Dreifaltigkeit - die schönste "Wohngemeinschaft"
Predigt am Dreifaltigkeitssonntag 31.05.2010
"Du musst aber ganz schön einsam sein", schreibt eine Achtjährige in den "Kinderbriefen an den lieben Gott". Vielleicht
hat sie ihren Vater mal sagen hören, je höher hinauf, desto einsamer würde es. Der Vater hat dabei an die Bundeskanzlerin
und den Papst gedacht, die beide in ihrer hohen Stellung und Verantwortung vermutlich einsam sind. Noch höher hinauf - denkt das
Kind. Es denkt an Gott.
Christen kennen dieses Thema. Sie sprechen vom "dreifaltigen Gott" und verkünden nicht die einsame, sondern die "gesellige Gottheit"
- mit den drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Einsamkeit passt eigentlich schlecht dazu! Die anderen Religionen sehen es anders.
Sie glauben - streng monotheistisch - nur an einen Gott, oder sie glauben an viele Götter. Entweder - oder! Am meisten macht heute
von sich reden der ganz streng monotheistische Islam. Wie das Judentum kommt er aus der Wüste. Ein Gott wird in der Wüste geglaubt
- ein Gott, der allein wahr ist, der allein Gehorsam fordern darf - der keine fremden Götter neben sich duldet. Kritiker sagen, dass
ein solcher Glauben zu Intoleranz, zu Rechthaberei und Gewalt führt. Das alles ist ja auch in der Geschichte des Christentums oft
genug vorgekommen. Andere Glaubensformen gelten dann als falsch, als unwahr, als Gegner, die man bekämpfen und bekehren muss. Nur ein
Glaube, der eigene, hat Recht. Gott erscheint in dieser Auffassung als ein "eifersüchtiger" Gott, der sich abgrenzt und nicht gerade
den Frieden mehrt. Alles, was mit "Mono" beginnt, so sagen die Kritiker, ist überholt: Die Monarchie, d.h. die Herrschaft eines Einzelnen,
etwa eines Kaisers. Stattdessen zählt Demokratie. Der Monolog, die Dauerrede eines Einzelnen. Stattdessen suchen wir den Dialog. Und dann
eben auch der einseitige strenge Monotheismus. Stattdessen - ja, was - stattdessen?
Christen sagen: Stattdessen der Glaube an den dreifaltigen Gott! Ein Gott - in drei Personen, mit drei Gesichtern und Erscheinungsweisen.
Ein Gott in drei Personen, zwischen denen Liebe fließt, Beziehung, engste Gemeinschaft! Einer beziehungsarmen und oft liebeleeren Zeit
wird damit ein beziehungsreicher Gott vorgestellt. Dreifaltigkeit - das ist kein Wort aus dem Museum, kein überholter Begriff der Vergangenheit
- im Gegenteil! Das Wort deutet ein immer aktuell bleibendes Gottesbild an: Gott ist kein unnahbarer, einsamer Monarch auf seinem Thron, sondern
er lebt sozusagen in "Wohngemeinschaft": ein "geselliger Gott" - Er ist die Liebe. Diese Wohngemeinschaft ist der Himmel. Als Hölle stelle
ich mir völlige Lieblosigkeit und Einsamkeit vor.
Mit jedem Kreuzzeichen, mit jedem Gebetsanfang treten wir an
Im Name des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Jesus schickt die
Jünger aus und sagt ihnen, sie sollten taufen in diesem Namen. Die Kirche hat dann rund vierhundert Jahre gebraucht, um weiterzudenken, wie
das geht und was das heißt: ein Gott, aber in drei Personen - der Vater, der Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist. Sie hat sich damit
tief ins göttliche Geheimnis hineingedacht, hat sich auf Worte Jesu gestützt, wie sie vor allem im Johannesevangelium vorkommen, etwa:
"Ich und der Vater sind eins." Der Sohn - Jesus Christus - ist nicht nur ein Prophet, ein von Gott überzeugter Prediger wie viele andere, er
ist eins mit dem Vater. Welcher Mensch sonst könnte das von sich behaupten?
Kommunion - das ist Gottes Art. Gott ist Liebe, weiß die Bibel: Liebe, die sich mitteilt, die aus sich herausgeht, die sich verströmt
in die Schöpfung hinein. Warum hat Gott die Welt erschaffen? Die Kirchenväter sagten: Es gibt die Welt, weil Gott ein Gegenüber
wollte, das er lieben kann. Es gibt den Menschen, der in einen Bund der Liebe, in eine Freundschaft mit diesem Gott gerufen ist. "Ihr Freunde
Gottes allzu gleich.."-das meint nicht nur die Heiligen, das meint uns!
Der Tabernakel in unserer Kirche St. Joseph und Medardus drückt das so aus: der Vater und der Sohn begegnen und umarmen sich. Die Luft dazwischen
ist der Raum des Geistes, und darin - in diesem Ur-Modell der Liebe - ist die Erde, der Globus gehalten. Dieses göttliche Modell der Liebe tragen
wir in uns. Das wird mir immer ganz bewusst bei den Trauungen und Hochzeiten in der Kirche: Gott ist der Erfinder und der "Weltmeister" der Liebe. Er
ist das Modell. Er, der dreifaltige Gott. Wir sind nicht geschaffen und gemeint als einsame, abgekapselte, in sich verschlossene Individuen, jeder nur
für sich - wir sind Ebenbild des dreifaltigen Gottes - sind geschaffen als Personen.
Person wird man am Anderen, im Miteinander und im Füreinander. Ohne den Anderen könnte ich nicht sein. Ohne die Beziehung der Liebe würde
keiner von uns existieren. Dazu gehört auch, dass man das Andere und den Anderen res-pektieren und schätzen kann. Wenn alle gleich wären -
wie schrecklich wäre das! Dann brauchte keiner den anderen - der Mann nicht die Frau und die Frau nicht den Mann. Erst der "Andere", der ungleich
ist mit uns, kann uns ergänzen und herausfordern und korrigieren. Und so entsteht eine Einheit unter den Ver-schiedenen: in großer Vielfalt,
im Miteinander, im Austausch und in der Ergänzung - so ist es in der Familie, so ist es in der Kirche, so ist es in der Ökumene. Überall
wirkt das göttliche dreifaltige Modell der Liebe weiter.
"Malt ein Bild von Gott," bittet der Religionslehrer in der Grundschule. "Kann ich nicht", sagt ein Junge, "ich habe keinen Goldstift dabei!" "Ich nehme
alle Farben", meint ein Mädchen, "ganz bunt soll das Bild werden." Ein buntes, vielfältiges, "dreifaltiges" Bild. Nicht bloß der Goldstift,
sondern der ganze Farbkasten. Vielleicht ist unser persönliches Gottesbild nicht so vielfarbig, sondern mit dem Goldstift der Macht und des Glanzes
gemalt oder in Schwarz-Weiß gehalten. Aber der Geist der Wahrheit hat seine Wege, uns "in die ganze Wahrheit zu führen".
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