Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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Effata

Ruhrwort 06. September 2009


Muße Hör. Doch ich kann nicht hören.
Die Ohren zugestopft.
Mein Atem abgeblockt.
Mein leeres Herz wie Blei.
Ich bin noch nicht geboren.
Ich bin nicht ich. Nicht frei.
(Huub Oosterhuis)


Wie gut ich das kenne: den Zustand der Verschlossenheit. Nichts geht rein. Nichts geht raus. Als wären wir in eine Isolierschicht eingewickelt. Taubstummblindlahm, alles in einem. Die Antennen funktionieren nicht, die Jalousien sind heruntergelas-sen, die Vorhänge vorgezogen. Wir sind da und doch nicht zu Hause. Man klingelt an, und wir hören nicht und machen nicht auf. Ein dicker Pfropfen Ohropax blockiert das Gehör und mehr noch die Seele. Wir haben die Zugänge dicht versperrt, wir haben zugemacht. Menschen kommen nicht durch, und selbst Gott kommt icht durch. In der Regel.

Hier im Evangelium ist es anders. Jesus kommt durch. Er nimmt den Taubstummen beiseite, weg von der Menge. Die hat gehofft, dass der Wundertäter zeigt, was er kann. Aber Jesus geht ins Abseits, mit dem Kranken. Die Menge bleibt zurück.

Wie viel von unserer Verschlossenheit mag mit der "Menge" zu tun haben, mit der Gesellschaft, mit den anderen? Kränkungen schon in der Kindheit, Hänseleien auf dem Schulhof, Schüchternheit, Komplexe, Enttäuschungen, Überforderung, schließlich Verbitterung und Depression. Das bedrängte Ich kapselt sich ein, wird taub, wird stumm, zieht sich zurück.

Also: weg von der Menge, die krank machen kann. Das ist der erste Schritt. Nur Je-sus ist jetzt im Blick - und der Kranke. Und Jesus "geht ran": legt ihm die Finger in die Ohren, berührt die Zunge des Kranken mit Speichel, blickt zum Himmel auf, seufzt - und befiehlt: Effata! Öffne dich! Nicht besonders hygienisch, dieses Vorge-hen. Mit "Geduld und Spucke" geht zwar vieles besser - aber wenn es konkret wird, dann doch lieber "ohne Spucke"! Nicht so bei Jesus. Er berührt, er kommt ganz nah, wird ganz konkret, geradezu "sinnlich" - körperlich. Das Abstrakte überlässt er ande-ren. Die Hände werden zur Brücke, danach die Worte. Jesus verbindet sich mit dem Elend des Taubstummen, des Verschlossenen. Dann blickt er zum Himmel auf und nimmt die Not des anderen mit nach oben, mit zum Vater. Er seufzt, stimmt ein in den "Seufzer der bedrängten Kreatur", bringt ihn vor Gott - und dann kommt aus dieser Blickrichtung nach oben das erlösende Wort: Effata. Öffne dich. Tu dich auf. Es steht da in der Sprache Jesu - ein kleiner Meteor und Fremdkörper im griechischen Text. Wahrscheinlich ist das aramäische Wort den Leuten noch lange im Ohr geblie-ben, und es sollte auch uns im Ohr weiter klingen. Es ist ein Schlüsselwort, das ver-schlossene Menschen aufschließt, das die Zunge und das Herz von den Fesseln befreit. Jeden Morgen neu, zwischen Halleluja und Amen, den berühmteren Worten der Sprache Jesu, sollten wir Effata sagen - das Wort hätte es verdient. Öffne dich an diesem neuen Tag, mach nicht zu, tu dich auf - für die Menschen, für Gott. Denn er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Hör, rufst du, und ich höre,
da ist die Angst vorbei.
O Ruf durch Mark und Bein,
erweck mich aus dem Grab:
dein Mensch aufs neu geboren -
o Zukunft, lass nicht ab.
(Huub Oosterhuis)


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