Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

Ansicht
Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Gesegnete Weihnachten


Muße Liebe Schwestern und Brüder!

Meine Seh-Hilfe für Weihnachten in diesem Jahr ist vor allem dieses Plakat von gott.net. Es ist da wirklich alles sehr übersichtlich! "Frohe Weihnachten" steht in der Mitte, und weil es um Weihnachten geht, wird man die drei Zeichen darüber wohl als Weihnachtsbäume ausmachen. Das wär's dann: Frohe Weihnachten, verbunden mit üblichem Weihnachtsdekor - eben: Bäumen. Aber die Bäume sehen verdächtig nach Pfeilen aus - drei Pfeile, die nach oben weisen. Das erst macht das Plakat richtig interessant: Bäume, die zugleich Pfeile sind, nach oben.

Weihnachten ist das Fest der Pfeile nach oben. Alles ist, was es ist, und zugleich viel mehr: ein Pfeil nach oben, oder ein Pfeil von oben. Das Kind in der Krippe ist ein Baby wie Millionen andere, es schreit und wird gestillt - zugleich ist es ein Pfeil von oben, ein Geschenk Gottes, Sohn Gottes, und es lenkt wieder den Blick nach oben, hin zu Gott, hin zum Himmel, wo die Engel singen und die große Freude verkündigen, die aller Welt zuteil wird. Seitdem dürfen wir eigentlich über jedem menschlichen Gesicht einen unsichtbaren Pfeil - von oben und nach oben - vermuten, der uns erinnert, woher wir kommen und wohin wir gehen. Ein Pfeil weist die Richtung und nimmt uns mit in etwas Größeres hinein, in etwas, das uns als Einzel- und Alltagsmenschen übersteigt, z.B. nimmt uns mit in die große Vision des Reiches Gottes. Davon hat Jesus immer wieder gesprochen; das Reich Gottes war der "rote Faden" in seinen Worten: ein Reich, in dem Gottes Wille gelebt wird.

Passen wir auf, dass der Pfeil nicht abgeknickt wird, nicht umgebogen wird! Er weist dann nicht mehr nach oben, sondern biegt sich und zielt zurück auf die Dinge selbst, oder auf uns selbst. So ist Weihnachten heute weithin bei vielen: Erwartet und gefeiert wird dann nicht mehr das Kommen Gottes, sondern die familiäre Wärme, die häusliche Gemütlichkeit, die Flut der Geschenke. Alles wichtig genug und doch ein bisschen zu wenig! Und da ist dann kein Pfeil mehr, nirgends. Kein Verweis auf Größeres, Anderes. Keine Richtung auf Gott. Im besten Fall feiert die Familie das "Fest der Familie", feiert ihre eigene Wärme. Und Jesus ist dann kaum mehr als Lametta am Baum.

Weihnachten sagt mir: Wir sind als "Pfeil-Menschen" gedacht. Nicht als Menschen, die nur auf sich selber zeigen, auf sich selber zielen und nur für sich selber stehen. Pfeil-Menschen, die aufbrechen - wie damals die Hirten - und durch ihr Leben auf etwas verweisen, das größer ist als wir und in dem göttlichen Kind in der Krippe ein menschliches Gesicht bekommt.

Pfeil-Mensch war z.B. unsere Freundin aus Guatemala, Maria Christine Zauzich, ertrunken im August. Rastlos und selbstlos hat sie sich für die jungen Mayas eingesetzt. Nichts war ihr zuviel. Sie diente einer Vision: dass der menschgewordene Gott uns als freie Menschen will, die ihre Gaben entfalten können - auch an den "Rändern" der Erde; auch die Armen tragen große Reichtümer in sich, die nicht verkümmern dürfen.

Pfeil-Menschen sind die vielen, die andere Menschen wohlwollend und hilfreich im Blick haben - Kranke pflegen, zuhause oder in den Krankenhäusern und Heimen. Sozial Schwachen beistehen, Kinder fördern, in schwierigen Situationen geduldig aushalten, Enttäuschte und Ratlose aufrichten, oft ohne Dank, oft bis an die Grenze ihrer Kraft. In jeder selbstlosen guten Tat steckt ein kleiner Pfeil von oben und nach oben.

Die Beispiele deuten an, dass der Pfeil "nach oben" uns nicht "auf eine Insel der Seligen" hebt und uns nicht aus der Welt herausführt, sondern viel tiefer in sie hinein - auch in ihre Nöte und Spannungen hinein. Diese Menschen folgen dem Beispiel Jesu, der es einfach nicht fertig brachte, am Leiden der Menschen vorbei zu gehen. Jesus ist ein Mitgeher, kein Vorbeigeher! Er half und heilte und trug die Leiden mit, trug sie mit ans Kreuz, trug die Wundmale des Leidens - die eigenen und die der Anderen - ins neue Leben der Auferstehung hinein. Der Pfeil hat ein Ziel: dieses neue Leben, das keinen Tod fürchten muss.

Pfeile nach oben. Sie merken schon: Ehe wir nach oben zielen können, zielte Gott nach unten. Vor dem Aufstieg des Menschen (seiner "Vergöttlichung" - wie die Kirchenväter sagen) kommt der Abstieg Gottes, seine Menschwerdung. Erst ein Pfeil nach unten, ein wahrer Blitzschlag der Liebe , Jesus Christus mit Namen - dann unsere kleinen , Pfeile nach oben, unsere bescheidenen Versuche, diesen Namen zu tragen: Christen.

Warum der Pfeil nach unten? Warum blieb Gott nicht, wo er war? Warum dieser Abstieg in die Niederungen? In meiner Weihnachtspost findet sich in einem Brief dieser Gedanke:
Es heißt: Im Anfang war das Wort. Aber wir nehmen einen Menschen nur sehr begrenzt über seine Worte wahr. Die Wissenschaftler sagen: Zu 8o% beeindruckt und beeinflusst uns die Körpersprache und nur zu 20% der Inhalt der Worte. Weihnachten ist Körpersprache pur: Und das Wort ist Fleisch geworden, ist Körper geworden, Kinderkörper in einer Krippe. Später leidender Körper am Kreuz. Dann Auferstehungskörper der ganz eigenen Art. Aber immer Körper, Leib. Nie bloß Wort, Lehre, ein Buch oder rednerisches Programm. Sondern ein Mensch dahinter mit Haut und Haar. Körpersprache Gottes! Und die geht weiter in der Eucharistie, in der Hl. Messe, in dem, was wir hier tun: hier verleibt er sich uns als wahres Lebensmittel buchstäblich ein. Hier empfangen wir den Leib Christi.

Soweit - sinngemäß - der Brief von der Körpersprache Gottes, die zu Weihnachten begann und bis heute weitergeht - gleich, wenn Sie Ihre Hand ausstrecken (das ist Ihre Körpersprache: das Empfangen) und in einem kleinen Stückchen Brot den "Gott in unserer Mitte" in der Hand haben (das ist Seine Körpersprache).

Liebe Schwestern und Brüder,

in einer anderen Weihnachtskarte, die ich bekam, wurde auf den Klimagipfel in Kopenhagen angespielt, der ja mit sehr dürftigen und enttäuschenden Ergebnissen auseinander ging:
Die Welt tut sich schwer mit der Klimaverbesserung. - Gott hat vor zweitausend Jahren mit seiner Menschwerdung die größte Verpflichtung und den höchsten Einsatz zur Klimaverbesserung vollbracht! An uns liegt es, das gute Klima zu nutzen!

Ja, Jesus hat ein Klima in diese Welt gebracht, in dem die Menschen gut atmen können, nicht vor innerer Kälte frieren müssen und auch nicht schwitzen müssen vor Überforderung und Sündenangst! Das Klima eines menschenfreundlichen Gottes, aufgegriffen von menschenfreundlichen Menschen, die Mitgeher und nicht Vorbeigucker und Vorbeigeher an der Not der anderen sind. Das Klima, das unsere heutigen Weihnachtsfeiern suchen und nicht immer finden. Unsere drei Pfeile weisen in dieses Klima der Menschenfreundlichkeit Gottes, in diese Atmosphäre einer unbeirrbaren Güte und Zugewandtheit, die wir in der Sprache des Glaubens oft "Himmel" nennen.

So wünsche ich Ihnen allen "himmlische Weihnachten", ein Klima der Liebe nicht nur in diesen Tagen - und einen guten Blick für die unsichtbaren Pfeile, die nach oben weisen und von Menschen und Dingen ausgehen - ganz bestimmt vom Kind in der Krippe!

Text downloaden