Medardus
Eine Gemeinde der
Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

JohannesJohannes

Ruhrwort - Wort zum Sonntag 10.12.2011

Johannes, mein ungemütlicher Namenspatron. Richtig vertraut ist er mir nie geworden. Er steht mir fremd gegenüber, er "befremdet mich". Ein Hitzkopf für Gott, ein Oberaszet, an dessen Glut sich heutige religiös temperierte Seelen leicht die Finger verbrennen. Ich suche Brücken zu dem Mann in der Wüste, mit seinem Kamelhaarkostüm, der Heuschreckenkost und den drastischen Worten. "Wer bist du?", die Frage der Leute von damals stelle ich mir auch, immer noch. Jetzt, bei erneutem Lesen des Textes, tut Johannes mir fast leid. Seine Antwort auf die gestellten Fragen (Bist du der Messias ... oder Elija ... oder der Prophet?) ist immer: Nein. Bin ich nicht. Man könnte die Titel und Namen und Zuschreibungen noch hundertfach variieren - immer würde er verneinend reagieren: Ich bin das nicht! Johannes passt in keine Schublade. Er entspricht nicht den Erwartungen. Das ist sehr anstrengend. Schon damals ist er der Fremde. Er selber erwartet anderes - einen Anderen. Dieser Andere - Jesus - erst wird bekennen: Ich bin es! Darin ist er wie ein Echo des Vaters im brennenden Dornbusch: Ich bin da - für euch. Im Munde Jesu: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin das Licht der Welt. Johannes nimmt sich selber ganz zurück. Er ist nicht das Licht, er sieht sich im Schatten, aber er weist hin auf das Licht, scheint dabei aber nicht ohne Anfechtung und Zweifel zu bleiben. Aus dem Gefängnis heraus lässt er Jesus später fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? Was hat sich wohl abgespielt hinter diesen Andeutungen? Fürchtet der Täufer, er könnte mit seinem großen Zeigefinger (siehe das Bild von Grünewald) auf den Falschen gezeigt haben? Johannes wirkt in seinem Leben und Leiden und sinnlosen Sterben wie eine tragische Gestalt.

Wer bist du? Eine Lesart hat sich durchgesetzt: Johannes ist der Vorläufer, in aller "Vorläufigkeit". Der Vorbereiter. Der erste Zeuge. Eine Stimme in der Wüste. Wie muss eine Stimme sein, dass sie uns erreicht? Ich mag nicht die lauten Stimmen der Marktschreier und der Propaganda und ebenso wenig die Stimmen, die nur Sprechblasen absondern oder Langeweile. Die Stimme in der Wüste rührt etwas an, was schon in uns ist, aber noch gereinigt und geklärt werden muss. Sie trifft ins Herz. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt, sagt sie. Der Messias ist schon da - jetzt! Gott ist schon da, jetzt, "mitten unter euch". Aber verborgen! Bald werden eure Augen offen sein für ihn. Johannes weckt auf, macht neugierig, lenkt die Blicke. Er schafft Aufmerksamkeit für ihn. "Der größte Feind des Glaubens ist nicht der Unglaube, sondern die Unaufmerksamkeit", schrieb der Münsteraner Philosoph Josef Pieper. Wie viele Johannesse sind da heute nötig, um in allen Ablenkungen, Zerstreuungen und Verdrängungen die Aufmerksamkeit auf den zu lenken, der still und leise und unerkannt in der Mitte und an den Rändern schon da ist!

Dies geschah in Betanien, heißt es am Schluss. Gott wird an ganz konkreten Orten spürbar. Ob Betanien, New York, Essen oder mein heimisches Lüdenscheid: die Menschen brauchen Orte des Glaubens, in denen die Aufmerksamkeit für "den Einen mitten unter uns" geweckt und geschärft wird. Und sie brauchen den Wecker, die Stimme in den heutigen Wüsten, den großen Zeigefinger.

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