Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

TürImmer ist Aussaat

Predigt am 10. Juli 2011


Der Sämann ging aus, um zu säen. Aber das ist kein Bauer aus Westfalen! Der würde das Saatgut niemals so verschleudern. Anstatt erst zu pflügen, schreitet dieser Mann aussäend über ungepflügtes Stoppelfeld! Sät auf den Weg, den die Nachbarn getreten haben. Sät in Disteln und Dornen. Sät in dünnen Humus, der nur notdürftig steinigen, felsigen Grund bedeckt. Erst nach dieser Aussaat wird umgepflügt. Ein merkwürdiger Bauer! Kein Wunder, dass aus der Saat nicht viel wird - betriebswirtschaftlich geht dieser Sämann bald in den Ruin.

Wir haben ein Gleichnis gehört. Es sagt uns: So arbeitet Jesus, der Herr! So arbeitet er in Galiläa, in Lüdenscheid und anderswo - ohne ausgeklügelte Strategie, ohne genau geplante Werbetechnik. Er geht nicht rechnend und kalkulierend vor, wie ein Manager das tun muss, sondern verschwenderisch. Er verschwendet seine Worte, seine Taten, seine Liebe an die kleinen Leute seiner Zeit: die Fischer, die Armen, die Frauen und Kinder. In Wort und Tat verschwendet er sich selbst an die Leute! Großzügig, voller Hoffnung! Manchmal traurig über die Schwerhörigkeit, über die Hartherzigkeit. Erschüttert über die Ablehnung, der er begegnet.
Sein Weg durch Galiläa ist kein Siegerweg. Die Pflugschar stößt auf Widerstand, bildlich gesprochen: auf Felsengrund. Der Sämann Jesus selber scheitert zunächst am Widerstand seiner Feinde, er hängt am Kreuz. Doch die Verschwendung wird unentwegt fortgesetzt - erst recht nach dem Tod am Kreuz. Die Frohe Botschaft wird in alle Welt gebracht: in alle vier Winde und Himmelsrichtungen, auf jede Art Land gesät - unter Gerechte und Ungerechte, Faule und Fleißige, Fromme und "religiös Unmusikalische".
Und wiederum ist das Ergebnis bescheiden genug. Nahezu 2000 Jahre Saat des Evangeliums - und immer wuchert die Saat von Hass und Gewalt, von Egoismus und Eigennutz und erstickt das gesäte Wort. Unter dem dünnen Humus scheinbarer Christlichkeit ist oft hartes Gestein, lagern harte Herzen. Es wird gepredigt, getauft, viel Christliches gedruckt und gelesen - aber es scheinen ausgetretene, oft beschrittene Wege damit nur noch ausgetretener, festgetretener zu werden. Das Wort schlägt nicht Wurzel, bleibt liegen - und schon kommen die Vögel und picken es weg, und es bleibt nichts zurück.
Aber: Es wird immer weiter gesät! Verschwendung sondergleichen! Wichtige Manager kritisieren die Kirche, sie arbeite unwirtschaftlich. Der große Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum mageren Ergebnis. Man müsse ganz anders vorgehen. Die Verschwendung beenden. Vielleicht sich konzentrieren auf die kleine Herde hoch interessierter Gleichgesinnter, wie es die Sekten nicht ohne Erfolg versuchen.
Man könnte das eine oder das andere und noch vieles mehr tun - wenn da nicht das Gleichnis vom Sämann wäre, wenn dieser Sämann nicht Jesus Christus hieße und wenn seine Verschwendung nicht die Art Gottes wäre, mit uns Menschen umzugehen! Sie erspart uns nicht redliches Planen und Überlegen - aber mehr noch sagt sie uns, dass das Entscheidende nicht von unserer Unternehmungslust abhängt, nicht von unserer Klugheit und unserem Können. Das Gleichnis von diesem merkwürdigen Sämann lädt ein, die Frohe Botschaft - die beste Botschaft der Welt - spontan, großzügig, verschwenderisch, geduldig, beständig auszusäen, ohne den ständigen Druck des Erfolgs.

Wie anders könnten wir heutzutage Erstkommunion feiern, Kinder in Kontakt mit Jesus bringen, dass er ihre Herzen berührt? Er ist damals so vielen Menschen begegnet, hat viele innerlich berührt - ohne dass sie hinter ihm hergingen, ihm nachfolgten, seine Jünger und Jüngerinnen wurden. Das ist es wohl: Niemand weiß im Voraus, wo die Saat des Evangeliums guten Boden finden wird. Ich weiß es nicht einmal von mir selber. Auch in mir, in jedem ist der festgetrampelte Weg, der die Saat nicht aufnimmt - die festgetrampelten Gewohnheiten, die eingespielten Konventionen, die Lebensroutine, die sich nicht aufstören lässt und ihre Ruhe haben will. Auch in mir ist unter der dünnen Humusdecke der felsige Grund, hart und widerständig wie Granit. Auch in mir wachsen die Disteln und Dornen, in denen sich die Saat verfängt: die schönen Ablenkungen des Lebens, die Hobbys und Moden und Lustbarkeiten - alle nicht böse, alle berechtigt - aber eben ablenkend. Sie haben die Kraft, uns ganz in Beschlag zu nehmen, sie nehmen uns den Raum für anderes. Die Saat bleibt ohne Wurzeln. Aber auch in mir und in jedem die Chance des guten Bodens, die Chance der inneren Aufmerksamkeit und Offenheit zur rechten Zeit, die Chance der guten Früchte, dreißigfach, sechzigfach, hundertfach.

Wer ist empfänglich für die Botschaft Jesu, für die verschwenderisch angebotene Saat? Wir wissen es nicht, und wir irren uns oft genug in unserer Einschätzung. Allzu rasch melden sich die Vorurteile, und wir empfinden Menschen im kirchenfernen Milieu als "steinigen Boden". Aber hier ergeben sich oft die besten Gespräche, die lebhaftesten Fragen, das intensivste Nachhaken. Es ist nicht voraussehbar, wo steiniger und wo fruchtbarer Boden ist. Darum haben wir wie der Sämann grundsätzlich überall mit der Möglichkeit guten, fruchtbaren Bodens zu rechnen. Wir erleben da unsere Überraschungen. Und wie groß mag die Überraschung am Erntetag sein, wenn - vielleicht - die "Zöllner und Sünder" von heute mit guter Frucht. Wer weiß das schon, und wer weiß, wie er selber da steht in der Ernte?

Aber noch ist die Zeit der Aussaat. Noch ist die göttliche Verschwendung im Gang - in der Zuversicht, dass da und dort die Saat aufgeht und erblüht. Oft nur in Einzelnen - aber ihr Glaubens- und Lebensbeispiel wirkt dann dreißig- oder hundertfach. Das Beispiel, der Mut, die Glaubens- und Lebensfreude der Einzelnen mitten im Alltag, das ist es, was heute wirkt, mehr als alles gut gemeinte Reden und Diskutieren, das oft so fruchtlos bleibt. Ich weiß nicht, wer genau zu diesen Einzelnen gehört. Aber ich weiß: in jedem von uns drängt die Saat des Sämanns, das Wort des Herrn, zum Wachstum und Wurzelschlagen und zu guter Frucht: dreißig-, sechzig-, hundertfach.




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