Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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PerleDer Schatz und die Perle

Predigt 27.07.2008


Es gibt Kinder schon im zweiten, dritten Schuljahr,
denen merkt man an, dass sie die Perle ihres Lebens
schon herausgefunden haben.
Diese Kinder leben ganz konzentriert,
ganz aus einer Mitte heraus.
Es sind nicht unbedingt die Kinder,
die in allen Fächern gut sind,
sondern oft die, die in Bezug auf e i n e Sache
ganz dabei sind, etwa in der Musik.

Es gibt 70- / 80-jährige,
die haben die Perle, den eigentlichen Grund ihres Lebens
immer noch nicht gefunden.
Das sind Menschen, die wollen alles mitkriegen,
die können ihr Leben nicht konzentrieren, in eine Mitte bringen,
und finden dabei ihr Lebensglück nicht.
Die machen dies und das und alles und nichts.

Und dann gibt es welche, die haben die Perle gefunden,
und dann gehen sie hin und verplempern diesen kostbaren Fund.

Übrigens:
Da, wo die Perle unseres Lebens liegt, da sieht es nicht immer
nach Glück aus – da sieht es meist nicht rosig aus:
die Perle unseres Lebens wächst oft und entwickelt sich
im Schmerz, in den Widerständen – da wird sie hart.

Die Perle auf dem Acker unseres Lebens
ist ein schwer wiegender Fund und doch leicht verlierbar,
etwas Winziges, Unscheinbares - und doch alles.
Wir wissen auch: Es gibt echte und falsche Perlen.
Manch einer hängt sein Leben an unechte Perlen.
Es macht schon einen großen Unterschied,
für welche Perle ich alles aufs Spiel setze,
alles liegen und stehen lasse.

In diesen Sommerwochen bin ich dabei
bei vielen Trauungen und Hochzeiten.
Es ist schon zu spüren, wie Braut und Bräutigam einander empfinden:
Du bist mein Schatz. Du bist meine Perle.
Du bist mein Ein und Alles.
Der Schatz und die Perle ist hier ein anderer Mensch.
Aber wirklich nur Einer – man kann „Schatz“ nicht zu Dutzenden sagen.

Im Evangelium ist die Sache nicht so eindeutig, auf der Hand liegend.
Klar ist: Schatz und Perle sind überaus wertvoll.
Für sie lässt einer alles liegen und stehen, lässt einer alles los.
Und das nicht mit Zähneknirschen und Bedauern, sondern in Freude!
Klar ist auch: Man muss graben, den Acker tief umgraben.
Der Schatz liegt nicht an der Oberfläche.

Als Acker stelle ich mir das eigene Leben vor.
Ganz schön steinig, so ein Acker.
Was da alles rumliegt! Steine, über die ich selber stolpere,
Unkraut, in dem ich mich verfange.
Manchmal wird der Acker des Lebens umgepflügt.
Ich selber werde umgepflügt - durch Krisen und Krankheiten,
durch Schicksalsschläge und auch durch schöne Überraschungen.
Damit dieses Pflügen fruchtbar und heilsam wird für mich,
brauche ich – wie es in der Lesung vom König Salomo hieß –
ein hörendes Herz.
Wie Salomo will ich nicht bitten um Erfolg, Wohlstand und Siege,
sondern um dieses „hörende Herz“, das unterscheiden kann,
das die leisen Schwingungen und Zwischentöne wahrnimmt,
das auch eine Antenne hat für die Gegenwart Gottes in mir
und um mich herum.
Das hörende Herz ist sozusagen der Spaten,
mit dem ich in die Tiefe des Ackers grabe - und fündig werde
und die Reichtümer meines Lebens entdecke,
die ich vielleicht bis dahin immer übersehen habe.
Mit hörendem Herzen entdecke ich, wie viel mir gegeben, geschenkt wurde
in meinem Leben. Und ich werde danke sagen, Dankbarkeit fühlen.

Gibt es einen gemeinsamen Schatz, ein gemeinsame Perle,
die uns hier alle miteinander verbindet? Vielleicht dies:
- dass wir uns alle gemeinsam an Jesus Christus erinnern und auf ihn beziehen,
den großen Schatz, für den die Apostel und Jünger und viele, viele Menschen danach
alles haben stehen- und liegenlassen
- dass wir uns getragen wissen - von ihm, von seiner Botschaft,
von dem, der ihn selber trug - vom himmlischen Vater
- dass wir entlastet sind und uns nicht selber erlösen und dauernd bestätigen müssen,
wie toll wir sind, und dass das Entscheidende nicht von unserer Leistung abhängt
- dass uns in ihm ein Maßstab gegeben wurde, was gut ist und was nicht gut ist,
was wesentlich ist und was nebensächlich
- dass wir daher loslassen können, was wir wie überflüssigen und aufgeblähten Ballast
in unserem Leben mitschleppen - dass wir also großen Grund zur Freude haben an einem befreiten, erlösten, unsere
engen Grenzen und sogar den Tod überwindenden Leben.

Und noch etwas haben wir gemeinsam:
wir können uns darin bestärken, Schatz-Sucher zu sein,
tiefer zu graben mit „hörendem Herzen“.
Wir können uns ermutigen,
nicht vorschnell zufrieden zu sein mit unserem kleinen Alltag,
mit der täglichen Routine und Plackerei,
mit unseren Gewohnheiten und eingefahrenen Verhaltensweisen.
Wir sind Mitbürger des Reiches Gottes, des Himmelreichs.

Der Pass ist uns ausgestellt in der Taufe.
Der Schatz wartet auf uns.
Wir bestärken uns darin, ihn zu heben.


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