Weihnachten 2011
Weihnachtspredigt 2011
War das mal wieder hektisch,
wird so mancher in den letzten Tagen geseufzt haben.
Zu Weihnachten spüren wir ja, wie viele Menschen uns wichtig sind:
wir kümmern uns um Geschenke, die möglichst gut zu ihnen passen,
wir schreiben und telefonieren mehr als sonst,
wir denken an vieles und viele, hoffentlich haben wir keinen vergessen!
Nun liegt die Zeit solcher Sorgen und Besorgungen hinter uns.
Für mich zumindest ist der 23. und 24. Dezember,
bevor es so richtig Heiliger Abend wird, ein ruhiger Tag.
Ich bereite mich auf die Gottesdienste vor, sitze an der Predigt,
und während ich nachdenke, was ich Ihnen jetzt sagen kann,
komme ich selber auf den Weg nach innen,
komme langsam zur Ruhe,
komme langsam zu mir selber,
und - wichtiger noch - bewege mich in Richtung auf Gott.
Ich komme nicht zu ihm selber (wer könnte das von sich behaupten),
aber vielleicht sehe ich - aus der Ferne - sozusagen seine Vorhöfe.
Vielleicht sehe ich Signale, kleine Lichtpunkte, die mir sagen:
Hier….Hier bist du richtig! Hier bist du gut aufgehoben!
Ein solcher Vorhof Gottes ist jetzt unsere Kirche. So viele Leute!
Menschen - wie auch immer sie ansonsten zur Kirche stehen -
suchen offensichtlich etwas!
Mancher mag denken:
"Also, ohne Kirche ist kein richtiges Weihnachten!
Da würde mir was fehlen!"
Menschen suchen etwas. Was ist hier zu finden?
Man findet hier wohl nur etwas, wenn man auch etwas mitbringt.
Ich meine jetzt nicht das - hoffentlich - großzügige Kollektengeld für Adveniat.
Ich meine, wir bringen uns selber mit und könnten in uns hineinhorchen,
was uns jetzt besonders bewegt.
Da ist ganz sicher nicht alles die reine weihnachtliche Idylle und Harmonie -
und muss es auch nicht sein!
Wir kommen hierhin mit unseren Stärken und mit unseren Grenzen,
mit unserer Art und unserer Unart, mit unserer Unruhe und mit unseren Zweifeln.
Niemand hier ist ein "unbeschriebenes Blatt", wir sind beschrieben.
Nicht immer in Schönschrift ist unser Lebensblatt beschrieben,
manchmal wird die Schrift krakelig, geht sie richtig durcheinander!
Das Krakelige dürfen wir mitbringen,
wir müssen es nicht an der Kirchentür abgeben.
Wir bringen uns selber, unsere Lage mit, hin zu einem Gott,
der menschlich ist, der uns wirklich von vorn bis hinten versteht -
weil er selber Mensch geworden ist - in dem kleinen Kind in der Krippe.
Ich wünsche Ihnen allen und mir selber:
dass wir die Sehnsucht mitbringen nach einem solchen Gott.
Wir sind nicht allein mit uns.
Der Alltag ist nicht alles. Unsere Probleme sind nicht alles.
Auch unsere Grenzen nicht.
Hier - im Vorhof, ja im Hause Gottes - dürfen wir aufatmen,
dürfen uns auf unsere Hoffnungen besinnen,
können aus dem Dunkeln und den Schatten des Lebens heraustreten
und uns ins Licht stellen.
LICHT!
Welche Rolle hat es in den letzten Wochen gespielt!
So viele Lichter in den Fenstern und an den Häusern!
Es kam mir vor wie ein Echo auf das strahlende Licht der Heiligen Nacht.
Die Weihnachtsgeschichte erzählt von diesem Licht
und vom Glanz der Engel, vom Glanz des Himmels
mitten in der dunklen kalten Nacht.
Aber die eigentliche Lichtquelle ist das Kind.
Manche Maler früherer Zeiten haben das so gemalt:
Man sieht die vertraute Szene, den Stall, die Krippe, die Hirten,
und wenn man sich fragt: Wo kommt das Licht her,
das in die Gesichter scheint, dann sieht man:
Es kommt vom Kind her. Das Kind strahlt. Es ist die Lichtquelle!
Das Kind strahlt bis heute. Wir wären sonst nicht hier!
Jedes Kind strahlt. In jedem Kinderstrahlen ist Gott mit drin.
Das Kind in der Krippe strahlt Gott aus, sagen die, die wirklich sehen können.
Der Augenschein gibt das zunächst mal nicht her:
Ein Baby, hilflos wie alle Kinder, wehrlos, arm, bald verfolgt
- ein Leben zwischen Krippe und Kreuz,
das Dunkle und Schmerzliche ist so stark da im Leben Jesu -
und trotzdem haben ihn die Menschen als das Licht erfahren.
Seine Worte sind voller Licht und Leben, genauso seine Taten!

Eine der Weihnachtskarten von gott.net fiel mir jetzt wieder in die Hand;
sie zeigt das Kind in der Krippe, fröhlich, strahlend,
und darüber zwei kleine Engel, die auf das Kind hinuntergucken,
und der eine Engel ruft: "Ganz der Papa!"
Ja, stimmt, ganz der Papa. Ganz der Vater.
So kurz kann man es sagen, das Geheimnis von Weihnachten.
Dieses arme Menschenkind ist "ganz der Vater", der himmlische Vater.
"Freut euch", singen die Engel, denn
Gott wollte nicht allein sein, ohne uns.
Und wir sollten nicht allein sein, ohne Gott.
Gott also, wie ein Freund, wie ein Liebhaber,
wie ein Mensch, wie ein Geschenk.
Unglaublich, nicht wahr?
Die Religionen und die Leute
reden sonst in der Regel anders von Gott:
Unterwerfung, Macht, Angst, Strafe,
das sind die üblichen Vokabeln.
Ein ganz neues und ganz anderes Gottesbild
entsteht hier an der Krippe: Reine Liebe, Liebe pur,
die zu uns kommt und in diesem Kind
(vielleicht in jedem neugeborenen Kind) zu ahnen ist.
Betrachten wir das Kind in der Krippe, das ganz der Vater ist.
Das Lied GL 141 hilft uns dabei:
1. Ich steh an deiner Krippe hier,
O Jesu du mein Leben;
Ich komme, bring und schenke dir,
Was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
Und lass dir's wohlgefallen.
2. Da ich noch nicht geboren war,
Da bist du mir geboren
Und hast mich dir zu eigen gar,
Eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
Da hast du schon bei dir bedacht,
Wie du mein wolltest werden.
3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
Du warest meine Sonne,
Die Sonne die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
Des Glaubens in mir zugericht't,
Wie schön sind deine Strahlen.
4. Ich sehe dich mit Freuden an
Und kann mich nicht satt sehen;
Und weil ich nun nichts weiter kann,
Bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär
Und meine Seel ein weites Meer,
Dass ich dich möchte fassen !
"Und weil ich nun nicht weiter kann,
bleib ich anbetend stehen":
Wie die Hirten und die drei Könige damals: anbetend!
Versuchen wir es von neuem, vor diesem Kind,
vor diesem Gott "in die Knie zu gehen",
ihm unser Leben zu bringen,
geduldig zu sein und es geschehen zu lassen.
Vielleicht geschieht es,
vielleicht wird es uns ohne viele Worte gegeben:
dass der Friede in uns wächst
und die Ruhe
und die innere Kraft.
Vielleicht geschieht es,
dass Christus in uns neu geboren wird,
dass er in uns "zündet",
nicht nur damals und einmal in Bethlehem.
Geburt Christi in uns selber -
das wäre das wunderbarste Weihnachtsgeschenk!
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