Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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Der barmherzige Samariter

SamariterRuhrwort 10.07.2010


Unangenehme Situation: Nachts um 12 Uhr mit dem Auto an einen Baum zu krachen, die Landstraße war vereist, der Wagen schleuderte und war anschließend nur noch Schrott, ich stand etwas benommen neben ihm und neben mir. Zehn Autos - der etwas größeren und teureren Bauart - sahen das Elend und fuhren vorbei. Der elfte hielt. Vier junge Türken, zurück von der Disco. Sie regelten alles, riefen Polizei und Abschleppdienst an und schenkten mir eine halbe Stunde Zeit. Seitdem erzähle ich gerne, dass vier junge Türken meine Nächsten waren und sich als meine Nächsten verhalten haben, als es "drauf ankam".

Wer ist denn nun mein Nächster, fragt der Schriftgelehrte. Ich höre heraus: Das hat doch wohl seine Grenze mit der Nächstenliebe! Klar: die Familie gehört dazu. Die Freunde, die Nachbarn. Die, die einem Gutes getan haben. Äußerste Grenze: der Stammes- oder Volksgenosse. Da möchte einer gerne Grenzen ziehen: Bis dahin - und nicht weiter!

Nicht nur der Schriftgelehrte damals dachte so. Heutige Menschen singen vielleicht lauthals das Lied mit "Zieh den Kreis nicht zu klein …". Aber im wirklichen Leben fallen die gezogenen Kreise oft sehr bescheiden aus. Man wandere einmal über ein Gemeindefest und schaue zu, wer mit wem.

Jesus mit seinem göttlich und menschlich großen Herzen ist einer, der die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen unterläuft. Seine Hauptperson und sein Held im Gleichnis ist ein Mann aus Samarien. Mit den Leuten von dort wollte man nichts zu tun haben. Sie standen eindeutig "außerhalb"! Ausgerechnet so einer hilft, während Priester und Levit vorübergehen.

Der Samariter hatte "Mitleid" mit dem Verletzten. Unserer Sprache fehlt das passen-de Wort. Mitleid klingt so rührselig und flach, Barmherzigkeit so antiquiert. Gemeint ist, dass das Leiden eines anderen Menschen mich ganz tief berührt - so tief, dass ich ihm beim Tragen und Ertragen helfen will. Das nennt man heute meist solida-risch. Die Schritte des Samariters: Er "ging hin zu ihm" (oft schon der entscheidende Schritt!), leistete "erste Hilfe", brachte ihn zu einem Ort der Hilfe - der Herberge - und bat einen anderen - den Wirt - um weitere Pflege. Das war nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht; "Mitleid" bringt das Herz, den Kopf, die Hände und Füße in Bewegung.

Im Evangelium prägen Mitleid und Barmherzigkeit das Sehen und Handeln des Heilands. Er sieht die Witwe in Nain und so viele Kranke und ist in seinem Inneren (in seinen "Eingeweiden", wie es im Griechischen heißt) von Mitleid gepackt. Die Kirchenväter haben Jesus oft mit dem Samariter verglichen, dem Außenseiter und Fremdling mit dem richtigen, nämlich barmherzigen Blick. Und uns Christen haben sie die Rolle des Herbergswirtes zugedacht - dessen, der " weiter sorgt". Am besten sorgen wir wohl weiter, wenn wir die Grenzziehungslust des Schriftgelehrten (Wer ist denn überhaupt mein Nächster?) überwinden. Wir sollen, dürfen, können selber zum Nächsten werden und mit wacher Aufmerksamkeit "die Tür öffnen, bevor der andere angeklopft hat".



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