Die Osternacht in St. Joseph und Medardus |
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An einem der letzten Karfreitage lief im Fernsehen ein biblischer Film: die hochpolitische Suche nach dem Leichnam
Jesu. Der Kaiser Tiberius von Rom, Beherrscher der Welt, hat schwere Träume. Im Traum wird ihm bewusst, dass
nicht mehr lange durch die scharfe Klinge des römischen Schwertes die Welt beherrscht wird, sondern dass etwas
Neues heraufzieht. Eine neue Art zu leben, ein neuer Glaube mit so merkwürdigen Sätzen wie:Liebet eure Feinde!Ein Alptraum für den Kaiser! Es verstört den Tiberius, dass der Leichnam dessen verschwunden ist, von dem diese merkwürdigen Sätze kommen - Jesus. Und so befiehlt der Kaiser einem seiner besten Offiziere, nach der verschwundenen Leiche zu suchen - so als könnte man mit dem Toten auch die neuen Gedanken aus der Welt schaffen. Die Suche gestaltet sich mehr als schwierig. Alle Möglichkeiten werden durchgespielt: Haben die Jünger vielleicht schlicht und einfach den Leichnam geklaut und dann das Märchen von der Auferstehung in die Welt gesetzt? War Jesus am Kreuz vielleicht nur scheintot und hat sich hinterher von den Strapazen der Kreuzigung wieder erholt? Denn das Grab ist leer, keine Spur von einem Toten! Das Grab, das doch gemeinhin Endstation ist, die große Sackgasse, das absolute Aus! Wo also ist dieser Jesus, die eigentliche Hauptperson des Films, um den sich alles dreht, der aber im Film nicht direkt auftritt? Wo ist dieser Jesus? So fragt sich immer unruhiger der Offizier, der seinen Kaiser nicht enttäuschen will - und so fragen wir Christen mit, noch heute, denn daran hat sich nichts geändert: Immer bleibt Christus die Hauptperson, immer dreht sich im Glauben alles um ihn, und noch immer nicht tritt er direkt auf, allen sichtbar. Die Suche von damals - wo ist er? - ist auch die Suche von heute! Der Offizier spürt: Er wird die Antwort nicht in Jerusalem finden, nicht im Offizierskasino, nicht in seiner vertrauten Umwelt, nicht in der öffentlichen Meinung und den "Medien" von damals - und so macht er sich auf und zieht in die Richtung, die auch das Evangelium weist: nach Galiläa. Zu den armen Leuten, zu den Fischern und Hirten. Zu der Kronzeugin, Maria Magdalena; vielleicht hält dieser Jesus sich bei ihr versteckt. Der Weg dorthin führt durchs Gebirge, der Offizier hat Hunger und Durst, es ist kein gemütlicher Osterspaziergang. Offensichtlich ist das Aufspüren dieses Jesus mühsam - es fällt einem auch heute nicht in den Schoß oder als Zutat ins Ostereierkörbchen; es muss stattdessen erbetet und erkämpft werden. Unterwegs trifft er einen, der sich auskennt. Ist Jesus bei ihr, fragt der Offizier. "Ja, Jesus ist immer bei ihr", sagt der Mann. Und diese Antwort ist vielleicht die kürzeste Übersetzung von Auferstehung: Ja, Jesus ist immer bei ihr. Ja, Jesus ist immer bei uns. Natürlich haben die beiden hier aneinander vorbei geredet. Der Offizier fragt immer noch wie ein Detektiv, wie ein Skeptiker von heute, und hat im Sinn: Jesus hat sich bei Maria Magdalena versteckt. Die Antwort aber liegt auf einer anderen Ebene - es ist eine Antwort des Glaubens und der inneren Erfahrung. Im Glauben stimmen wir ein: Ja, Jesus ist immer bei uns. Er lebt! Wenn es dafür keine Beweise gibt, dann vielleicht doch Hinweise, Spuren? Und so kommen wir zum Schluss des Films: Maria Magdalena lebt in einem abgelegenen Dorf und pflegt - Aussätzige. Sie verbindet Wunden. Sie stützt und ermutigt. Sie tut das, was Jesus getan hat. Und sie hat die Kraft dazu - eine unglaubliche leidenschaftliche Kraft. Jesus wohnt in meinem Herzen, sagt sie dazu. Später wird man diese Kraft "heiliger Geist" nennen. Unser Offizier im Film fängt an zu begreifen. Die Armee ist hinter ihm her; sie ahnt, dass sie ihn innerlich schon verloren hat. Er wird verhaftet und getötet. Seine letzten Worte lassen erahnen, warum: Einer, der Jesus so dicht auf den Fersen war, - einer, der die Worte Jesu erst im Kopf und dann im Herzen hat, kann nicht zurück ins alte Spiel der Macht und Gewalt. Er trägt eine neue Welt in sich: ein neues Leben. Das Leben des auferstandenen Christus. Jeder Film ist ein Werk der Phantasie, aber dieser passt gut zur Botschaft von Ostern. Da kommen Frauen. Auch ihnen geht es zunächst um den Leichnam. Sie wollen ihn salben und konservieren. Sie wollen ihn zur Mumie machen. Stellen Sie sich das vor: Jesus als Mumie! Als Konserve! Schön konserviert, einbalsamiert: Reine Vergangenheit, keine Gegenwart. Und wir heute, die Kirche, dann ein reiner Erinnerungsverein, beschäftigt mit Grabpflege: "Wisst ihr noch, Jesus - damals?" Aber dann kommt alles anders, in der Morgenfrühe. Die biblische Bildsprache ist gewaltig: Ein Erdbeben! Nicht so eines wie in Japan, sondern eher ein "Geistesbeben", das einem den Boden unter den Füßen wegzieht und die inneren Gewissheiten erschüttert. Zum Beispiel die: mit dem Tod ist alles aus und vorbei. Ein Beben, eine Erschütterung, ein Einbruch von oben, und ein Engel, meint: ein göttliches Geschehen, nicht wir haben uns die Auferstehung ausgedacht! Als die Frauen ankommen, ist alles schon geschehen, ist alles schon gelaufen. Der Engel hat den schweren Stein schon weggewälzt und hat sich daraufgesetzt. Was für ein Bild! Der Engel besetzt den Stein des Todes. Du wirst kein Grab mehr zuschließen, nie mehr, sagt diese Geste. Der schwere Stein, der auf dem Grab und uns oft genug auf der Seele liegt. Denn das will Gott nicht, dass unser Leben durch schwere Steine bepflastert und zugemauert wird - er will, dass wir die Weite des Lebens kennen lernen, das wir in das neue Leben hineinfinden, in die Weite Gottes. Das ist so etwas wie ein "Mutationssprung" des Menschen, sagt der Papst in seinem neuen Jesus-Buch. Und dann ist da das Erschrecken der Frauen. "Fürchtet euch nicht", muss ihnen der Engel sagen. Furcht und Zittern ist da, noch kein Halleluja-Gesang, der kommt erst später. Denn wo die Gräber sich auftun - da ist wohl Erschrecken angebracht. Auch für uns heute. Der Engel erklärt nichts. Er beweist nichts. Er analysiert nichts. Er macht stattdessen den Wegweiser, den Richtungsanzeiger: Jesus ist nicht hier. Er geht euch voraus. Er ist immer voraus, weit voraus. Schaut euch die Stelle an, wo er gelegen hat. Und dann zieht los und sagt seinen Jüngern: Jesus ist auferstanden! Er geht euch voraus nach Galiläa, ins alltägliche Leben. Dort werdet ihr ihn sehen. Hinschauen - losziehen - verkünden - dem Vorausgehenden nachfolgen,ihn neu "sehen"- wie die Emmausjünger auf ihrem Weg - das ist seitdem die Reihenfolge in der Kirche. So fängt es mit der Kirche an. Wir taufen heute Abend eine Familie - junge Leute, die aus Armenien stammen. Sie haben ähnliche Schritte gemacht. Sie haben hingeschaut auf ihr Leben, und da fehlte ihnen etwas. Die Tradition und yezidische Religion, aus der sie kamen, ließ sie unerfüllt. Das war es noch nicht. Später zogen sie los - in die Fremde, nach Deutschland, in eine andere Kultur - und kamen hier mit Menschen zusammen, die ihnen vom Glauben erzählten - im Kindergarten, bei der Caritas, in der Gemeinde. Und die etwas vorlebten vom Glauben. Dass der Glaube eine starke österliche Seite der Hoffnung hat und sich in der Liebe auswirkt. Und jetzt tun sie selber mit - und "sehen" ihr Leben in einem neuen Licht. Taufe - das ist die Quelle, die Ostern zu sprudeln begann. Die Quelle des Lebens mit Gott. Zieht los. Geht nach Galiläa. Jesus geht euch dorthin voraus. Ostern heißt: Zeuge zu werden für einen, der lebt. Macht euch auf. Ihr findet ihn bei den anderen - so wie ihn Maria Magdalena im Film bei den Aussätzigen fand. Bleibt in unserer Osterfolklore nicht stecken, bei Ostereiern und Hasenfesten. Das liegt noch nicht auf der Strecke nach Galiläa. Und was ist der kürzeste Weg nach Galiläa? "Der kürzeste Weg, dir zu begegnen, Jesus? Text downloaden |
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