Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Wie ticken Katholiken?

Thomas Becker von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle Hamm stellt die Auswirkungen der Sinus-Studie für die Kirchen vor

(27.11.2009 GW) Jeder Mensch ist anders. Und doch lassen sich alle in zehn verschiedene Kategorien mit vergleichbaren Werten, Erwartungen, Lebenskonzepten, sogenannte Milieus zusammenfassen. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt war Auslöser für die erste Sinus-Studie, in der die Menschen nach ihren Einstellungen und Erwartungen an das Leben befragt wurden. Das Konzept erwies sich als allgemeingültig und so wurden zwischenzeitlich Befragungen für die verschiedensten Auftraggeber durchgeführt: der WDR konzipierte seine Programmestruktur aufgrund von Befragungen, das Fernsehen setzt die Ergebnisse in Programmschwerpunkten um. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die katholische Kirche eine Studie in Auftrag gab.

Bevor Thomas Becker von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm die Ergebnisse dieser Studie vorstellt, wurden die einzelnen Milieus mit ihren typischen Verhalten, ihrer Art zu Wohnen, den gegebenen Antworten durch Bilder und Filmausschnitte charakterisiert. Werbespots, die entweder die Milieus ansprechen oder mit diesen spielen, wurden gezeigt und brachten die Zuhörer zum Lachen - und auch zum Nachdenken.

Die Ergebnisse der Studie waren einerseits nicht überraschend: die aktiven Gemeindemitglieder finden sich vornehmlich in der Gruppe der Traditionsverwurzelten bzw. Konservativen. Diese vornehmlich älteren Menschen halten die Gemeinde am Leben. Sie finden sich in allen etablierten Gemeinschaften der Kirche wieder. Sie organisieren Veranstaltungen, in denen sich dann Menschen mit gleicher Grundeinstellung, aus dem gleichen Milieu wie die Veranstalter wiederfinden. Sie denken im "Wir", im Gottesdienst bevorzugen diese Menschen die strenge Liturgie.

Ganz anders "ticken" die Bürgerliche Mitte, die Etablierten und die Postmateriellen. Sie sind jünger, haben gelernt In-Frage zu stellen. Sie sind zu besonderen Anlässen in den Kirchen und Gemeinden zu finden, wo sie mitgestalten wollen. Und können auch genauso schnell die Gemeinden wieder verlassen.

Moderne Performer, Experimentalisten und Hedonisten - das sind die Milieus, in denen sich vornehmlich die Jüngeren finden. Sie denken im "Ich", finden, dass jeder selbst den Sinn des Lebens finden muss. Für sie ist die Kirche keine Alternative. Nur wenn kirchliche Angebote einmal zufällig parallel mit ihrem momentanen Empfinden läuft, sehen wir sie in den Gemeinden - nur ganz kurz. Ansonsten stellen sie hohe Erwartungen an die Kirche: sie soll Hüter der Tradition sein und darf sich in keinem Fall verbiegen, um nicht unglaubwürdig zu werden.

Und was erwartet die Kirche in Zukunft? Für Thomas Becker ist die Antwort aufgrund der Analyse eindeutig: die Kirche ist jetzt schon nicht mehr Volkskirche und wird im Laufe der nächsten Jahrzehnte immer weiter eindampfen. Aktive Zirkel werden die Kirche ausmachen. Da hilft auch keine Abkehr vom Zölibat. Nach reiflichem Überlegen kommt Becker zu der Ansicht, dass der Zölibat die Besonderheit der Verkündigung unterstreicht.

Und so schaut man am Ende der Veranstaltung in viele ratlose Gesichter. Gemeinderatsmitglieder, die es als eine ihrer vornehmlichen Aufgaben ansahen, Jugendliche anzusprechen und wieder zurück in die Kirchen zu führen, erkennen nun ihren Vorsatz als nicht durchführbar, als vertane Liebesmühe. Als Konsequenz aus dem Referat von Thomas Becker werden die zukünftigen Schwerpunkte von Gemeindearbeit mit dem Wissen um die Ergebnissen der Sinus-Studie verschoben werden müssen.

Auch wenn das Ehepaar Riegel den Abend mit Gitarren- und Flötenspiel ausklingen ließ - viele nachdenkliche Gesichter blieben.