Wir haben in der letzten Woche bis zum Überdruss erlebt, wie das ist, wenn einer sein Haus auf Sand baut. Die Fallhöhe war sehr hoch.
Der beliebteste Politiker Deutschlands - der Baron zu Guttenberg - stürzte tief. Vielleicht nicht nur wegen der verpfuschten Doktorarbeit.
Vielleicht auch, weil er so auf den Ruhm und die Popularitätswerte gebaut hatte, dass er sich sagte: "Mir kann doch nichts passieren. Mir
nimmt man das nicht krumm. Ich stehe das durch." Oft erkennt man bei sich selber nicht den Sand und meint vielleicht noch, es wäre
Goldstaub.
Schnell kann der Glanz zu Ende sein. Schnell kann Volkes Gunst und Zustimmung verfliegen. Am Palmsonntag liegen "Hosianna!" und "Kreuzigt ihn!"
ganz nah. Wenn ein Papst neu eingeführt wird, dann wird zur Mahnung ein Bund Flachswerg vor seinen Augen angezündet und verbrannt mit den
Worten: "Sic transit gloria mundi. So vergeht die Herrlichkeit der Welt!" Auch er, der Papst, soll sein Haus, sein Leben nicht auf Sand bauen,
vielmehr auf Felsen. Der erste Papst, Petrus, wird von Jesus "Felsen" genannt. Wie ein Felsen soll er sein für die anderen. Wie ein
tragfähiges Fundament.
Liebe Mitchristen, ich habe heute meinen 36. Weihetag. Wenn man älter wird und Geburtstag, Hochzeitstag - oder eben Weihetag hat, fragt man sich
wohl irgendwie: Wo stehst Du jetzt? Und in meinem Fall auch: Wo steht die Kirche, wo steht die Gemeinde? Wie sind die Sand-Erfahrungen, wie sind die
Fels-Erfahrungen?
Zum Älterwerden gehört, dass man auf Vergänglichkeit gestoßen wird - wie wir alle am kommenden Aschermittwoch, im Zeichen der Asche:
"Gedenke, Mensch, dass du Staub bist". Asche, Sand, Staub - das alles ist sehr brüchig, das zerbröselt unter den Händen. Alles ist im
Fluss, entwickelt sich weiter, stirbt ab oder blüht neu auf. Was ist schon tragfähig? Nicht Ruhm und Ehre. Das vergeht. Nicht das Ansehen bei
den Leuten, ihre Sympathie. Das hat seine Konjunktur, geht auf und nieder. Nicht mal der Besitz. Aktien können abstürzen. Dinge vermodern,
verlieren ihren Wert. Bücher - meine liebsten Gegenstände - werden bald verramscht. Auf allen Dingen steht das Verfallsdatum.
"Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Rost und Motten sie zerstören", hat Jesus gesagt. Schätze auf Erden sind im Grunde nur wie Sand -
auch wenn sie noch so glänzen! Wenn wir eine Bilanz ziehen wollen über unser Leben, dann kommt es wohl auf andere Schätze an!
So wächst, zumindest bei mir, auch durch das Älterwerden der Wunsch und die Sehnsucht nach Fels-Erfahrungen. Was ist wirklich tragfähig?
Was kann Fundament sein? Worauf kann man sein Leben bauen? Was ist echt und nicht bloß leere Blase und Blenderei und schöner Schein?
Der "Fels" Petrus hat sich das damals auch gefragt. Als Jesus seinen Jüngern in einer Phase der Erfolglosigkeit und des Scheiterns mit der Frage
kommt: "Wollt nicht auch ihr gehen? Was hält euch denn noch?", antwortet Petrus, wohl auch im Namen der anderen: "Ja, wohin sollen wir denn gehen?
Wo gibt es denn eine Alternative? Du allein hast Worte des ewigen Lebens!"
Fundament, fest wie ein Fels: Petrus hat sich sicher überfordert gefühlt! - Er kannte sich, wusste, wie wankelmütig und ängstlich er
war, wie sehr ein Mensch mit Licht und Schatten. Und so ist auch nie die Kirche der Fels und das Fundament. Sie ist heilig und sündig zugleich.
Heilige und Sünder gehören zu ihr. Sünder, die zur Heiligkeit gerufen sind. Aber eben auch Heilige. Ihretwegen freue ich mich, in der
Kirche zu sein. Sie sind die Licht - Gestalten, die die Wahrheit leuchten lassen. Ihretwegen ertrage ich - manchmal zähneknirschend - die Schatten,
die das Licht verdunkeln. Die Unwahrhaftigkeit, die Halbherzigkeit, die Rechthaberei, den ganzen "Mist", der sich angesammelt hat, weil wir Menschen,
weil wir Sünder sind, immer nur das. Wir sollten uns nicht eine ideale Kirche herbei träumen, die sozusagen nur aus Engeln besteht. Und wir
sollten nicht in der heute in Deutschland typischen Heuchelei übereinander herfallen und jeden Sünder, der überführt ist, öffentlich
und privat in den Boden stampfen. Es gehört zum Wirklichkeitssinn der Christen, sich von der Sünde und Schlechtigkeit nicht überraschen zu
lassen, sondern mit ihr zu rechnen und dann um göttliches und menschliches Erbarmen zu bitten. Wir haben Adam und Eva leider mehr in den Genen als
Jesus Christus.
Nein, eigentlich ist nicht Petrus der Fels, sondern Christus ist der Fels, Er mit "den Worten ewigen Lebens". Und wir sind nicht die Besitzer des
Felsenfundaments und der Wahrheit - nur Fundamentalisten behaupten das. Nicht Besitzer, vielleicht eher Felsenkletterer. Menschen, die sich am Felsen kletternd
abmühen, an diesem exis-tentiellen Gebirge mit Namen "Gott". Menschen mit ihren Unsicherheiten und ihren Zweifeln. Jeder mit seinem eigenen Tempo und
seiner eigenen Erdenschwere. Mit allem, was sie herunterziehen kann. Menschen, die manchmal an der Kletterwand, der Steilwand hängen und hängen
gelassen sind. Menschen, die eine hilfreiche Seilschaft zu schätzen wissen - den Aufstieg mit anderen. Menschen, die "nach oben" wollen, zur Felsenspitze
hin, weil sie ahnen: die Aussicht wird wunderbar sein, weit und klar! Klettern: das heißt, die Worte ewigen Lebens zu hören - und danach zu handeln.
Mit aller Anstrengung auf dem Weg und mit aller Freude am Ziel. Klettern und so sein Lebenshaus auf gutem, festen Grund bauen. Auf Fels, nicht auf Sand.
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