Medardus
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TürChristus, der Türöffner

Predigt am 15.05.2011


Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II liegt nun zwei Wochen zurück. Sein Nachfolger Benedikt XVI nannte ihn einen Türöffner - Türöffner für Christus. Ein schönes und stimmiges Bild für den alten Papst! In einer seiner ersten Predigten 1978 hatte er gesagt: "Habt keine Angst! Öffnet die Türen für Christus!" Das gehörte bei ihm immer zusammen: sich nicht zu fürchten, mutig und hoffnungsvoll zu sein - und die Türen zu öffnen, nach innen, zu sich selber hin, ins eigene Herz hinein - und nach außen hin, zu anderen Menschen und Kulturen hin. In meinem Urlaub an der Küste Kroatiens hatte ich Zeit, meine römischen Eindrücke bei der Seligsprechung zu "verdauen", und las eine dicke neue Biographie über den polnischen Papst. Auf den vielen Seiten ist vor allem dies beschrieben: wie er Türen geöffnet hat, auf dass Menschen neu Christus begegnen können. Seine vielen Reisen kamen nicht aus Reiselust und touristischen Interessen; sie dienten dazu, Türen zu öffnen, bedrängte Christen zu stärken - in Polen, in Kuba, im Hl. Land -, die armen Länder der so genannten Dritten Welt zu ermutigen und einen Dialog zu führen mit den "Anderen". Darum ging er noch im hohen Alter als erster Papst in Synagogen und Moscheen und scheute sich nicht, mit der Mentalität der westlichen Welt zu "streiten", mit dem oberflächlichen Materialismus, mit dem Werteverlust und dem Gottesverlust, der unsere Welt immer mehr beherrscht. Türen öffnen - dazu man auch einen geistigen Streit führen, muss man sich auseinander setzen. Erst wenn man miteinander redet, kann sich etwas bewegen, kann ein Türspalt aufgehen - für Christus.

Der Erzbischof Dolan von New York erzählte in Rom von seiner Kaplanszeit. Er betreute damals ein von Mutter-Teresa-Schwestern geleitetes Heim für AIDS-Kranke im letzten Stadium. Es gab einen Patienten, der besonders aggressiv war gegen alles, was mit Glauben und Kirche zu tun hatte. Und der erbat auf einmal - kurz vor seinem Tod - die Taufe. Warum das, bei dieser Abneigung gegen alles Religiöse? Der Todkranke sagte: "Ich habe immer wieder die Schwestern angeschaut. Die tun ihren Dienst mit so viel Freude. Selbst die dreckigsten Arbeiten sind ihnen nicht lästig. Sie strahlen so viel aus. Ich weiß fast nichts von Gott und Jesus. Aber wenn der Glaube zu dieser Freude führt, dann möchte ich dazu gehören." Dolan sagte noch, er habe nie wieder in seinem Leben ein so einfaches und so bewegendes Glaubensbekenntnis gehört. Durch das Lächeln und die Freude von Ordensschwestern ging hier mehr als ein Türspalt für Christus auf!

Nun, wir kennen auch die andere Seite. Die Türen sind fest zugesperrt. Menschen sind verschlossen für den Glauben. Und wir, die wir ihnen nahe kommen möchten, finden den Schlüssel nicht, finden den Zugang nicht. Papst Paul VI traf einmal Roger Schutz, den Gründer von Taizé, wo so viele Jugendliche hingingen, und sagte zu ihm: "Sie haben den Schlüssel zu den Jugendlichen. Geben Sie ihn mir!"

Wo finden wir den Schlüssel, um Türen zu öffnen? Die Türöffner mit dem Schlüssel leben alle aus einer starken österlichen Hoffnung: Frere Roger, Mutter Teresa, Papst Johannes Paul - ihre Hoffnung ist: Gott öffnet Türen, wo wir nur Mauern sehen! Gott selber öffnet Türen, in Seiner Kraft werden einem die Schlüssel zugesteckt.

In den Ostergeschichten wird immer wieder erzählt, wie der auferstandene Jesus Christus durch verschlossene Türen ging. Was für ein Bild! Verschlossene Türen waren kein Hindernis für ihn. Die Jünger hatten sich aus Angst vor Verfolgung förmlich "eingemauert", hatten sich zurückgezogen ins stille Kämmerlein, hatten die Türen sehr fest hinter sich verschlossen. Und diese Mauer der Abwehr durchschreitet Jesus. Durch die Angst hindurch kommt Jesus zu den Jüngern, spricht sie an, gibt ihnen Mut und Hoffnung und seinen heiligen Geist.

Später erzählen die ersten Christen in den Evangelien vom Türöffner Jesus Christus. Sie erinnern sich, wie er Menschen "geöffnet" hat, die "zu" waren - die Blinden, die Tauben, die Schuldbeladenen. Blind sein und taub sein ist im Evangelium ein Bild dafür, dass der Mensch ganz in sich verschlossen ist, dass auch die Sinne (die Augen, die Ohren) kein Fenster zur Welt darstellen, und dass auch der Weg zu Gott dadurch versperrt ist. Jesus aber schafft Zugänge - schafft es, dass Menschen sich ernst genommen, ja dass sie sich geliebt fühlen. Er schafft den großen Durchbruch durch alle Trennmauern hindurch. "Ich bin die Tür zu den Schafen," sagt er im heutigen Evangelium. "Ich bin die Tür. Wer durch mich hinein geht, wird gerettet werden. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben - und es in Fülle haben." Jesus schafft den ganz großen Durchbruch ins neue, ins ewige Leben: durch die Tür der Gottesfreundschaft. In der Geheimen Offenbarung spricht Christus: "Ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann." Niemand mehr - keine Macht auf Erden! Selbst die absolute Verschlossenheit des Todes ist durch ihn geöffnet. Das letzte Wort in der Welt heißt nicht mehr Tod, sondern Leben.

Gott öffnet Türen, wo wir nur Mauern sehen - und Bedenken haben. Das ist heute sehr stark unsere "Mentalität", gerade in Deutschland: Wir haben in allem Bedenken. Wir trauen uns nicht. Wir sind Weltmeister in der Angst. (German angst, sagt man z.B. in den USA). Wir versichern uns gegen alles. Wir zweifeln. Wir setzen gegen den frischen Wind der Erneuerung Mauern - und nicht Windmühlen, auf die wir den Wind lenken könnten. Wir planen mit Vernunft, aber ohne Gottvertrauen. Wir riskieren nichts. Wir sind oft Pessimisten und manchmal Optimisten, aber kaum noch Träger der christlichen Hoffnung. Und wissen vielleicht, dass es in anderen Ländern ganz anders ist, dass oft gerade die Armen die Hoffnung leben und Freude ausstrahlen.

Schauen wir "mit den Augen des Herzens" auf den Türöffner Jesus, auf die Tür mit Namen Jesus Christus, auf den großen Durchbruch Gottes in unsere Welt hinein - und bitten ihn, dass er uns jeden Tag neu Vertrauen und Mut und Hoffnung schenkt. Dass wir nicht gegen Mauern anrennen, sondern die schon geöffnete Tür durchschreiten - und selber immer mehr zu Türöffnern werden. Denn Hoffnung ist die Gabe, die uns weitergehen lässt - auch wenn wir versucht sind zu meinen, dass Gott schläft, dass er uns nicht im Blick hat. Seien wir dankbar für diese Gabe.




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