Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Für wen haltet IHR mich?

Mk 8,27-35

Predigt am 13.09.2009


Das ist nun eigentlich ihr Part! Jesus fragt erst nach der Meinung der Leute - und dann nach unserer Meinung.
Ich könnte jetzt mit einem Mikrofon durch die Kirche gehen und eine kleine Umfrage machen. Ich werde Ihnen das ersparen - gleichwohl wäre ich froh, wenn wir darüber nachdenken, wer Jesus für mich, für uns ist. Es ist sicher eine entscheidende Frage unseres Glaubens!

Wer ist Jesus? Die Kirche sagt: Wahrer Mensch und wahrer Gott, eines Wesens mit dem Vater. Manche Ordensfrauen sagen: Der Bräutigam meiner Seele. Kritische Geister sagen: Der größte Revolutionär der Weltgeschichte. Alte Leute sagen: Der liebe Heiland. Kommunionkindern wird gesagt: Dein Freund. - Was sagen Sie?
Fragezeichen

Ich denke, Sie haben nachgedacht. War es schwer? Ungewohnt? Haben Sie das schon mal für sich zu klären gesucht - wer Jesus für Sie ist - welche Rolle er WIRKLICH in Ihrem Leben spielt? Ich schreibe "wirklich" groß - weil es nicht um Kindermessantworten geht, nicht um Katechismus-Sätze, nicht um Formeln und nur Auswendiggelerntes. An dem WIRKLICH kommen wir nicht vorbei!

Spielt er eine Rolle? Ich hatte einmal ein langes Gespräch mit einer Frau, die war gläubig. Aber die schien nur an Gott zu glauben. Jesus kam bei ihr gar nicht vor. Sie würde ihn natürlich nicht leugnen, aber sie schien ihn nicht zu brauchen. Es ging nur um Gott, den man bitten kann, und der unsere Moral begründet, ohne den alles ein großes Chaos wäre. Gott, die Ordnungsmacht.

Spielt Jesus eine Rolle? Gutes Indiz: Beten Sie zu ihm? Denken Sie an ihn - etwa in der Art: Was würde Jesus jetzt an deiner Stelle tun, in dieser Situation? Spüren Sie seine Gegenwart in Ihrem Leben ? Oder kommt er für Sie nur in der Kirche vor, in der Messe, wo man ihn ganz groß schreibt - während er dann im Leben ganz klein geschrieben wird?

Was für eine Gegenwart in unserem Leben kann Jesus haben? Wirken seine Worte und Taten nach? Sind sie uns irgendwie "in Fleisch und Blut" übergegangen und dadurch fast selbstverständlich geworden? Sein Verzeihen, sein heilendes und erbarmendes Handeln, seine Liebe zum Menschen, ja sogar seine Feindesliebe? Spüren wir die Herausforderung, die darin liegt - es ist ja nun alles andere als selbstverständlich, den Feind zu "lieben" und die Armen glücklich zu preisen! Eine Riesenherausforderung, die die Welt retten kann! Spüren wir den Abstand zu ihr, leiden wir an diesem Abstand, dass wir in der Regel nur so halbherzig, so überaus mittelmäßig Christen sind? Könnte Jesus für uns der große Herausforderer sein, der uns nicht einfach satt und zufrieden sein lässt in der Halbherzigkeit der Nachfolge, sondern der uns einlädt: "Dein Leben ist größer gedacht. Sei mutig. Sei vertrauensvoll. Du darfst weiter sehen, als Du jetzt bist!"

Nachfolge Jesu. Ist Jesus für mich einer, dem ich nachgehen, nachfolgen kann - in meinem Leben als Rentner oder Hausfrau oder Verwaltungsmann? Ist das nicht alles viel zu groß? Sind die Worte nicht viel zu groß für das Leben, das uns oft so eingefahren, so routiniert, so "gewöhnlich" - ja, auch oft so "gottlos" erscheint? Aber vielleicht will Jesus uns gar nicht unbedingt als die außergewöhnlichen Helden - sondern als die, die an ihrem Platz das Gewöhnliche gut und in Liebe tun?

In unserer Kapelle hängt das wohlbekannte Bild vom Mitgeher. Ist das Bild "wirklich" für mich, dass ich sagen kann: Ja, so ist das mit Jesus. Er fordert uns heraus, er zeigt einen großen, anspruchsvollen Weg - geradezu eine " Steilvorlage" - aber er zeigt ihn nicht nur, er geht voran, er geht ihn mit. Wir sind niemals allein damit. Er legt die Hand auf unsere Schulter, macht Mut - er sagt im Bild: Hör nicht auf, zu gehen. Er sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Komm, geh mit auf dem Weg. Komm, vertrau dieser Wahrheit. Komm, teile mit mir das Leben.

Wohin kann der Weg führen? Im zweiten Teil des Evangeliums spricht Jesus vom Kreuz. Petrus reagiert wie die meisten Menschen heute: Red mir nicht vom Tod! Der Weg, von dem du sprichst, soll doch wohl ein Weg des Erfolgs und ein Weg zum Glück sein! Da passt das Kreuz nicht hinein!

Ist Jesus nicht auch darin glaubwürdig, dass er uns nicht "nach dem Munde redet", dass er vielmehr die Härten des Lebens - das Kreuz und den Tod - benennt und ihnen nicht ausweicht? Und dass er auch den Ausweg andeutet, die Auferstehung? Das "Weitersehen, als wir sind"? Nein, Jesus macht kein Schönwetter, er verspricht uns nicht das Blaue vom Himmel herunter, das permanente Glück (das tun die Bücherschreiber und Ratgeber von heute genug!). Er führt uns ein in das ganze Leben, ins Gewinnen und Verlieren, er führt uns ein in die Möglichkeit des ewigen Lebens, des "Lebens in Fülle": er ist der Türöffner dorthin. Und da, an der entscheidenden Tür des Lebens, sagt er:

Sucht, was Gott will - nicht, was die Menschen wollen.

Wer ist Jesus für mich? Der mich nicht loslässt mit dieser Änderung des Blicks. Was die Menschen wollen, ist wichtig, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist, was Gott will.


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