So sprach Jesus zu seinen Jüngern. Ich frage mich, ob er die Jünger und uns, wenn er uns denn mit gemeint hat, nicht überschätzt
hat. Die Jünger - Licht der Welt? Merkwürdiges Licht: - als Jesus sie wirklich brauchte - auf seinem Leidensweg, in seiner Todesangst - da
sind sie eingeschlafen, da sind sie geflohen, da waren sie alle weg. Lichter, die nicht leuchten, die reinsten Tranfunzeln. Und mit uns steht es nicht
anders.
Licht vom Lichte, sagen wir im Großen Credo über Jesus. Ehe wir uns selbst Licht nennen lassen, sollten wir lange auf ihn schauen: Ihn, das
Licht der Welt. Da passt das Bild auf Anhieb, wir spüren es tief, je bedürftiger und ärmer wir dran sind: er ist das Licht.
Wir haben vielleicht schon die verschiedensten Lichter und Lichtquellen durchprobiert, der Glanz der Welt hat uns vielleicht geblendet, zu viel Licht ist
uns in die Augen gekommen, wir wussten gar nicht mehr, wohin schauen, und dann: eine Krankheit, eine Krise, eine Lebenswende, und wir spüren: das
uuml;berblendende, überdrehte Licht, das in der Luft liegt, hilft uns nicht wirklich, hilft uns nicht zu sehen, ist eher dabei, uns blind zu machen.
Das Licht der Konsumwelt und der Medien: es ist zu kalt. Dieses Licht, das aus Schaufenstern und Fernsehmattscheiben fällt, es lenkt ab, es dringt
nicht auf den Grund. Bis zur Oberfläche, ja, bis auf die Netzhaut, ja, aber nicht drunter. Der Weg zu unserem Herzen, zu unserer "inneren Mitte" bleibt
ihm verschlossen. In unserer glitzernden Fassadenwelt des schönen Scheins, der noblen Verpackung, des glänzenden Outfits und Designs sagt eine
leise Stimme: "Ich bin das Licht der Welt!" Im Geiste stelle ich mir zu dieser leisen Stimme eine Kerze vor, unscheinbar, flackernd, eine Kerze, die sich
verzehrt, die sich verbraucht, die weniger wird, verlöscht, bis die nächste angezündet wird. Hat diese Kerze in all dem Neon- und
Halogengeflimmer von heute eine Chance?
Anders gefragt: Geben wir ihr eine Chance? Haben wir noch Erwartungen an dieses "Licht der Welt"?
In der vergangenen Woche - am Fest Maria Lichtmess, wie wir immer noch sagen - wurden die Kerzen geweiht. Und zwei alte Menschen wurden uns im Evangelium
vor Augen gestellt: Simeon und Hanna. Sie kennen die Szene. Zwei Menschen, die in ihrem hohen Alter das Licht sahen, weil sie es erwarteten. Hätten sie
es nicht erwartet, hätten sie es nicht gesehen - zu unscheinbar kam es daher, in einem neugeborenen Kind. Aber die beiden Greise waren immer noch voller
Sehnsucht, Wartende waren sie, sie hatten nicht resignierend mit dem Leben abgeschlossen - was kann für uns denn noch Gutes kommen?". Sie lebten nicht
im Gestern, wie es viele Altgewordene tun, wenn sie sagen: Zu meiner Zeit, vor fünfzig Jahren… Nein, jetzt ist meine Zeit, jetzt kann das Heil kommen,
das wahre Licht, jetzt kann Gott mir begegnen - wie damals, in einem kleinen Kind. Simeon und Hanna: satt an Erfahrung, gebeutelt von Schicksalsschlägen,
aber ganz wach für das Licht ("das die Heiden erleuchtet"), ganz lebendig. 80 Jahre - und die Sehnsucht ist noch nicht erloschen, der Traum nicht
abgeschminkt, die Hoffnung nicht eingeschlafen!
Jung sein: das heißt: voller Sehnsucht sein - auch der nach einer besseren Welt -, wagen zu träumen, Erwartungen und Hoffnungen großschreiben -
damals: die Hoffnung auf den Messias.
Aber dann kommen die Enttäuschungen. Resignation frisst sich ein. Erfahrungen und die berühmten "Sachzwänge" machen die Hoffnung platt, radieren
die guten Erwartungen aus. Man hat dann keine Augen mehr für das Licht, das von Gott her auf uns Menschen scheint.
Simeon und Hanna sind trotz ihres hohen Alters in ihren Augen, in ihrer Wahrneh-mung, jung geblieben, Suchende geblieben mit großen Erwartungen. Die hat
ihnen kein Schicksalsschlag austreiben können. Sie "sahen das Licht" - sie waren noch offen für diese Begegnung am Ende ihres Lebens, in der ihre
Sehnsucht erfüllt wurde. Und dann konnten sie getrost gehen, getrost ja sagen zum Ende.
So wie Simeon und Hanna möchte ich das "Licht der Welt" sehen können, weil meine Augen noch erwartungsvoll sind. Mit diesem Licht möchte ich Herz
und Augen gleichsam "auffüllen" - wie eine Batterie. Dann kann auch ich ein kleines "Licht der Welt" sein.
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