Medardus
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Taufe JesuAufstehen

Lüdenscheider Nachrichten 23.04.2011


"Wie fröhlich bin ich aufgewacht!" Na ja. Nicht jeder weiß vom Aufstehen ein solches Lied zu singen. Morgens sich aus dem Bett herauswinden - das ist Aufstehen Numero Eins - für viele ein mühsamer Start in den Tag!

Aufstehen Numero Zwei geschieht dagegen ganztägig, ganzjährig und ist wesent-lich anstrengender und anspruchsvoller. Auf die Nase fallen und wieder aufstehen und weitergehen. Der Versuchung widerstehen, liegen zu bleiben und sich aufzugeben. Nach einer gewissen Schonzeit des Wundenleckens einen neuen Anfang wagen da, wo meine heile Welt in Scherben liegt oder zumindest schon kräftige Sprünge hat. Aufstehen Numero Zwei heißt hier: Aufstand gegen die Resignation, gegen die Ohnmacht, gegen die Erschlaffung und Müdigkeit, gegen alles, was mir die Hoffnung rauben will. "Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!" So spricht immer wieder Jesus, die Hoffnung in Person.

Aufstehen Numero Drei heißt auch Auferstehung und wird zu Ostern gefeiert - zwei Tage lang, weil ein Tag nicht reichen würde. Es ist nicht einfach, darüber zu reden, weil dieses Aufstehen außerhalb unserer Erfahrung liegt. Auferstehen geschieht im Glauben, geschieht nicht nur zur Osterzeit, nicht ganztägig, nicht ganzjährig. Es nimmt dem Tod das letzte Wort, erreicht die Grenzen der Zeit, überschreitet und sprengt sie, ist der Weg ins Ewige. Auferstehen - Sie merken es - ist höchst anspruchsvoll. Aber mühsam und anstrengend scheint es nicht zu sein: denn es ist nicht unser Werk. Es ist Tat Gottes, sein Geschenk und seine Möglichkeit: Jesus Christus wurde als erster auferweckt von den Toten. Ihm allerdings war erst der Weg zum Kreuz aufgegeben.

Von Eins nach Drei erleben wir also eine gewaltige Steigerung. Aufstehen vom Schlaf ist alltäglich und eine Frage der Disziplin. Aufstehen aus der Ohnmacht und Mutlosigkeit ist großartig und eine Frage der Hoffnung, die mich trägt. Auferstehen aus dem Tod ist Schwindel erregend und jenseits aller Grenzen - selbst dieser ehernen, so endgültig wirkenden Grenze des Todes. Es sprengt das enge Gehäuse unseres Denkens, Sprechens und Empfindens. Alltagserfahrung ist nicht alles! Die Auferstehung, so der Schweizer Dichter Kurt Marti, ist "der Aufstand Gottes gegen die Herren und gegen den Herrn aller Herren: den Tod". Dieses große Wort "Auferstehung" ist eine einzige Frage an uns, es stellt das Selbstverständliche in Frage - stellt selbst den Tod in Frage. Aber es gibt auch eine Antwort: dass unsere alltägliche Hoffnung begründet ist und keine leere Illusion. Kurz gesagt: Drei trägt Zwei. Auferstehen trägt aufstehen.

Wie das geht, wird in den Ostergeschichten der Bibel erzählt, vielleicht am schönsten bei Lukas im berühmten Emmausgang. Zwei Jünger haben Jerusalem, den Schauplatz des Todes Jesu, verlassen und sind unterwegs in das Dorf Emmaus. Auf dem Weg kommt der Auferstandene hinzu und geht mit ihnen: anonym, unerkannt, als Fremder. Jesus lässt sich auf ihre Not und Trauer ein, deutet ihnen die Heilige Schrift und stellt alles, was geschah, in ein neues Licht. In Emmaus angekommen, bitten die Jünger, er solle bleiben. Jesus, der Gast des Lebens, wird nun zum Gastgeber und hält Mahl mit ihnen. Als er - wie beim letzten Abendmahl - das Brot bricht, gehen den Jüngern die Augen auf; daran erkennen sie ihn. Er aber entzieht sich ihren Blicken. Sie haben genug zu sehen bekommen, sie wissen nun, wo sie ihn finden können. Die Jünger, mit "brennenden Herzen", brechen auf und kehren nach Jerusalem zurück, um die anderen teilnehmen zu lassen an ihrer Freude und neu gefundenen Hoffnung. Der Auferstandene trägt das Aufstehen und Aufbrechen der Jünger - und vielleicht auch alles, was sich bei uns unter "Numero Zwei" abspielen mag.

Ihnen ein gesegnetes Osterfest!


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