Die Wolke verdeckt Gott
Predigt zu Allerheiligen 2009
Die Steppe wird blühen
und die Felsen werden sich öffnen,
und das Wasser wird strömen.
Durstige kommen und trinken.
Verbannte kommen
mit leuchtenden Garben nach Hause.
Die in Trauer weg gingen,
vereint kehren Sie zurück.
Die in Tränen säten,
kehren wieder mit Lachen und Jauchzen.
Wer tot war, wird leben.
Der Tote wird Hören: Nun lebe!
Toter, Tote - steh auf,
es leuchtet der Morgen.
Eine Hand winkt uns,
uns ruft eine Stimme:
Ich öffne den Himmel.
Und wir werden hören,
und wir werden aufstehn
und lachen
und jauchzen
und leben ...
Ich möchte Sie alle einladen, auf diese Stimme zu hören.
Wir wissen nichts von uns aus über ein Leben nach dem Tod.
Wir wissen nichts von uns aus über den Himmel.
Es muss uns gesagt werden,
und es ist uns gesagt worden.
Es ist uns gesagt worden von einer menschlichen Stimme,
die zugleich Gottes Stimme ist.
Die Stimme Jesu Christi erzählt vom Himmelreich,
sie erzählt so, dass alles von Gott ausgeht,
dass alles sein Geschenk ist - auch die Vollendung,
auch die Ewigkeit.
Ohne Gott - keine Vollendung. Kein Himmel.
Keine blühende Steppe,
kein strömendes Wasser,
kein Lachen und Jauchzen - trotz des Todes -,
kein leuchtender Morgen,
keine Hand,
die uns aufstehen lässt.
Ohne Gott kein Aufstehen und Auferstehen!
Ohne Gott nur Tod - angesichts des Todes
nur Trauer und Betroffenheit
und Rätselraten
und kein Aufblick und kein Ausblick.
Heute stelle ich immer häufiger fest,
dass Menschen das Leben nach dem Tod wünschen,
aber dabei nicht mehr von Gott sprechen.
Das klingt so:
"Unser verstorbener Opa sitzt jetzt
auf seinem Stern und passt auf uns auf."
Oder:
"Er sitzt jetzt auf seiner Wolke
und beschützt uns."
Man leiht sich die Bilder inzwischen
beim "kleinen Prinzen" aus
und nicht mehr in der Bibel.
Sind die großen biblischen Verheißungen verblasst?
Bleibt nur die Wolke und der Stern?
Fällt es leichter, an den beschützenden Opa
auf seiner Wolke zu glauben
als an den lebendigen Gott,
der nicht auf einer Wolke,
sondern in unserer Mitte lebt und wirkt?
Müssen moderne Menschen
sich so emanzipieren von der Rede von Gott,
vom Kreuzzeichen auf der Todesanzeige,
von der religiös geprägten Pietät?
Ist Ewigkeit nur noch:
"Du lebst in unseren Herzen weiter!"
Hat Gott seinen Kredit verloren
im Leben und erst recht im Tod?
Oder haben wir Christen
so leblos, so formelhaft, so "tot"
vom lebendigen Gott gesprochen,
dass viele mit Ihm nichts mehr anfangen können?
Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken.
Ich lade Sie ein, vom lebendigen Gott zu sprechen
und ihn nicht aus Unsicherheit und Scheu
zu verschweigen.
Dieses "aus Gott ein Tabu machen"
gibt es auch unter Christenmenschen.
Wir dürfen unseren Kindern und anderen Menschen
Gott nicht vorenthalten.
Wir dürfen sie nicht um Gott betrügen und uns selber nicht
mit den leichteren und seichteren Ausflüchten begnügen,
mit Wolke und Stern.
Ich lade Sie ein,
den großen Verheißungen der Bibel zu trauen:
dem Festmahl im Reich Gottes,
der blühenden Steppe und dem strömenden Quell,
dem auferstandenen Christus,
dem Leben in Fülle,
der Gemeinschaft der Heiligen -
und der Stimme, die ruft:
Steh auf!
Gott will dich. Gott braucht dich.
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