Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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Die Taufe Jesu

Ruhrwort 11.01.2009

Steinkreuz Dreißig Jahre lebt Jesus verborgen, unerkannt in Nazaret. Nur einmal hebt sich der Schleier und zeigt den Zwölfjährigen - aber nicht in Nazaret, sondern im Tempel von Jerusalem. 90 Prozent des Lebens von Jesus liegen schlichtweg im Dunkeln. Er reift in der Stille und wächst in der Alltäglichkeit. Sein Lebensraum in Nazaret steht wahrlich nicht im Rampenlicht.

Dreißig Jahre - das ist ein markantes Alter. Da geschieht oft Entscheidendes im Leben. Bei Jesus ist es eine "Epiphanie": der Einbruch Gottes in sein Leben.
Nach so langer Zeit der Verborgenheit tut sich der Vorhang wieder auf. Nach der Taufe im Jordan öffnet sich der Himmel, der Geist kommt wie eine Taube auf Jesus herab, und eine Stimme aus dem Himmel spricht: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden." Auch später - auf dem Berg der Verklärung - wird Jesus diese Stimme hören und den geöffneten Himmel erfahren - wirklich ein Gipfelerlebnis auf seinem Weg!

Man muss das nachklingen lassen: ein geöffneter Himmel ...

Viele Menschen kennen nur den verschlossenen Himmel. "Denn verschlossen war das Tor," wie wir im Advent singen. Die Öffnung ("bis der Heiland trat hervor") kennen sie allenfalls vom Hörensagen, kaum als eigene innere Erfahrung.
Der selige Heinrich Seuse, ein großer Mystiker des Mittelalters, beschreibt das Leben unter verschlossenem Himmel so: "Meine Seele gleicht einem Kranken, dem nichts schmeckt, dem alles zuwider ist; was ich auch sehe, höre und weiß, verdrießt mich. Wer zu mir kommt, findet das Haus leer; der Hausherr ist nicht daheim." Wenn sich aber der Himmel öffnet, schwindet diese Verlassenheit. Seuse weiß aus eigenem Erleben, dass "der helle Morgenstern aufgehen kann mitten in meiner Seele". Dann, so fährt er fort, "ist alle Finsternis gelichtet, der Himmel wird hell und heiter, und mein Herz lacht. Es freuen sich Sinn und Seele in mir, und alles wird zu einem Lobe für dich. Was schwer, mühsam, unmöglich war, wird leicht und angenehm… Die Seele wird so mit Klarheit, Wahrheit, Freundlichkeit durchtränkt, dass sie alle Mühsal vergisst. Mir ist dann, als wäre ich über Raum und Zeit hinausgewachsen und stünde in dem Vorhof ewiger Seligkeit."

Vorhof ewiger Seligkeit, offener Himmel, Aufgehen des hellen Morgensterns mitten in der Seele: ein glückliches Liebespaar könnte seine Erfahrung in ähnlichen Bildern beschreiben. "Ich liebe dich!" Dieses beste aller Worte holt den Menschen aus der Alltäglichkeit und Verlassenheit heraus und schmeckt nach Himmel!
"Du bist mein geliebter Sohn." Diese Liebeserklärung des Vaters war sicher eine Stern- und Gnadenstunde im Leben Jesu. Ähnlich spricht Gott zu uns, beginnend in der Taufe. Ich wünsche uns allen den Durchbruch, die Epiphanie, den geöffneten Himmel: dass wir die besten aller Glaubensworte ("Du bist geliebt." "Dir wird vergeben." "Wir alle sind Schwestern und Brüder.") nicht im Trott der Glaubensroutine hören bzw. überhören. Sie möchten in uns zünden, uns glücklich - oder unruhig machen. Sie möchten in uns ankommen.

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