Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

Ansicht
Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Mit Gott

Auferstehungsmesse für Hans-Werner Kliegel


Wueste lebt Gerade dann, wenn der Tod so dramatisch und brutal und erschütternd einbricht wie der Unfalltod von Hans-Werner Kliegel, sollten wir uns nicht auf den Tod und seine Umstände ausrichten, sondern aufs Leben schauen. Das wird - gerade im Fall von Hans-Werner Kliegel - ein dankbarer Blick sein. Sie kennen vielleicht das Wort von Dietrich Bonhoeffer, das er kurz vor seiner Hinrichtung aus dem Gefängnis heraus einem trauernden Freund schrieb: "Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer wird uns dann die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das Vergangene, das man miteinander geteilt hat, nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich." Ich habe in den letzten Tagen viel zugehört, wenn Menschen Hans-Werner Kliegel gut gekannt und von ihm erzählt haben - und es ist natürlich viel von ihm erzählt worden seit dem letzten Dienstag, seit dem Unfall auf der Autobahn. Dabei ist so von ihm gesprochen worden, dass man spüren konnte: Die Menschen haben sein Leben als "kostbares Geschenk" wahrgenommen und behalten.

In der Lesung hieß es gerade: "In ihm - in Gott - leben wir, bewegen wir uns und sind wir." Der Fahrlehrer Kliegel führte wie alle seine Kollegen ein Fahrtenbuch, aber in das Deckblatt dieses Buches schrieb er hinein: Mit Gott! In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir, sagt Paulus. Mit Gott fahren wir, schreibt Hans-Werner Kliegel - und schreibt das nicht nur einfach dahin. Wie viele Kilometer mag er in seinen 46 Jahren als Fahrlehrer gefahren sein und sich bewegt haben! Er war dauernd unterwegs - und gleichzeitig ruhte er auf eine ungewöhnliche Weise in sich: ein ruhender Pol in seiner Welt. Das eine - die Mobilität - ging nicht ohne das andere - das ruhige Verweilen. Er pflegte die Wurzeln, dieses Mit Gott und die Verbundenheit mit der Familie und mit den Freunden. Wahrscheinlich ist er vor allem als geselliger Mensch erlebt worden, aber dieser nach außen gerichteten Seite ging eine nach innen zielende, besinnliche Neigung voraus. Stundenlang konnte er die Natur betrachten und lange vor einem Bild verweilen. Vor kaum drei Wochen war er noch in Assisi, auf den Spuren seines Lieblingsheiligen Franz von Assisi. Dieser hat in seinem "Sonnengesang" die ganze Schöpfung als mit uns verwandt betrachtet, als Mutter - Mutter Erde -, als Bruder und Schwester. Franz sagt sogar: "Bruder Tod" - also nicht Tod als Feind, als Zerstörer, als Räuber, sondern als Bruder, der dazu gehört. Hans-Werner Kliegel hat die ganze Schöpfung als "gegeben", als von Gott gegeben angenommen. Er lebte in einem tiefen Einverständnis damit, und das machte ihn: gläubig, auf eine männliche und unsentimentale Art "fromm", gelassen, humorvoll und geduldig. Was die Seligpreisungen "ein reines Herz" nennen, war ihm wohl nicht fremd: ein Herz ohne Arglist und Verstellung. Ein Mensch, der nicht schlecht über andere redet und nichts Böses im Schilde führt. Einer, der in Treue Alte und Kranke besucht und begleitet. Einer, der recht häufig zum Friedhof ging und die harte Realität des Todes nicht ausblendete. Ein gutmütiger, herzlicher, geselliger Mensch. Einer, der sich gefunden hat und jahrzehntelang pflichtbewusst von einer Lebensaufgabe her leben konnte, die er auch mit zunehmendem Alter noch wahrnahm. Er fand darin eine Freude und einen Sinn, Menschen - vornehmlich jungen Menschen - etwas beizubringen: das Autofahren. Es gefiel ihm und tat ihm gut, mit ihnen Kontakt zu haben, sich zu unterhalten und ihnen in manchem weiter zu helfen. Dass er in der Ausübung dieser Lebensaufgabe, d.h. in dem, was ihm ganz wichtig war, sein Leben ließ und den Tod fand, gibt zu denken.

Hans-Werner Kliegel kannte bestens die Wege, die Straßen, die Bahnen um Lüdenscheid herum - das war sozusagen sein "tägliches Brot". Die Wege und Straßen für den Verkehr, aber auch die Wege zueinander, die Wege durchs Leben. Eine reiche Lebenserfahrung half ihm dabei, machte ihn auch geistig "verkehrssicher".

Im Evangelium werden die Wege angesprochen, die Lebens- und Glaubenswege hinter Jesus her - aber als Problem. Thomas fragt: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?" Thomas ist der Mensch mit den Fragen, der Sucher und Grübler. Und Jesus antwortet ihm: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Ein Weg, den man gehen kann - und man wird gut ankommen. Es gibt ein Ziel für den Weg: Bleiben wir bei dem schönen alten Wort Himmel! Himmel, Gemeinschaft in Gott. Mit Gott durch dick und dünn und durch alle Freuden und Leiden und Schicksalsschläge hindurch - auch durch den letzten Dienstag hindurch. Ich glaube, dass Hans-Werner Kliegel diese Zuversicht über den Weg und das große unbegrenzte Ziel geteilt hat: Mit Gott aufbrechen, mit Gott starten und losfahren, und mit ihm und in ihm ankommen.


Text downloaden