerade erinnern mußte?

Es ist bezeichnend, dass wir heute am Fronleichnamsfest jene Worte hören, die Jesus dem Versucher in der Wüste entgegen hielt, um klar zu machen, wer der Herr über Schöpfung, Leben und Tod ist, Mensch oder Gott: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund hervorkommt!" Jesus ist für uns beides: Wort Gottes, das uns einen Weg, ja den Weg zeigt, und Brot, das uns das Leben schenkt. Beides wird zur Einheit in der Liebe, die nichts nachträgt und die sich nicht ereifert, die auch das unvollkommene und in unseren Augen Ungenügende annimmt, weil sie das Herz und den Blick weitet.
In dieser Liebe, geht sie von unserem Vater aus, dürfen sich auch alle angenommen wissen, die nach Santiago de Compostella oder zu anderen Wallfahrtsorten pilgern, aus welchen religiösen oder profanen Gründen auch immer, denn die Sehnsucht und die Suche nach einer solchen Liebe wird immer eine gewisse Erfüllung finden. In dieser Liebe dürfen aber auch wir an diesem Fest durch unsere Stadt gehen und all jenen den Frieden des Vaters wünschen, die uns neugierig oder belustigt oder staunend beobachten. Wir dürfen auch hoffen, dass Er unser Beten, Singen und Pilgern freudig annimmt, auch dann, wenn es nicht annähernd so andächtig sein sollte, wie manche es für wünschenswert halten, und das nicht nur heute.

Es ist wie im Leben: Nur selten gelingt es uns, in der Spur zu bleiben, die Er uns gewiesen hat. Sind wir deshalb schlechte Christen oder Christen zweiter Klasse? Er ist es, der das Wollen und das Gelingen vollbringt, in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Er geht uns voran und führt uns wieder auf den rechten Weg. Er ist es, der uns heute als Brot und Wort stärkt für die nächsten Schritte, die vor uns liegen. Das "Ich bin dann mal weg" können wir heute ergänzen - "nämlich unterwegs mit Gott", denn er selbst ist der Weg, und er selbst ist der, der mich an die Hand nimmt.



Fotos: Markus Geisbauer, Günther Weiß
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