Sylvester - Neujahr 2011 / 12Predigt zum Jahreswechsel |
|
|
Liebe Schwestern und Brüder! Gefällt Ihnen diese Anrede: Schwestern, Brüder? Können Sie sie gut vertragen? Oder finden Sie sie ein bisschen übertrieben: Kirchensprache halt, frommes Reden, aber ziemlich abseits vom wirklichen Leben? Für mich selber bedeutet dieses Wort viel: Schwestern und Brüder! Es drückt für mich eine Wirklichkeit aus. Ja, wir sind das! Gott hat uns so gemeint! Und gleichzeitig ist es für mich ein Wunsch: wir können dies immer mehr werden. Schwestern. Brüder. Wie komme ich darauf? Sie spüren es wohl alle, dass wir in einer offenen Gesellschaft leben. Das Schöne in Lüdenscheid ist, dass man noch viele Menschen mit Namen kennt. Es gibt noch Geschäfte, wo man mit Namen begrüßt wird. Aber das ist nicht mehr typisch. Vieles, sehr vieles ist anonym geworden, namenlos. Menschen wehren sich dagegen, schaffen Netzwerke, tauschen sich im Internet aus, reihen sich ins Facebook ein, bilden communities, Gemeinschaften. Aber die Frage bleibt: Sind wir heute noch so gestrickt, dass wir Gemeinsames, Verbindendes aufsuchen, dass wir wirklich "Gemeinschaftsmenschen" sind? Oder sind wir nur noch ein Haufen von Individualisten, die Gemeinsames nur benutzen, wenn es ihrem Ego dient? Auch jetzt hier in der Kirche sind wir Menschen sehr unterschiedlich, aber eines ist uns doch gemeinsam: wir nehmen den christlichen Glauben für wichtig genug, um uns immer wieder vor Gott zusammenzufinden. Das ist schon viel! Menschen aller Altersstufen, aller möglichen Schichten und Berufe gemeinsam um einen Tisch! Wir können sonst eher die vielen kleinen Tische, an denen sich die Freunde und Bekannten treffen, die "Stammtische": die Jugendlichen unter sich, die Vereine unter sich, die Arbeitskollegen unter sich. Aber hier: Menschen so querbeet in einer Bank? Wo gibt es das? Eines - eigentlich nur eines - ist uns gemeinsam. Das ist der Blick auf Gott, auf den Vater, der uns zu Brüdern und Schwestern macht. Brüder und Schwestern: das ist nicht dasselbe wie Freunde. Freunde kann man sich aussuchen. Brüder und Schwestern nicht. Die sind einem vorgegeben, man muss sich oft genug zusammenraufen! Selbst der Blick auf den gemeinsamen Vater Gott fällt unter Gläubigen unterschiedlich aus. Die einen blicken ängstlich und gehemmt auf diesen Gott, andere glücklich und manche glühend und tief berührt, ehrfürchtig, in "Gottesfurcht", - wieder andere satt und zufrieden und ohne Erwartungen, manche wie im Besitzerstolz und viele fragend, sich langsam vortastend, suchend und unsicher. So unterschiedlich wie wir Menschen sind unsere Zugänge zu Gott. Und dennoch: eine gemeinsame Blickrichtung! Gott im Blick! Christlich glauben: das geht eigentlich nur in Gemeinschaft. Gemeinsam malen wir ein Bild, lassen wir ein Bild entstehen, das Bild vom "Christus heute": Und jeder kann seine Farbe, seine Färbung miteinbringen. Jeder hat genug in der Tube! Da steckt z.B. das Spüren drin, dass wir nicht nur ein Dach für den Körper brauchen, sondern auch ein "Dach über der Seele" - ein Obdach für die Seele, für unser Menschsein. Und darum ist Weihnachten so wichtig für uns. Da erfahren wir dieses Obdach, diese innere Heimat. Ich lese irgendwo: "Das Geheimnis der Heiligen Nacht ist uns geschenkt, damit wir inmitten einer unheimlichen Welt im Geheimnis Gottes daheim sein können." Dreimal "heim" - unheimlich, Geheimnis, daheim - das ist nicht ein nettes Wortspiel. Ja, die Welt ist "unheimlich", ein kalter Ort von Macht und Konkurrenz und randvoll mit Konflikten und Problemen. Ja, es muss in ihr "Daheim-Inseln" geben: die Familien, "Liebesverhältnisse", warme Orte. Ja, ich möchte auch daheim sein können im "Geheimnis Gottes". Das ist für mich die Kirche. Ich habe sie so erfahren in meinen über 60 Jahren. Und es ist aller Mühe wert, ihre Erneuerung voranzutreiben, wenn sie Menschen von heute dieses Obdach, dieses "Dach über der Seele" nicht mehr bietet und vorenthält und diese Menschen woanders suchen - wie es so häufig geschieht. Eine Gemeinde als Obdach für die Seele? Was ist Gemeinde? Ein Computerausdruck mit mehr als 6000 Namen? Die können Sie stundenlang lesen und kommen an kein Ende. Viele dieser 6000 zeigen kaum, dass sie dazu gehören. Erlebt man sie bei Tauf- oder Brautgesprächen oder Kondolenzbesuchen, gibt es oft gute Gespräche. Sie wollen schon dazugehören: aber auf ihre Weise, in aller Freiheit, nicht allzu verbindlich. Was ist Gemeinde? Die Kirchenbesucher? Ihre Zahl geht zurück. Ich weiß noch, wie es über tausend bei uns waren. Jetzt sind es über 600. Immer noch ein großes Potential, um Glaube, Hoffnung und Liebe in unsere Stadt zu bringen! Wenn wir uns nur trauen. Wenn wir zu unserem Glauben stehen, wenn wir es sozusagen als eine "Ehre" betrachten, Christen zu sein. Als eine Berufung, als eine Gabe, und als eine Aufgabe! Ich hoffe und bete, dass aus unseren Gottesdiensten noch mehr gemeinsames Leben, gemeinsame Kraft und Energie erwächst, noch mehr Interesse aneinander, noch mehr "power" zueinander hin! Was ist Gemeinde? Mit einem Bild aus der Weihnachtszeit zu sprechen: wie ein großer Karton mit vielen Geschenkpäckchen darin. Die Leute wollen natürlich wissen: was ist in den Päckchen drin? Ja, was ist drin und dran mit ihnen, den unterschiedlichen Gruppen und Gemeinschaften? Jedenfalls: in ihnen ist Gemeinde am deutlichsten erfahrbar, das Obdach der Seele. Rund 200 Menschen setzen sich da ein, jeder auf seine Art. Da singt man im Chor oder in der Schola, da wird diskutiert, geplant und entschieden, da lässt sich eine Gruppenmutter etwas für die Kommunionkinder einfallen, da ziehen bald Sternsinger durch die Straßen, da wird für einen Basar gebastelt, da wird Anbetung gehalten. Eine bunte Vielfalt, zusammengehalten von dem Karton mit dem Namen "Gemeinde" oder "Pfarrei". Allen, die diese Vielfalt bilden und fördern, die sich als "Schwestern und Brüder" erwiesen haben, gilt mein herzlicher Dank an diesem Jahreswechsel! Gehen wir mit Gott ins neue Jahr 2012 hinein, mit dem festen Vertrauen, dass er wirkt, auch in uns, auch durch uns. Er wirkt im Hintergrund und im Untergrund, er ist die Basis. Schauen wir auf Ihn und nicht bloß auf unsere eigenen Ideen und Vorhaben. Er möge segnen und fruchtbar und lebendig werden lassen, was wir in seinem Namen tun. Er schenke christliches Selbstbewusstsein, Mut, Wachheit und Kraft fürs neue Jahr! Amen. Text downloaden
Gemeindeleben 2011 (von oben nach unten): Sternsingeraktion Neujahrsempfang der Gemeinde Ausschussarbeit des Gemeinderats Verabschiedung Maria Ehses als Rendantin Gemeindemittagessen Fronleichnamsprozession Gemeindewallfahrt nach Höxter Helferinnen beim Pfarrfest (2x) Einführung der neuen Messddiener(innen) Weihnachtsmarkt |
|










