Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Maria - nicht allein

Maria02.05.2010


"Dann kehrten die Apostel vom Ölberg nach Jerusalem zurück. Dort gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern."
(Apg 1, 12-14)

Oft ist Maria allein.
Allein auf den Säulen und Podesten.
Allein auf den Altären.
Herausgehoben in einsame Höhen.
Mit Kronen gekrönt.
Zur Himmelsgestalt geworden.
Sie atmet Gottes Höhenluft,
nicht mehr die Luft von Nazareth.
Selten sieht man sie mit anderen -
mit ihren Landsleuten,
mit ihren Bluts- und
Geistesverwandten -
mit denen,
die der Sohn am Kreuz
ihr ans Herz legt,
wie in einem letzten Vermächtnis.
"Siehe da, dein Sohn,"
sagt der Sterbende
und zeigt auf Johannes,
zeigt auf die Kirche,
zeigt auf die "neue Familie",
die der Glaube an Christus
zusammenbringt.

Hier, in diesem Bild
eines westfälischen Meisters,
ist Maria nicht einsam und allein.
Zusammen mit den Aposteln
ver"arbeitet" sie alles,
was geschehen war:
den Tod des Sohnes, das Kreuz.
Wie kann man so Schweres
verarbeiten?
Die Geschichte von den Emmausjüngern
sagt: Im Gespräch.
Die Apostelgeschichte sagt: Im Gebet.
Heute gründet man, wenn man
Lösungen sucht in großen Problemen,
einen "Runden Tisch":
Der ist auch hier im Bild!
Maria und die Apostel
sitzen um den runden Tisch,
im Obergemach,
hinter verschlossenen Türen, -
und so entsteht ein Kreis.
Sie sitzen Schulter an Schulter,
eng gedrängt,
da passt nichts dazwischen.
So ist es manchmal
mit den Kreisen,
in denen wir verkehren:
Da gibt es den Schulterschluss,
da passt kein Neuer
und nichts Neues mehr rein!
Da kreist man
nur um sich selbst!
Aber hier im Bild
- oben, vor Kopf-,
da gibt es eine Lücke!
Auf solche Lücken
und Leerstellen
sollten wir achten,
wenn wir zusammen sind:
dass wir nicht ganz
in Beschlag genommen sind,
nicht ganz voll
und nicht ganz zu
mit den Problemen
und Sorgen des Tages,
sondern dass da
ein Frei-Raum bleibt.
Einen solchen Freiraum
schafft das Gebet.
Es ruft einen Anderen
in unsere Mitte,
auch in unsere Trauer und Traurigkeit,
es lässt uns weiter sehen
und weiter hoffen,
als wir sind.
Es macht uns bereit
für Gott:
dass Er in unsere Mitte kommt.
Der freie Raum "vor Kopf"
wird zu einer Einbruchstelle
von oben.
Gottes Kraft bahnt sich dadurch
ihren Weg in die Mitte,
in die Mitte der "neuen Familie",
der Brüder und Schwestern im Glauben,
in die Mitte der entstehenden Kirche.
Und so stürzt die Taube,
stürzt der Heilige Geist herab
durch die Öffnung
zwischen den Schultern
und schafft aus dieser
versprengten Herde der Ratlosen
eine Gemeinschaft,
die zusammenbleibt
und "einmütig im Gebet verharrt",
ehe sie ausstrahlt
und ausschwärmt
bis an die Grenzen der Erde.
Erst die Sammlung -
Dann die Sendung!
Doch soweit ist es noch nicht
in unserem Bild.

Jeder Kreis hat einen Mittelpunkt.
Die Mitte im Tisch
ist ein kleiner leerer Kreis -
in der Größe einer Hostie.
Die Taube trägt im Schnabel
denselben Kreis, die Hostie,
das Brot der Eucharistie,
und wird damit die Mitte füllen.
Jesus im eucharistischen Brot-
das ist die Mitte!
Von der Mitte strahlt es aus:
Strahlen gehen aus
Zu jedem Einzelnen hin.
Jesus Christus braucht jeden.
Er verschenkt sich
an jeden in der Runde.
Er schafft
die "große Kommunion"
mit den Menschen, mit der Welt -
später, draußen, nicht mehr
hinter verschlossenen Türen.

Und Maria ist dabei,
nicht einsam und allein,
sondern mit den anderen.
Eine Mutter.
Eine Schwester.
Eine Mitbeterin.
Ein Vorbild des Glaubens,
mit unvergesslichen Worten
wie:
"Ja, Gott, es soll geschehen,
wie du es gesagt hast."
Mit Worten wie:
"Was Jesus euch sagt -
das tut."
Sie ist eine,
die in ihrem eigenen Leben
die Einbruchstelle
frei gelassen hat, z.B.
als der Engel Gabriel
zu ihr kam.
Sie gehört zur Kirche.
Sie gehört zu uns.




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