Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Inka-TorDurch die enge Tür

Predigt am 22.08.2010


Fördern und fordern - das sind zwei wichtige Stichworte für die Erziehung. Das Stichwort "fordern" ist dabei erst in den letzten Jahren wieder deutlicher ausgesprochen worden. Also nicht nur, dass man fördern, stärken, geben will, sondern auch, dass man fordern muss. Sonst wird Erziehung schnell zum Pappkameraden, zu einer lauwarmen Veranstaltung. Arme verwöhnte Schüler, die immer nur bekommen haben - nur eines nicht: Herausforderungen, Forderungen, an denen sie sich reiben können, an denen sie wachsen.

Mit dem Glauben ist es wohl ähnlich. Es gibt heute - weit verbreitet - den "Glauben light", den weichgespülten Glauben. Er gehört zur Abteilung "Wellness" und spielt die Rolle einer Kuscheldecke. Der Glaube "light" soll gut tun, entspannen, entlasten, mir das Gefühl geben: Ich bin ok! Er soll keine Mühe kosten. Er soll nur geben - positive Gefühle -, aber er darf nichts fordern, nichts kosten. Das Leben ist schließlich schon schwer genug! Stress im Beruf, oft auch in der Familie - knapp bemessene freie Zeit - Konflikte, die drücken - Sorgen im Vorder- oder Hintergrund des Lebens: das reicht doch wohl! Da tue ich mir doch nicht zusätzlichen Stress an - etwa durch den Glauben und seine Ansprüche. Bitte nicht noch ein Stressfaktor mehr! Wenn, dann muss Glaube mir gut tun, muss eine Oase sein zum Durchatmen, muss gute Gefühle in mir auslösen, muss mich zur Ruhe bringen. Diese Hoffnung verbinden viele Christen vor allem mit der hl. Messe. Viele andere lieben dagegen einen Hauch von Buddhismus: der sitzende Buddha mit seinem Lächeln und seiner Ausgeglichenheit. Der wird für viele zum Leitbild. Und der Dalai-Lama, auch lächelnd und ausgeglichen. Die Mühe, die hinter diesem Lächeln und der Gelassenheit steckt, wird eher nicht gesehen: die Disziplin in der Meditation, das Ringen um Verzicht und Loslassen. Wohltuendes wird erhofft. " Was gibt mir das?" ist oft die Zugangsfrage, und nicht: "Was muss ich dafür tun?"

Dabei wissen wir doch: Nichts fällt vom Himmel, alles will eingeübt werden. Wer Klavier spielen und nicht bloß herum klimpern will, muss täglich üben. Eine alte Großmutter - in einem Religionsbuch für Kinder - unterhält sich mit ihrem kleinen Enkel. Der versucht, gut zu sein, aber es klappt nicht. Er ist enttäuscht, dass das Gut-Sein so schwer ist und man dabei so schnell auf die Nase fällt. "Ja", sagt die Oma versonnen, "beim Gut-Sein muss man viel üben!" " Hast du auch viel üben müssen?", fragt der kleine Enkel. " Ich übe immer noch," sagt die Großmutter.

Ja, man muss viel und lange einüben in Sachen Glauben, Hoffen und Lieben. Jesus drückt das aus in dem Satz "Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen."

Man muss üben, lebenslang. Mit allen Kräften. Einüben das Gottvertrauen, das Beten, die Liebe zum Nächsten, das Leben mit der Kirche. Die Herausforderungen des Glaubens sind groß, die Gegenkräfte, die mich wegziehen ("Vergiss es. Es lohnt nicht. Leb nach deinem eigenen Geschmack") sind mächtig. Wer glauben will, muss den Glauben ernst nehmen. Der Glaube soll wichtig und bedeutsam sein für das eigene Leben - eine Grundlage meines Verständnisses vom Leben, meiner "Welt-Anschauung", wie man früher sagte. So "ein bisschen Glaube", ein kleines Sahnehäubchen auf dem Leben, das geht eigentlich nicht - so ein bisschen Glaube als Verzierung für festliche Stunden. Glaube ich an Gott? Glaube ich "irgendwie so ein bisschen" an Gott? Glaube ich nicht an Gott? Von der Antwort hängt einiges ab für unsere Art zu leben - für die Wichtigkeit, die wir den Fragen und Dingen geben.

"Was nichts kostet, ist auch nichts wert!" Was nie meine Kraft, meine Zeit, mein Interesse und meine Liebe gekostet hat, ist für mich auch nichts wert. Das ist eine unbequeme Lebenserfahrung - und sie gilt auch für den Glauben. Immer wieder schauen wir im Glauben auf das Zeichen des Kreuzes. Es sagt uns: Die Liebe zum Menschen hat Jesus das Leben gekostet! "Drunter" hat er es nicht getan! Das ist die "enge Tür" im Evangelium. Gewiss kann und wird der Glaube auch eine Oase im rauen Alltag sein, ein Ort des Auftankens, des Wohlfühlens und der Ermutigung - ein Ort, wo ich nicht ständig etwas leisten muss. "Durch die breite Tür" komme ich dorthin. Aber es braucht auch die "enge Tür", die heilsame Unruhe, dass ich mich nicht vorschnell mit meinem Leben zufrieden gebe. Die Unruhe, die mich vor innerer Bequemlichkeit und Trägheit bewahrt, vor geistigem Stillstand. Zum Nulltarif ist ein erwachsenes Glaubensleben nicht zu haben - es "kostet" inneren Einsatz, Zeit, Nachdenken und oft genug den Kampf mit dem "inneren Schweinehund", der die allerbequemsten Wege gehen will.

"Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen." Fördern und fordern, herausfordern - das ist der Weg Jesu. Um Überforderungen geht es dabei nicht. Es geht darum, dass wir entschlossen das tun, was wir können - nicht mehr und nicht weniger. Jesus sagt: Es lohnt sich zu tun, was du kannst! Und du wirst merken: Wer gibt, der empfängt. Wer gibt, der empfängt Zuversicht, Sinn im Leben, Zufriedenheit - Gaben, Früchte, die uns gut tun. So wird auch das Wort von der "engen Tür" zur Frohen Botschaft. Wenn du dich nicht gehen lässt und dich nicht einrichtest in einem bequemen, satten, selbstzufriedenen Leben und Glauben, wenn dich die "enge Tür" dazu bringt, entschiedener und bewusster den Weg mit Gott und den anderen zu gehen, wenn dein Herz offen bleibt für die Herausforderungen des Lebens - dann wird dein Leben reicher und dein Glauben erfüllter. Dann erfreuen dich die Gaben. Dann erntest du die Früchte.




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