Der Himmel ist offen
Predigt Christi Himmelfahrt am 21.05.2009
Christi Himmelfahrt: ein wunderbares Wort. Himmel! Himmlisch! Es lässt uns hoffen, dass es neben allem Irdischen, neben allen Freuden und Leiden des Alltags etwas anderes gibt, das durch die Dinge und Situationen hindurch schimmert: den Himmel - die Vollendung nach so vielen Bruchstücken und Bruchlandungen. Ein Ziel für alles. Ziel und Ursprung zugleich. Ein gutes - kein dickes Ende. Das Bild einer unzerstörbaren Gemeinschaft mit Gott und den Menschen. So bringt das Fest ein großes Geschenk. Es gibt den Himmel, und er ist nicht verschlossen; er ist erreichbar, Himmelfahrt ist das Ziel der Lebensreise.
Ich weiß nicht, warum der Tag so heruntergekommen ist: Ausflugstag, Vatertag, Sauftourentag ... Ist das Gespür für den Himmel eingeschlafen? Dabei gibt es doch so eine starke Sehnsucht, dass es mehr als hier geben möge. Viele Menschen leiden an der Banalität und Oberflächlichkeit des Lebens. Sie sind den Materialismus satt. Ist das Wort
Himmel nicht wie ein Signal in die erhoffte Richtung? Oder gibt es den Verdacht, dass man mit diesem Wort uns nur ablenken will mit dem Blick nach oben?
Himmel - alles nur Ablenkung, Vertröstung, Flucht ins Jenseits? Um dem öden Diesseits zu entgehen? Ich denke, das wäre in der Tat ein schlechtes und schädliches Reden vom Himmel. Es geht nicht darum, mit Blick auf den Himmel dem Diesseits zu entgehen, zu entfliehen - es geht darum, im Diesseits zu bestehen. Der Anblick zum Himmel bringt uns nicht weg von der Welt, sondern führt uns tiefer hinein, hilft uns sogar, die Welt zu lieben - trotz allem: weil sie als Schöpfung geliebt ist, und weil sie - mit einer starken Himmelshoffnung betrachtet - erträglich wird.
Himmelfahrt - das heißt aber auch: Abschied von Jesus. Vierzig Tage nach Ostern, in denen den Jüngern die Augen aufgingen. Und nun entzieht er sich ihren Blicken. Er ist nicht mehr zu sehen. Er ist zu
glauben. Das ist unsere Situation heute, und sie beginnt eigentlich im Obergemach der Apostelgeschichte. "Als sie nach Jerusalem kamen - vom Ölberg her -, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben." Himmelsgespür und Abschied von Jesus, als wollte er sagen: "Jetzt seid ihr dran: mit eurem Herzen, mit euren Händen. Aber ich stärke euch den Rücken, ich bleibe bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Und was machen die Jünger, was macht die beginnende Kirche? Sie bleiben zusammen, laufen nicht auseinander. Auch die Frauen gehören dazu, eigens wird Maria erwähnt.
Das erste Bild der Kirche ist also eine Art Gebetsgruppe: "Sie alle verharrten einmütig im Gebet." Sie blieben ständig zusammen. Sie stärken sich und erfahren den Himmel in dieser Gebetsgemeinschaft. Sie rüsten sich, ehe ihr Einsatz beginnt - ihre Verkündigung bis an die Grenzen der Erde.
Sie
verharrten im Gebet. Ausdauer ist gefragt, Durchhalten. Viele knicken ja beim ersten Gegenwind ein. Die Jünger üben dagegen Treue ein, Treue zum Ursprung, Treue zu Christus. Der Gegenwind ist da, ist auch heute heftig vorhanden. Schnell hätte sich der Bazillus ausbreiten können nach der Devise: "Wir sind ein so kümmerlicher Rest, so ein kleiner Haufen. Was könne wir da schon ausrichten?"
Wir merken, dass Menschen Enormes ausrichten können, wenn sie zusammen bleiben - im Gebet und in der Offenheit für den Geist Gottes. Die erste Gemeinde hält durch. Mehrmals taucht in den Berichten der Anfänge das Wort auf: ein-mütig. Eines Mutes. Ohne Mut, ohne Courage wären die ersten Christen schnell am Ende gewesen. Der Mut speist sich aus der Kraft des gemeinschaftlichen Gebets.
Regelmäßig kommen die ersten Christen zusammen. Nicht um endlos zu debattieren. Nicht, um ausgeklügelte Überlebenspläne zu schmieden. Schlicht und ergreifend kommen sie zusammen, um zu beten und Mahl zu halten. Ohne die Versammlung wäre kein Zusammenhalt möglich gewesen. Gemeinsam w&aum;chst so eine Verbundenheit, in die der Pfingstgeist dann hinein zünden kann - wie eine kräftige Flamme. Der Boden des Miteinanders ist so bereitet, dass der Geist Gottes zum Zug kommen kann; auch er braucht einen günstigen Boden in uns.
Vielleicht hilft uns die Erinnerung an die Ursprünge des Gottesdienstes, auch in unseren Messen heute eine Kraft zu entdecken - die Kraft des Miteinanders und Füreinanders -, eine Kraft, in der sich, wie in einem Blitzlicht, der Himmel zeigt.
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