Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

VersuchungUnser Werk ist vollbracht

Abschiedsrede


Möge Er unsere Stütze sein den ganzen Tag lang,
bis die Schatten länger werden und der Abend kommt
und die geschäftige Welt zur Ruhe gebracht ist
und das Fieber des Lebens vorbei ist
und unser Werk vollbracht!
Dann möge Er uns in seiner Barmherzigkeit
eine sichere Heimstatt geben
und ein heiliges Ausruhen und Frieden zuletzt.


Das ist ein Zitat des berühmten Komponisten Arvo Pärt und wir wollen es etwas betrachten.
Möge Er unsere Stütze sein ...
Das ist eine Hoffnung, eine Bitte, eine Sehnsucht: Gott möge Stütze sein, im Leben und im Tod. Vielen wird diese Sprechweise sicher gefallen - vielleicht nicht so sehr das bekenntnishafte, sichere "Er ist unsere Stütze", sondern dieses: "Er möge sein" - suchend, fragend, hoffend, auch manchmal zweifelnd - so ist der Zugang vieler Menschen zum Glauben. Glauben - eine Sehnsucht: Er möge sein, es möge so sein. Wir wissen nicht Bescheid, wir können nur verhalten in Bildern und Ahnungen sprechen. Wir können den Tod nicht ausloten, aber unsere Sehsucht und Hoffnung können wir doch aussprechen: Es möge alles gut sein, und Er - Gott - möge unsere Stütze sein, hier schon im Leben, den ganzen Tag lang, - hier Stütze auch denen, die jetzt trauern und den Verlust ganz deutlich empfinden.
Und Stütze im Tod. In den Tod muss jeder allein gehen,- auch wenn die Familie dabei war und den Hinübergang als unmerklich und sanft empfunden hat. Im Sterben und im Abschied sind wir zusammen, vielleicht ganz intensiv zusammen, aber im Tod sind wir allein, diesen Schritt müssen wir allein tun. Möge Er dann unsere Stütze sein, unser Mit-geher, unser heimlicher Begleiter, in diesem Übergang.

Bis die Schatten länger werden und der Abend kommt und die geschäftige Welt zur Ruhe gebracht ist.
Die Schatten kamen mit der Krankheit. Die geschäftige Welt des Berufs lag da schon hinter ihm. Er wusste, dass der Abend kam, und ist, so gut das ging, mit Gelassenheit und realistischem Sinn und mit einem Grundvertrauen darauf zugegangen. Das Fieber des Lebens war vorbei, das immer wieder aufflackert und uns unruhig hält und nicht loslassen kann. Am Schluss steht dann: Unser Leben, unser Werk ist vollbracht. Das Leben ist im Tod nicht bloß zu Ende - "es ist vollbracht", so sagt der sterbende Jesus am Kreuz.

Dann möge Er uns in seiner Barmherzigkeit eine sichere Heimstatt geben, Ausruhen und Frieden zuletzt.
Ja, darauf hoffe ich auch: eine sichere Heimstatt, eine ewige Heimat. Als Gäste gehen wir durch die Welt, sind Menschen unterwegs, auch wenn wir jahrzehntelang in demselben Haus wohnen - auch wenn wir einen starken Sinn für Bodenständigkeit geerbt haben. Spätestens der Tod macht klar, dass wir Gäste sind, oder Pilger, fahrendes Volk. Aber wir laufen nicht in die Sackgasse. Unser Ziel heißt: Himmel, heißt: Gott. Dort ist unsere Heimat, sagt Paulus. Ihr seid Bürger des Himmels. Diese Heimat liegt nicht hinter uns, in der Kindheit - sie liegt vor uns. Wir gehen auf sie zu, leben auf sie zu, wir erahnen sie in unseren Hoffnungen. War das alles?, so mögen wir angesichts des Todes wohl fragen. Nein, es ist nicht alles. Aber was kommt, davon können wir nur stammeln, in Bildern sprechen.

Vor hundert Jahren wurde die jüdische Dichterin Hilde Domin geboren. 97 Lebensjahre waren ihr geschenkt. Jahrzehntelang hat sie im Exil, in der Fremde gelebt - deutlich ein Mensch unterwegs. Ihre Texte und Gedichte sind oft ganz kurz - aber leuchten wie ein Blitzlicht unser Leben aus und unseren Tod.
Sie schrieb:
Wir setzen den Fuß in die Luft -
und sie trägt.
Sonst trägt der Boden - hier trägt auch die Luft - und in ihr die große Stütze, von der am Anfang die Rede war. Sie schrieb:
Nicht müde werden, sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel die Hand hinhalten,
Angesichts des Todes nicht müde werden, nicht resignieren, sondern ganz sacht und leise das Wunder des Lebens erkennen, nachspüren: Das Leben ist wunderbar, trotz allem ...
Sie schrieb:
Denn wir essen Brot
aber wir leben von Glanz.
Das Brot ist nun gegessen. Im Tod liegt die Welt des täglichen Brotes hinter uns. Aber wir leben von Glanz. Wir leben von mehr. Glanz, Licht - die Bilder der Ewigkeit sprechen vom Licht. Sie leuchten. Und darum enden wir mit der Bitte:
Das ewige Licht leuchte ihm.
Lass ihn ruhen in Frieden. Amen.


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