Adventliche Ampel
Predigt 04.12.2011
Auf meinem Weg vom Sauerfeld hier zur Kirche St. Petrus und Paulus habe ich vor 7 Ampeln halten müssen. Rote
Ampellichter machen mich oft genug nervös. Wenn ich die Kölner Straße herunterfahre, steht jedes Mal aus
unerfindlichen Gründen die Ampel auf Rot. Meistens bin ich eh zu spät dran, mein Blutdruck steigt bei diesem Rot,
das nicht enden will. Mein Gesicht nimmt immer mehr die Farbe der Ampel an! Ach, wenn es doch ohne Ampeln ginge!
Kreisverkehr, meinetwegen - wie viel Zeit wäre gewonnen! STOPP - so einfach ist die Botschaft dieses ärgerlichen
Rotlichts. Stopp, halt an. Nicht weiterfahren. Dem anderen die Vorfahrt lassen.
Das rote Ampellicht erinnert mich an die Propheten der Bibel. Die sagten so etwas Ähnliches: Die sagten auch "Stopp!"
zum Volk. Anhalten, nicht so weiter leben. Vorfahrt für Gott!
Es war und ist nicht besonders angenehm, ein Prophet zu sein. Wer von den Hörern lässt sich schon gerne stoppen
auf seiner Lebensbahn! Auch der Blutdruck des Volkes Israel stieg, wenn die Stimme des Propheten erklang: "Kehrt um! Haltet
Euch an Gottes Wegweisungen! Ihr habt die Wahl zwischen Leben und Tod. Leben - das ist Leben mit Gott, Leben in
Gerechtigkeit. Tod - das ist Leben ohne Gott oder gegen Gott, jeder wird sich selbst zum Gott, zum Abgott, einer wird gegen
den anderen stehen, und von Gerechtigkeit keine Spur mehr! Wählt also das Leben!"
Das etwa variieren die Propheten, sagen es in immer neuen Anläufen. Sie unterbrechen die eingespielten Abläufe.
Es soll anders werden!
Johannes der Täufer, der letzte der bekannten biblischen Propheten, greift die Worte seines frühen
Vorgängers Jesaja auf; er ist die Stimme eines Rufers in der Wüste: "Bereitet dem Herrn den Weg - das habt ihr
bisher nicht getan! Fangt an damit. Kehrt um!" Wie das Rotlicht der Ampel setzt auch er ein Stopp-Signal. Heute wollen
ähnliche Stopp-Signale unseren Advent unterbrechen: Was rennt ihr denn wie verrückt durch diese Zeit, was
für eine Hektik bricht denn bei euch aus, was lasst ihr euch unter Druck setzen? Oder ein anderes Stopp- Signal: Was
wird aus den Gottesfesten, etwa aus Weihnachten gemacht? Wer hört noch Gottes Stimme heraus, wer hört noch Gottes
Menschenfreundlichkeit heraus aus all dem Rauschgoldgeflatter und Stille-Nacht-Gedudel! Stopp - damit das zugedröhnte,
zugestopfte Innere leer werden, aufatmen, zur Besinnung kommen kann!
Ampeln haben gegenüber Propheten einen Vorteil. Die Leute halten sich daran, fast alle. Bei Rotlicht bleibt so
ziemlich jeder stehen - zumindest in Deutschland. In anderen Ländern mag die Ampel nur als Vorschlag genommen werden.
Die Ampel "überfahren" - das traut sich bei uns aber keiner! - Propheten haben es da schwerer. Mit ihren
Stopp-Signalen können sie die Leute beschwören, sie können bitten, warnen, mahnen oder einladen. Nur zwingen
können sie nicht. Denn Gott schätzt unsere Freiheit. Wenn wir alte schlechte Wege verlassen und neu aufbrechen in
Richtung Gott, dann in aller Freiheit! Die Erfahrung sagt uns: Wer christlicher, bewusster, vertiefter leben will, der hat
zuvor sicher einige Stopp- Signale in seinem Leben verspürt. Stopp, nicht weiter so! Der hat schon einige Zeit vor den
Rotlichtern des Lebens verbracht: und das war - weiß Gott - keine vertane Zeit.
Nun, unsere Ampeln haben auch grünes Licht. Du kannst weiter fahren, freie Fahrt voraus. - Grün, so sagt man, ist
die Farbe der Hoffnung. Die Propheten haben den Pinsel nicht nur in den roten Farbtopf, sondern mehr noch und tiefer noch
in den grünen der Hoffnung getaucht. Das klingt dann z.B. so; bei Jesaja in der Lesung: "Tröstet, tröstet
mein Volk, spricht euer Gott. Verkündet der Stadt Jerusalem, dass ihr Frondienst zu Ende geht (und ihre Bewohner aus
der Verbannung zurückkehren werdet). Jerusalem, du Botin der Freude! Fürchte dich nicht! Erheb deine Stimme,
sprich: GOTT KOMMT! Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand!" Bald hinter jedem
Satz ein Ausrufezeichen! Der rote Faden: Gott ist da, er kommt. Schaut nur hin! Und da macht Johannes der Täufer
weiter: "Bald kommt einer, der ist größer als ich. Mitten unter euch ist er schon, noch unerkannt. Ich taufe
nur mit Wasser, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen." Johannes ist wie ein großer Zeigefinger - er weist hin
auf den Messias, den er in Jesus Christus erkannt hat. Er ist die Hoffnung in Person.
Ein Zusatz noch: der kurze Moment des gelben Lichtes. Wenn GELB kommt, legt man als Autofahrer wieder den Gang ein und
bereitet sich zur Abfahrt vor. Es kann wieder losgehen! Gelb scheint mir besonders adventlich: Passt auf, es geht sofort
weiter! Oder mit den Worten der Bibel gesprochen: "Seid wachsam!" So wachsam und aufs Grün gespannt wie der Autofahrer
vor der Ampel. Denn gleich geht's los! In jedem Augenblick kann es losgehen - dass Gott zu mir kommt, zu uns kommt, dass er
unser Herz berührt, und dass sich alles verändert!
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