Brot
Predit am 02.08.2009
Für unser Land Deutschland spricht neben vielem anderen, dass es so viele verschiedene Brotsorten hat. Ich habe die
Amerikaner und die Franzosen immer ein bisschen bedauert - nur Weißbrot, nur Toastbrot, nur Baguettes! In Berlin
dagegen soll es einen Bäckerladen mit rund zweihundert verschiedenen Brotarten geben - Brot mit Nüssen drin,
Brot mit Zwiebeln, mit Pflaumen, Brot mit Speck drin, - was Sie wollen! Dieser Reichtum der Sorten lässt uns leichter
erkennen, wie elementar und wichtig das Brot für unsere Nahrung ist. Nicht umsonst beten wir im Vaterunser:
Unser
tägliches Brot gib uns heute!
"Schwarzbrotspiritualität", so heißt ein geistliches Buch mit stärkenden Beiträgen. Was mag das sein?
Alles andere als "Toastbrotspiritualität" - ohne Kruste, labberig, mit Geschmack nach nichts. Wir sollen genau hinschauen,
was wir uns einverleiben - nicht alles ist bekömmlich. Schwarzbrot ist nicht die schnelle Schnitte zum raschen
Verschlingen. Für Schwarzbrot brauchst du Zeit. Du musst kauen, intensiv und ausgiebig. Dann erst entfaltet sich sein
voller Geschmack - und dann erst kommst Du auf den Geschmack. Schwarzbrot-Spiritualität hieße dann: Es gibt
geistige Nahrung, die ist handfest und kräftig und nicht unbedingt gleich beim ersten Biss gefällig - kein
esoterischer Schnickschnack, kein süßes Törtchen, kein Sahnehäubchen, nicht so viel Zucker, eher Salz.
Eine Nahrung, die meine Seele ernährt.
Muss ich für solche Nahrung - fürs " Schwarzbrot"- gleich zum Dalai Lama fahren? Nein, in unserer eigenen Tradition
gibt es Schätze, die wie Schwarzbrot sind - ganz elementar. Ich nenne einige: z.B.: das Vater unser. Oder das Glaubensbekenntnis.
Die Psalmen. Alte Lieder. Eigentlich die ganze Messliturgie. Manche tun dies alles schnell als "altbacken" ab. Es kommt ihnen
vor wie Brot, das so alt und hart geworden ist, dass man es nicht mehr essen mag. Ich meine, wir sollten an diesen Schätzen
intensiv kauen, uns manchmal auch "die Zähne dran ausbeißen", - kauen, verarbeiten, nicht um alles zu schlucken,
nicht um gedankenlos wiederzukäuen, sondern um zu schmecken, um den Glauben "zu schmecken", langsam und bedächtig,
nicht hastig wie "fastfood" - um dahinter zu kommen: Was für Erfahrungen stecken hinter den Worten? Was für
eine geistliche Kraft?
Vielleicht spüren wir in all diesen Worten und hinter ihnen nicht nur eine Kraft, sondern eine Person, die uns mehr geben
will als zweihundert Kalorien für den Augenblick. Von ihr - von ihm, Jesus - kommen die Worte: "Müht euch nicht ab
für die Speise, die verdirbt - sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt." Jede Speise, die wir essen,
verdirbt einmal - nicht nur hinsichtlich ihrer Haltbarkeit und des Verfallsdatums. Du kannst essen, was Du willst - und sei es
täglich Kaviar - keine Speise der Welt kann verhindern, dass Du selber verdirbst - keine Speise verhindert den Tod. Und damit
ist die Messlatte gelegt: Jesus bietet eine Speise an, die - so sagt er - "ewiges Leben schenkt", die sozusagen dem Tod gewachsen ist.
Die Speisung durch Jesus hat einen Vorläufer in der Bibel: das Manna in der Wüste. Wir hörten in der Lesung von dem
murrenden, schimpfenden, fast immer unzufriedenen Volk Israel, das über dem damals knurrenden Magen ganz schnell vergisst, wie
Gott es aus der Unterdrückung befreit und aus dem Sklavenhaus in Ägypten herausgeführt hat - und da tut Gott mitten
in der Wüste für das hungernde Volk ein Zeichen - Vogelschwärme von Wachteln fliegen ein und können gebraten
werden. Wasser springt aus dem Felsen. Die Tamariskensträucher, die in der Wüste wachsen, schwitzen in der Morgenfrühe
eine süße knusprige Substanz aus, die man wie Brot backen kann. "Manhu, was ist das?" fragen die Leute, daher kommt das
Wort Manna. Und Mose gibt die Antwort auf die Frage, was das ist: "Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt." Alle Nahrung -
gerade auch das in der Wüste geschenkte Manna - soll ein Zeichen sein für Gottes Güte und Sorge um den Menschen. "Aller
Augen warten auf dich - und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit…", so wird man später beten.
Hier jetzt, im Evangelium, hat Jesus es auch mit Leuten zu tun, die nur schwer begreifen. Sie sind satt geworden und wollen für
immer satt bleiben und suchen nach einem Rezept dafür. Stattdessen hören sie von Jesus:
" Ich bin das Brot des Lebens."
Brot ist unersetzlich für den Leib. Jesus sagt: So unersetzlich bin ich für das Leben - für das Leben in Fülle,
für das ewige Leben, das kein Tod begrenzen kann. Jesus findet im Johannes-Evangelium viele Bilder für das Leben und für
sich selbst als Lebensquell: Ich bin das lebendige Wasser. Ich bin der Gute Hirt. Ich bin das Licht der Welt. Ich bin das Weizenkorn,
das reiche Frucht bringt. Wasser - Licht - Brot: lässt es sich besser ausdrücken, was Jesus für uns sein kann und sein
will? - Kein Stück Brot, kein Stück Fleisch, auch kein Sonnenstrahl kann uns wirklich zufrieden machen, wenn wir nicht einen
Menschen haben, der uns wie Brot, wie Fleisch, wie das Licht ist. Das will dieser Jesus sein - für jeden von uns.
Die großartige jüdische Dichterin Hilde Domin, die in dieser Woche vor hundert Jahren geboren ist und hochbetagt mit 97 Jahren
starb, schrieb diese Zeile:
Wir essen Brot / und leben vom Glanz. - Brot essen, Waren konsumieren ist wichtig, aber reicht nicht.
Wir leben vom Glanz. Ich wünsche uns allen, dass der Glanz, dass das "Licht der Welt" uns leuchtet und erleuchtet. Brot und Glanz -
das erst ist das Leben!
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