Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

TürZeuge sein in der Stadt

Ruhrwort vom 28. Mai 2011


In Lüdenscheid gibt es zu Beginn eines jeden Jahres ein ökumenisches "Gebet für die Stadt". Im großen Foyer des Rathauses versammeln sich viele Christen - darunter der Bürgermeister und die Verwaltungsspitzen-, um in den Anliegen ihrer Stadt zu beten. Beim letzten Mal fiel mir auf, dass erst drei Tage vorher im Rathaus von Gott die Rede war, als die Sternsinger beim Neujahrsempfang der Stadt dabei waren und den Segen sangen. Man kann die Sternsinger als Folklore abtun, aber man kann sie auch als exemplarisch nehmen für ein christliches Zeugnis in der Stadt:
- Sie gehen durch die Kälte
- Sie schellen und klopfen an den Türen
- Sie bringen etwas mit: den Segen Gottes
- Sie setzen ein Zeichen, schreiben es an die Türen
- Sie stehen in einem größeren Zusammenhang: landesweit
- Sie sammeln und setzen sich ein für Arme
Das etwa ist der Aktionsradius des "Zeugen in der Stadt":
- in die Kälte hineingehen, in die soziale und geistige Kälte hinein, in die winterliche Temperatur des Glaubenszustands hinein, in die Diaspora und Vereinzelung hinein, und sich von der Kälte nicht abschrecken und lähmen lassen und nicht vergangenen wärmeren Zeiten nachtrauern ("Früher war viel mehr Sommer…")
- an Türen klopfen - und angewiesen sein darauf, dass jemand (sich) öffnet - etwas "anbieten" und es nicht in der Hand haben, ob es angenommen wird - dies einer anderen, größeren Hand überlassen
- "Gott mitbringen", seinen Segen und Zuspruch - durch Worte, durch Haltungen, durch Freundschaft und Nächstenliebe, durch Taten - und dadurch "Gott wecken" im anderen, in dem Gott auch "wohnt", aber womöglich überlagert und wie verschüttet ist
- Zeichen setzen, kleine Zeichen wie einen Gruß oder ein Lächeln, oder größere - Zeichen jedweder Art, die an Gott und an die Liebe erinnern
- nicht als Einzelkämpfer kommen müssen, nicht ständig das Rad neu erfinden müssen, sondern im großen Zusammenhang der Weltkirche stehen, ihrer Ge-schichte und weltweiten Ausdehnung
- Wege gehen vorrangig und zuerst zu den Armen, zu denen, die "arm dran" sind ….
In der Apostelgeschichte (Apg 8, 5-8) ist dies alles zu finden:
Philippus kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündigte dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die Dämonen aus. Auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt. So herrschte große Freude in jener Stadt.

Samarien - das ist die "Kälte": das sind die "Ketzer", die Abweichler, die wie die Pest gemieden werden. Freiwillig geht man da eigentlich nicht hin. Aber die Hauptstadt Samariens zeigt offene Türen! Die Ketzer saugen das Evangelium auf wie ein Schwamm, gegen jede Erwartung. Eine "einmütige Menge" hört zu - wo gibt es das noch, heute, in pluralistischen Zeiten?
Die Stadt hört Worte voller Kraft, voll von Heiligem Geist, weil das Thema - Jesus Christus - voller Kraft und Ausstrahlung ist und "burning persons", brennende Herzen es ausstrahlen lassen.
Und Samarien sieht Zeichen, große Zeichen, Wunder: Die Dämonen verschwinden aus der Stadt! Was wäre, wenn die Dämonen aus unseren Städten verschwinden, die bösen Geister der Gewalt, der Lüge und der Gleichgültigkeit?
Außerdem bleibt Samarien nicht allein; bald kommen Petrus und Johannes aus Jerusalem und sorgen für Vernetzung. Und auch in Samarien gehen die ersten Wege zu den Armen und Kranken. Lahme stehen auf und gehen und machen selber Wege, gemeinsame Wege.

Und die Quintessenz von allem?
So herrschte große Freude in jener Stadt!
Wir sind Diener dieser Freude, Diener der ihr zugrunde liegenden Frohen Botschaft für unsere Stadt - nicht bloß für unsere jeweilige Gruppe und Gemeinde! Wir dürfen an Gottes Werk in unserer Stadt mitbauen: im Gebet, in dem wir Gottes Werk nicht mit unserem eigenen Gewerke verwechseln und in der Tat, nach dem schönen Wort: Rede nur, wenn du gefragt wirst - aber lebe so, dass du gefragt wirst!




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