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Zwei Dinge hat mir unser Jubilar für die Predigt mitgegeben: 1. nimm die Texte von meinem Weihetag am 2.Juli, dem Fest Mariä
Heimsuchung und 2. werde nicht zu persönlich!
An das erste haben wir uns schon gehalten. Beim zweiten: schauen wir mal! Also: nichts vom Bergsteiger, Wanderer, Pfeifenraucher, aber
sicher doch einiges von fünfzig Jahren Priestertum. Sicher einiges von Treue im Dienst - das ist persönlich und
über-persönlich zugleich. Treue steht uns allen gut an - egal, wo Gott uns hingestellt hat. Treue steht uns gut an - und Freude!
Wir haben Hans Göbel nicht als pessimistischen Trauerkloß erfahren, der sich in eine milde Altersresignation zurückgezogen
hat; wir kennen ihn vielmehr als einen, der gerne lebt und gerne glaubt - und andere gerne teilhaben lässt an dieser Freude des Lebens
und des Glaubens und Verkündigens. Schauen Sie sich nur das Titelbild unserer Pfarrzeitung PORTAL an, das für mich vielleicht
schönste und gelungenste Bild kirchlichen Lebens in den letzten Jahren. Ein alter und ein ganz neuer Priester, der "Neupriester"
Albert Akohin, strahlen um die Wette, Freude springt aus jedem Knopfloch, und das sicher nicht bloß für die Kamera! Der mahnend
erhobene Zeigefinger des Jubilars stört da gar nicht - man ist sich sicher, dass der Alte dem Jungen eine Menge mitgeben kann - aus
fünfzig Jahren Erfahrung.
Freude - und das passt nun gut - ist auch das Verbindende, ja so etwas wie das Leitwort dieser drei doch ansonsten sehr verschiedenen Texte
aus der Bibel. Es ist ein roter Faden - vielleicht d e r rote Faden - der Bibel, und der Teil, der uns besonders wichtig ist,
heißt darum auch Evangelium - euaggelion - Frohe Botschaft. Die Freude kommt da nicht von uns her, meint nicht permanenten Spaß
und gute Laune, sondern sie wird Gott zugeschrieben: Gott freut sich an uns, der Vater am verlorenen Sohn, der Hirt am wieder gefundenen
Schaf. Gott handelt aus Freude am Menschen - nicht weil der Mensch so toll ist, sondern weil Er - Gott- so gut ist.
Und die Menschen werden "angesteckt" mit dieser Freude "von oben". Infiziert werden kann man nicht nur von Grippeerregern, sondern auch von
Freudeerregern, und das ist eine mögliche Sicht des priesterlichen Dienstes: "Überträger" dieser von Gott her kommenden
Freude zu sein.
In der ersten Lesung, beim Propheten Zephanja, hören wir Verheißungen. Sie werden von Gott her dem Volk Israel gesagt in seiner
politischen Bedrängnis angesichts mächtiger Feinde. Zuvor heißt es: Ich werde übriglassen in deiner Mitte ein Volk,
demütig, arm und gering, einen heiligen Rest des Volkes." Was charakterisiert diesen Rest? Die Antwort: Kein Unrecht! Keine Lüge!
Kein trügerisches Reden! - Zwischenfrage: Könnte es sein, dass eine "demütige, arme und geringe" Kirche dieser "heilige
Rest des Volkes" heute sein könnte - ein Volk, eine Kirche, die wirklich und nicht gespielt d e m ü t i g ist, ohne Macht,
nicht auf ihre Institutionen und nicht auf die Kirchensteuer bauend, sondern - auf Gott?
Und dann kommt unsere Lesung: Frohlocke! Freue dich! Auch wenn du nur eine kleine Herde bist, ein Rest. Juble von ganzem Herzen!
Fürchte Dich nicht! Lass deine Hände nicht schlaff werden! - Worte, als wären sie eigens geschrieben für ein Goldenes
Priesterjubiläum, für Hans Göbel und für uns alle, egal, wie alt wir sind, denn uns allen droht das Schlaffsein und
Wanken der Hände und der Knie und des Rückgrats - Und weiter: Gott ist in deiner Mitte. Die Zusage schlechthin! Und dann:
Die Erneuerung der Jugendliebe, - wie es war, als der Bräutigam zum ersten Mal der Braut begegnete - oder Hans Göbel vor
fünfzig Jahren die Priesterweihe empfing: Gott freut sich über dich voller Freude. Er schafft dich neu in seiner Liebe. Er
springt auf - deinetwegen - in Jauchzen, wie an den Tagen der Feste, wie am Tag der Weihe - und so auch noch nach fünfzig Jahren und
jeden Tag neu! Freue dich, Hans, denn - so heißt es weiter: Er rettet, was hinkt! Noch hinkst du nicht, noch läufst du
uns allen davon, aber wir dürfen wohl alle hinkend und stolpernd im Reich Gottes ankommen - Hauptsache: wir bewegen uns!
Nun die zweite Lesung aus dem Römerbrief. Paulus beginnt das zwölfte Kapitel mit der Ermutigung, dass wir uns selber als lebendige
Opfergabe darbringen, als Gottesdienst mitten in der Welt. Du hast in fünfzig Jahren viele Gottesdienste gehalten -
fünfzehntausend mögen es schon gewesen sein -, aber daneben und darüber hinaus gibt es den Gottesdienst als anderes Wort
für das Leben - dass wir prüfen, was Gottes Wille ist, und uns durch ein neues Denken wandeln und verändern. Ein neues
Denken, das sich an Gott ausrichtet nach dem Beispiel Jesu. Paulus wird nun konkret, wie das aussehen kann - für einen Priester genauso wie
für jeden Gläubigen: Liebe üben ohne Heuchelei. Das Böse verabscheuen, ans Gute sich heften. In der Bereitwilligkeit
nicht säumig. (Der alte Pastor i.R., in Rufbereitschaft: "Hans, kannst du die Messe in Gevelndorf übernehmen?" "Geht in
Ordnung!") Weiter: Im Geiste glühend. Fröhlich in der Hoffnung. Froh mit den Fröhlichen, weinend mit den Weinenden. Eines
Sinnes untereinander. Nicht hoch hinaus strebend, sondern demütig - wie der demütige, arme Rest bei Zephanja: ohne Macht,
aber mit Vertrauen in Gott - in Freude.
Und schließlich das Evangelium: Mariä Heimsuchung, so nennen wir die Szene. Ein Hausbesuch, so wie du sicher Hunderte und
Tausende von Hausbesuchen gemacht hast. Zwei nicht nur Bluts-, sondern mehr noch Geistesverwandte begegnen sich. Eine wunderbare
Erfahrung, Geistesverwandte anzutreffen - in Essen, in Mülheim, in Lüdenscheid! Und beide Frauen tragen Großes in sich, die
Keime einer neuen Welt - Jesus und Johannes. So ist die Freude groß: Siehe, das Kind hüpfte vor Freude in meinem Leib!
Ein Freudenhupfer schon vor der Geburt!
Und Maria singt. Sie singt ein Lied, das sie einreiht in das demütige Volk des Propheten Zephanja. Magnificat - so fängt es an.
Groß mache meine Seele den Herrn. Er ist groß. An ihm hängt alles Vertrauen. Sie selber, Maria, spürt ihre
Niedrigkeit. Sie nennt sich selber Magd. Ein Gräuel für emanzipierte Menschen! Und doch so nah an der eigenen ehrlichen Erfahrung mit
uns selbst, die uns wie Paulus sagen lässt: Wir sind zerbrechliche Gefäße. Es geht so viel kaputt, in uns und durch
uns. Und doch - an diesem "doch" hängt alles! - tragen wir in dieser zerbrechlichen Menschlichkeit einen Schatz, den Gott in uns
hineinlegt. Großes hat der Herr an mir, an uns getan. Er schenkt sein Erbarmen, er bringt den Hochmut zu Fall, er stürzt
die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, die unter denen auf dem Thron genug zu leiden hatten. Wieder wird die Demut
des Gottesfürchtigen gegenübergestellt dem Hochmut derer, die nur auf sich selber bauen. Und Maria singt in Freude, als unsere
Vorsängerin.
Und darum: Hans, Großes hat der Herr an dir getan, in den vielen Jahren und Erfahrungen deines Lebens. Mit dir sagen wir "Magnificat"
- groß mache unsere Seele den Herrn. Mit dir danken wir und feiern wir und stimmen ein in den Lobpreis Gottes - wir in unseren
zerbrechlichen Gefäßen, wir mit dem Schatz im Herzen.
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