... eine Kerze, die gleichzeitig von beiden Seiten her brennt ...
Zum Tode von Altbürgermeister Jürgen Dietrich am 07.07.2010
Am Tag, als der Tod von Jürgen Dietrich bekannt wurde, traf ich in der Sparkasse eine Frau, die ihn gut kannte, und sie sagte: "Ich finde, Jürgen
Dietrich ist so wie eine Kerze gewesen, die gleichzeitig von beiden Seiten her brennt." Und dann fügte sie noch hinzu: "Er hat so intensiv gelebt - andere
würden für so ein Leben Hunderte von Jahren brauchen!"
Diese Intensität, diese dichte Ausstrahlung ist mir nachgegangen, und die Dichte hat
sicher damit zu tun, dass die Kerze - im Bilde gesprochen - nicht ihr Licht überall verstreute, nicht landes- oder gar bundesweit herumflackerte oder
irrlichterte, sondern sich weithin auf einen einzigen Brennpunkt zentrierte: auf unsere Stadt Lüdenscheid. So sind wir alle mit den unterschiedlichsten
Brechungen dieses Lichtes und den vielen Facetten, die hier heute Abend schon angesprochen worden sind, zu Zeugen dieses "Brennens" geworden.
"Ihr seid das
Licht der Welt", sagt Jesus. Jürgen Dietrich hat sein Licht wahrlich nicht "unter den Scheffel gestellt". Er gehört zu den "burning persons", den
"brennenden Personen", ohne die keine Stadt und kein Land bestehen kann. Es sind Menschen, die begeistern, die anstecken und mitreißen. Menschen mit
Visionen. Menschen, die "das Beste für die Stadt" suchen - und finden.
Das hat auch seinen Preis. "Brennen" ist ein durchaus anstrengender Vorgang. Manche
sind irgendwann ausgebrannt, erfahren das Burn-out. Brennen - wenn es kein Strohfeuer ist - heißt auf die Dauer ja auch: sich verbrauchen lassen,
verschlissen werden in der Tretmühle des öffentlichen Lebens - durch Jahrzehnte hindurch. Jürgen Dietrich hatte viele tragende Kräfte in
sich, die ihn da in der Balance hielten: die Familie, die Bodenhaftung und Geselligkeit, den Glauben, eine uneitle Demut, den Humor, eine starke philosophisch
- ethische Grundierung, die Liebe zum Reich der Bücher und der Bildung. Und vieles mehr! Er bekam das alles zusammen, "unter einen Hut", in seinen Kopf
und in sein Herz hinein! So gab er sich ganz, handelte oft ausdrücklich im Interesse der Armen und Benachteiligten, brachte die unterschiedlichsten Leute
zusammen (so eine anregende theologische Gesprächsrunde quer durch alle Konfessionen - die Idee kam ihm beim Schützenfest); er hatte immer wieder
zündende Ideen und Impulse, die die Stadt weiterbrachten, konnte schlichten wie kaum einer (ich erinnere mich z. B., mit welcher Seelenruhe er 1993 die
drohende Besetzung der Josephskirche durch aufgebrachte Asylbewerber abwendete).
Jürgen Dietrich ist vor allem als Bürgermeister zu einem großen
Glücksfall für Lüdenscheid geworden. Wir hatten alle Glück mit ihm - und darum sind wir sehr dankbar für dieses reich erfüllte Leben.
Diese Dankbarkeit möchte ich in einem abschließenden Gebet ausdrücken, das an Psalm 1 angelehnt ist:
Danke, Gott,
für diesen Menschen,
für Jürgen Dietrich,
der die Gerechtigkeit suchte
und den rechten Weg
hin zu dir
Der verwurzelt war
und das Beste suchte für seine Stadt
und darauf vertraute
dass es auch auf ihn ankommt
aber nicht von ihm abhängt
Danke, Gott,
für diesen Mann,
der nicht wie eine Fahne schwankte
im Wind -
der nicht saß
im Kreis der Spötter und Lästerer -
der nicht war
wie Spreu, die der Wind verweht
Verwurzelt war er,
wie ein Baum,
an Wasserbächen gepflanzt -
auch wenn um ihn
die Dürre sich ausbreitet -
er bringt doch Früchte,
seine Blätter welken nicht
Alles, was er begann,
geriet ihm wohl
Danke
für alle, die deiner Weisung nachspüren,
die Freude haben
am Gesetz des Herrn -
sie werden die Quelle
immer neu entdecken
und das Land beleben
mit Glaube und Hoffnung
und Liebe … und Gerechtigkeit
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