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Reinhold Schneider in seinem Kriegstagebuch, 1940: " ... Im Kriege schlugen wahnwitzige Soldaten aus einer Kreuzigungsgruppe das Mittelstück, also das Kreuz Jesu heraus. Was übrig blieb, sind die beiden anderen Gekreuzigten. Sie starren jetzt auf den Fleck, wo Jesu Kreuz stand, aber es ist nicht mehr da, die Mitte ist leer ..." Das ist ein schwieriges Bild. Die Einzelheiten sind nur schwer zu erkennen. Aber wir ahnen: Das Bild führt uns nach Golgota. Drei Kreuze - oder sind es nur zwei oder zweieinhalb? Die Verbrecher hängen noch - der verstockte und der reumütige -, sie hängen verrenkt an ihren Kreuzen -, aber das dritte Kreuz, das in der Mitte, ist abgebrochen, ist nur noch in Resten da - wie ein Baumstumpf, der übrig bleibt, wenn ein Baum gefällt wird. Sagen wir es kurz: Das Kreuz Jesu fehlt. Das Entscheidende fehlt. Die Mitte fehlt ... Erster Eindruck, vielleicht: Trostlose Idee! Im Aufblick auf das Kreuz Jesu liegt doch der Trost! Und jetzt nur: Ruinen des Kreuzes! Bleibt nur das grausame Leiden der beiden anderen übrig? Der eine flucht, der andere bittet - aber beides geht ins Leere - keiner ist mehr da, der hinhört? Ein Übermaß an Leiden in der Welt ohne jede Hoffnung? Leiden an Krankheit, Armut und Hunger Leiden an Gewalt Leiden an fehlender Liebe - Und wenn es denn je eine Hoffnung gab - dann ist sie zerbrochen, weg geschlagen? Oder ist es genau umgekehrt? Ist es ein Bild der Hoffnung? Ruinen des Kreuzes, weil er auferstanden ist, weil er uns vorausging ins Leben, weil es einen "unsichtbaren Teil" des Kreuzes gibt - unsichtbar, unserem Blick und Begreifen entzogen? Weil er schon weiter ist, als wir sehen können? Und die Reste des Kreuzes nur wie die Eierschalen sind, die das ausgeschlüpfte Küken, das "neue Leben" zurücklässt? Angedeutete Hoffnung oder verzweifelte Hoffnungslosigkeit? Die fehlende Mitte provoziert, fordert uns heraus. In unserem Glauben ist die Mitte durch Jesus Christus besetzt. Er ist die Mitte. Das Bild fragt uns: Haben wir diese Mitte verloren? Die Mitte, das Herz, das Zentrum des Inneren, von dem her sich alles ordnet - die Mitte, die unser Leben prägt? Wie leicht lässt sich die Mitte verfehlen! Und welche Chaosmächte kommen dann hoch! Das ist auch dem Petrus passiert! Und darum geht Jesus mit ihm hart ins Gericht: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen!" Die Mitte ist: "das, was Gott will". Haben wir sie verloren, weil wir mehr und mehr und dann immer nur im Sinn haben, "was die Menschen wollen" - inklusive uns selber? Und werden wir dann - ohne diese göttliche Mitte - wie eine Fahne im Wind, hin- und hergezogen, schwankend je nach unseren Stimmungen und Gelüsten, schwankend auch im Sog der jeweiligen öffentlichen Meinung, im Sog von dem, "was die Menschen wollen"? Dieser Bußgang und die kommende Zeit zum Osterfest hin möge uns helfen, unsere lebendige Mitte zu "pflegen": dass wir sie suchen, wenn sie uns fehlt - was fehlt uns, wenn uns Jesus fehlt? Dass wir uns mit ganzem Herzen freuen, wenn wir sie vorfinden. Wenn wir ihn vorfinden in uns. Lassen wir es auf diese Mitte ankommen. Sie gibt Orientierung. Sie gibt Halt. Sie ordnet alles. Halten wir uns nicht mit Nebensächlichem auf ... Text downloaden |
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