Medardus
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MoseSiebenmal Zachäus

Ruhrwort vom 30.10.2010


Zachäus ist Präsident des Zollamts von Jericho, ein "Kollaborateur" der verhassten Römer, die ihm den lukrativen Posten zugeschanzt haben, und entsprechend kor-rupt. Das Volk liebt ihn nicht. Manche verabscheuen ihn. Zu den Sympathieträgern gehört er sicher nicht.

Zachäus ist ein neugieriger Mensch. Oder sagen wir: offen, interessiert. Sein Interesse gilt nicht nur dem Mammon. Auch Wanderpredigern, wenn sie etwas zu sagen haben. Im Jericho Bookshop blättert er gern in der Abteilung Spiritualität herum. Er hält sich selbst für einen "Suchenden".

Zachäus steht nicht bei der Menge. Den Wanderprediger Jesus sieht er sich aus sicherer Entfernung an. Versteckt im Feigenblattlaub. Ein bisschen so wie der alte Adam mit seinem Feigenblatt. Beide halten sich bedeckt - Adam aus Furcht, der Zöllner aus scheuem Interesse. Schwellenängste, sagt man heute. Zachäus bleibt in sicherer Distanz, am Rande. Aber er hält Ausschau nach Jesus. Ob eine starke Erwartung, eine Sehnsucht nach einem anderen Leben in ihm gefunkt hat?

Zachäus hat einen unpassenden Namen. Der Reine, so müsste man ihn über-setzen. Ausgerechnet er! Oder passt der Name doch? Und woher weiß Jesus ihn? "Zachäus, komm schnell herunter!" In seinem Versteck wird er beim Namen gerufen. Jesus sieht nicht so sehr die Rolle und den Ruf; er sieht die Person. Sein Blick (" er schaute hinauf") geht durch das Blätterwerk und durch die Oberfläche des Menschen hindurch.

Zachäus wird zum Gastgeber. Wer Tisch und Mahl, Brot und Wein miteinander teilt, gehört zusammen - trotz aller Anfeindungen und scheelen Blicke. Er hört von Jesus keine Vorwürfe, Ermahnungen oder therapeutischen Ratschläge. Zachäus muss nichts leisten. Aber er ahnt eine bedingungslose Annahme. Der Wanderprediger predigt nicht Liebe - er verkörpert sie. Der Gastgeber ist der Empfangende. Auch ihm - gerade ihm - gilt diese Liebe.

Zachäus geht durch eine Umkehr hindurch. Nicht zerknirscht und reueschwer, sondern in Freude. Wie der Schatzsucher, der den Schatz im Acker gefunden hat und nun freudig alles loslassen kann, um ihn zu erwerben. Die Hälfte des Vermögens und die vierhundert Prozent Rückzahlung wiegen da nichts mehr angesichts des Besuchers und dessen, was er ausgelöst hat.

Zachäus wird ein Heiliger, einer im Heil. "Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden", sagt Jesus. Das Heil: Geschenk, Gnade, und nicht Lohn und Verdienst. "Auch dieser Mann ist ein Sohn Abrahams." Also nicht nur ein Sohn des Sünders Adam mit seinem Feigenblatt, sondern ein Sohn des Glaubens, trotz allem. Einer nicht vom "harten Kern" der Glaubenden, sondern von den Rändern her. Einer von den "Fernstehenden", dem Nähe geschenkt wird. Einer in den Vorhöfen, der heiligen Boden entdeckt. Einer, der unserer Zeit nahe ist.

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