Medardus
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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Taufe JesuDie Taufe Jesu - unsere Taufe

Predigt am 09.01.2011


Die evangelische Kirche hat das neue Jahr zum "Jahr der Taufe" ausgerufen. Sie sagt damit - und das gilt auch für uns: Nehmt die Taufe nicht einfach für selbstverständlich, für eine bloße Routine, sondern denkt nach! Tun wir das also, denken wir nach: Was passiert da, wenn ein Mensch getauft wird?

Fast alle von uns wurden wohl als Babys getauft. Ich selber war eine Woche alt, es war noch im Krankenhaus. Meine Mutter war nicht dabei. So war das damals. Es gibt ein Foto davon. Da ich mich natürlich an meine eigene Taufe nicht erinnern kann (vermutlich habe ich sie verschlafen!), hilft das Foto meiner Erinnerung nach. Die Taufe ist das einzige Sakrament, das man sozusagen "verschläft"! Das ist vielleicht gut für unsere Tauffeier (das Kind schreit nicht, es stört nicht) - aber das ist nicht so gut für unser Taufbewusstsein. Dieses Bewusstsein ist meistens nicht sehr entwickelt. Wir bekommen die Taufen anderer mit, der eigenen Kinder etwa, und das war dann verbunden mit einem Taufgespräch, wofür der Priester dann ins Haus kommt. Wahrscheinlich wird er bei seinem Besuch sagen, wie wichtig und wie grundlegend die Taufe ist - für dieses Kind. Hoffentlich wird uns darüber auch bewusst, auch jetzt in dieser Messe: Ich selber bin getauft - und das ist mehr als: Ich hatte da eine Tauffeier als Baby, und es gibt noch ein Foto davon!

Bedeutung der Taufe: Der evangelische Präses Nikolaus Schneider nannte sie in dieser Woche die Nabelschnur, die uns mit Gott verbindet. Das ist ein gutes Bild. Nabelschnur, durch die Gottes Kraft und Liebe und Nähe in unser Leben kommt. Allerdings - und das ist die Grenze des Bildes - gibt es keine Abnabelung. Man kann sich abnabeln von den Eltern, auch von der Kirche - aber nicht von Gott. Gott jedenfalls kündigt seine Beziehung zu uns nie. Wir können noch so verrückte oder schlimme Wege gehen: er wartet, er bleibt offen, er schreibt uns nicht ab. Die Kirche sagt: Die Taufgnade bleibt im Menschen, die Taufe ist ein Gottesgeschenk, das Gott nicht zurücknimmt. Das Geschenk ist in keinem Laden zu kaufen und nicht für alles Hab und Gut der Welt zu kriegen, - so wenig wie man Freundschaft und Liebe für Geld kaufen könnte. Freundschaft und Liebe geschieht, es funkt, ich kann es nicht planen, ich kann es nur geschehen lassen - es ist eine Gnade. Ich kann Freundschaft nicht einklagen und einfordern, ich kann Liebe nicht erzwingen und produzieren - ich kann sie nur annehmen und erwidern und mich dafür offen und bereit halten. So ist es auch mit der Beziehung zu Gott:

"Da öffnete sich der Himmel
und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn."
Die evangelische Kirche hat das neue Jahr zum "Jahr der Taufe" ausgerufen. Sie sagt damit - und das gilt auch für uns: Nehmt die Taufe nicht einfach für selbstverständlich, für eine bloße Routine, sondern denkt nach! Tun wir das also, denken wir nach: Was passiert da, wenn ein Mensch getauft wird?
Fast alle von uns wurden wohl als Babys getauft. Ich selber war eine Woche alt, es war noch im Krankenhaus. Meine Mutter war nicht dabei. So war das damals.
Es gibt ein Foto davon. Da ich mich natürlich an meine eigene Taufe nicht erinnern kann (vermutlich habe ich sie verschlafen!), hilft das Foto meiner Erinnerung nach. Die Taufe ist das einzige Sakrament, das man sozusagen "verschläft"! Das ist vielleicht gut für unsere Tauffeier (das Kind schreit nicht, es stört nicht) - aber das ist nicht so gut für unser Taufbewusstsein. Dieses Bewusstsein ist meistens nicht sehr entwickelt. Wir bekommen die Taufen anderer mit, der eigenen Kinder etwa, und das war dann verbunden mit einem Taufgespräch, wofür der Priester dann ins Haus kommt. Wahrscheinlich wird er bei seinem Besuch sagen, wie wichtig und wie grundlegend die Taufe ist - für dieses Kind. Hoffentlich wird uns darüber auch bewusst, auch jetzt in dieser Messe: Ich selber bin getauft - und das ist mehr als: Ich hatte da eine Tauffeier als Baby, und es gibt noch ein Foto davon!

Bedeutung der Taufe: Der evangelische Präses Nikolaus Schneider nannte sie in dieser Woche die Nabelschnur, die uns mit Gott verbindet. Das ist ein gutes Bild. Nabelschnur, durch die Gottes Kraft und Liebe und Nähe in unser Leben kommt. Allerdings - und das ist die Grenze des Bildes - gibt es keine Abnabelung. Man kann sich abnabeln von den Eltern, auch von der Kirche - aber nicht von Gott. Gott jedenfalls kündigt seine Beziehung zu uns nie. Wir können noch so verrückte oder schlimme Wege gehen: er wartet, er bleibt offen, er schreibt uns nicht ab. Die Kirche sagt: Die Taufgnade bleibt im Menschen, die Taufe ist ein Gottesgeschenk, das Gott nicht zurücknimmt. Das Geschenk ist in keinem Laden zu kaufen und nicht für alles Hab und Gut der Welt zu kriegen, - so wenig wie man Freundschaft und Liebe für Geld kaufen könnte. Freundschaft und Liebe geschieht, es funkt, ich kann es nicht planen, ich kann es nur geschehen lassen - es ist eine Gnade. Ich kann Freundschaft nicht einklagen und einfordern, ich kann Liebe nicht erzwingen und produzieren - ich kann sie nur annehmen und erwidern und mich dafür offen und bereit halten. So ist es auch mit der Beziehung zu Gott:

Da öffnete sich der Himmel
und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn."


So, in großartiger Bildsprache, das Matthäusevangelium über die Taufe Jesu. Auch über unsere eigene Taufe lässt sich das so sagen. Jedes Mal, wenn ein Mensch getauft wird, "öffnet sich der Himmel". Und wohl jedes Mal, wenn eine gute, heilsame Beziehung unter Menschen entsteht, "geht der Himmel auf" über mir - ein Stück Himmel zumindest!

Leben heißt: in Beziehung sein. Beziehung zu mir selbst, zu anderen Menschen, zu Gott. Ich habe in diesen Tagen die Tagebücher eines sehr bekannten Schriftstellers und Journalisten gelesen, Fritz J. Raddatz, der zwanzig Jahre seines Lebens und Altwerdens beschreibt. Er nimmt den Leser mit hinein in die Eitelkeiten des Kulturbetriebs, in den Kampf um Ruhm und Ehre und Geld, und je älter er wird - er wird bald 80 - und nicht mehr viel zu sagen hat, bleiben die Freunde weg, bleibt die Ehre weg, zum Geburtstag rufen immer weniger Leute an, und der Autor fragt sich immer mehr: Wozu ist das Leben gut? Was bleibt eigentlich? Raddatz ist nicht religiös, Gott bedeutet ihm nichts, und ich lese heraus, was man die "Erlösungsbedürftigkeit des modernen Menschen" nennen könnte in seiner wachsenden Einsamkeit, in seiner Unfähigkeit zu echten, tragenden Beziehungen. Hängt alles nur von unserer Leistung ab? Wenn unsere Leistung abnimmt, sind wir dann nichts mehr? Wenn wir alt und krank sind, sind wir dann abserviert? In den genannten Tagebüchern gibt es - wie in großen Teilen der aktuellen Literatur - eher nur den "verschlossenen Himmel"; er geht nicht auf.

Die Taufe eines Menschen bedeutet das Gegenteil: offener Himmel. Es wird uns ein Entwurf des Lebens vermittelt, den ich jedem Menschen nur wünschen kann. Aus dem "offenen Himmel" dringt eine Stimme, die leise Stimme Gottes - und es ist unser Auftrag, ihr Lautsprecher, ihr Verstärker zu sein: "Das ist mein geliebter Sohn. Das ist meine geliebte Tochter." Sohn und Tochter - das sind in der Bibel Beziehungsworte. Nicht unbedingt ist die biologische Abstammung gemeint. Gemeint ist Zugehörigkeit und große Nähe. Gemeint ist, dass es eine "Familie Gottes" gibt, zu der die Söhne und Töchter gehören, die dadurch auch zu Schwestern und Brüdern werden. So hängt das zusammen - Kind Gottes und Mitglied der Kirche zu sein. Die Taufe ist das Band, das Menschen mit Gott und untereinander im Glauben verbindet.

Du bist mein geliebter Sohn. In meiner Taufe hat Gott zu mir gesagt:
- Du bist willkommen in dieser Welt.
- Ich rufe dich bei deinem Namen, du gehörst zu mir.
- Ich habe dich lieb - vielleicht gelingt es Dir auch, mich zu lieben.
- Ich bin dein Mitgeher - auch in allen Leiden und Kämpfen dieser Welt.
- Ich habe Worte für dich und kann dir Wege weisen - meine Wege.
- Nichts kann unsere Beziehung zerstören - auch nicht der Tod. Unsere Beziehung ist ewig. Ich schenke dir Ewigkeit.
- Du bist nicht allein!
- Ich brauche dich. Ich lade dich ein, mir nachzufolgen. Ich lade dich ein, wirklich ein Christ zu sein!

In der Taufe wird die Beziehung zum Gott der Bibel sichtbar, greifbar, hörbar - genauso wie in den anderen Sakramenten. Ich denke, Gott liebt alle Menschen und alle Kinder dieser Welt, ob sie getauft sind oder nicht. In dem Tabernakel unserer Kirche steht darum in der Mitte der göttlichen Liebe die Erdkugel - die ganze Erde mit all ihren Menschen - und nicht eine Kirche. Gott liebt alle, aber dass er mich liebt, wird mir in der Taufe gesagt. Es muss mir gezeigt und gesagt werden, auf den Kopf zugesagt werden, über den dann das Wasser fließt.

Gott sagt: "Ich liebe dich - und ich brauche dich!" Hoffentlich hören wir beides heraus: die Gabe und die Aufgabe. Die Gabe der Liebe und die Aufgabe, die ich für mich in meinem Leben entdecken darf. Wer A sagt zur Taufe, sollte auch B sagen zum Gebraucht-Werden durch die anderen. Die Menschen, die sich einsetzen für andere - das sind die wahren Schätze der Kirche. Nicht goldene Madonnen, nicht der Kölner Dom, nicht große Ländereien - die wahren Schätze der Kirche sind die Christen, die ihre Taufe nicht vergessen haben. Wir sind durch die Taufe Mitglaubende, Mitgehende, Mittäter, Mitarbeiter - immer dieses Wörtchen "mit"! Gerade in schwierigen Zeiten können wir Herz, Verstand und Phantasie einsetzen, um unser Christsein mit anderen zu leben. Ich hoffe, dass wir Getauften mit Freude auf dem Weg sind dorthin - unter einem Himmel, der offen ist.


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