Taufe Jesu - unsere Taufe
Predigt 08.01.2012
Jedes Jahr werden in unserer Kirche etwa 40 Menschen getauft, fast immer Babys, kleine Kinder. Manchmal in der
Sonntagsmesse, meist nur mit der Familie, im kleinen Kreis. Es lohnt sich, vorher mit den Eltern nachzudenken, was wir da
eigentlich tun.
Bei einem Taufgespräch war die Oma dabei, der Täufling war schon zwei, und die Oma seufzte
glücklich: "Jetzt wird aus dem Thomas ja endlich ein Gotteskind!" Und dann setzte sie noch nach: "Bis jetzt war es ja
ein Heidenkind!" Und dann schaut man sich den kleinen Strahlemann an und denkt: War das nicht schon von Geburt an ein
Gotteskind? Es wäre doch gar nicht auf der Welt, wenn Gott es nicht gewollt hätte! Liebte Gott den ungetauften
Thomas etwa nicht?
Gar nicht so einfach, die Taufe richtig zu verstehen! Gerade im Tagesgebet hieß es: "Wir, die wir durch die Taufe
wiedergeboren sind …" Wiedergeboren? Da ist so ein kleines Kind gerade mal ein paar Monate auf der Welt. Kaum geboren, und
schon "wiedergeboren"? Lieber Gott, was mag das heißen?
Oder: Es heißt, dass in der Taufe "die Erbsünde, die Erbschuld abgewaschen wird". Wie soll denn dieses kleine
Kind sich schon versündigt haben? Was für eine Schuld ist erblich?
So gibt es jede Menge Fragen rund um die Taufe. Manches ist leichter zu verstehen, wenn wir uns klarmachen: Die ersten
Christen - die ersten, die von der Taufe sprachen - kamen ja als Erwachsene zum Glauben, als "Bekehrte" - und da leuchtet
z.B. das Wort von der Wiedergeburt, von der zweiten Geburt ganz anders ein! Paulus, der zu den Bekehrten gehört,
begreift: Mein bisheriges Leben lief in die falsche Richtung! Gottes Liebe ist da, sie ist in Jesus erschienen, wie ein
Geschenk, sie wartet auf uns - wir müssen sie uns nicht länger mühsam erarbeiten! Das war die große
Wende in seinem Leben, und am Wendepunkt lässt er sich taufen.
Später schreibt er im Philipperbrief: "Ich lasse alles, was hinter mir ist, zurück. Ich betrachte es als "Unrat",
als "Mist", was ich bisher gedacht habe. Ich strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt. Ich fange ein neues Leben an."
Er nennt das denn auch: "Mit Christus auferstehen zu einem neuen Leben." Das wäre also nach Paulus, dem ersten Denker
über die Taufe, die "Messlatte": Verbundenheit mit Jesus Christus, mit seinem Leben, seinem Tod, seiner Auferstehung:
diese Zugehörigkeit ist das neue Leben, das ewige Leben, das auch der Tod nicht zerstören kann. Die Liebe ist
stärker als der Tod.
Zurück zu den Kindern: Die Kirche hat auch sie schon früh getauft, oft zusammen mit der ganzen Familie. Man
sagte: So wachsen sie von Anfang an in den Glauben hinein. Oder: So zeigt sich am schönsten, dass der Glaube ein
Geschenk, eine Gnade ist und nicht nur etwas für Leute, die sich auskennen. Aber auch vom Baby hat man nun gesagt,
alle Schuld sei nun von ihm genommen. Welche Schuld? Das Baby hat ja noch nichts Böses getan?
Nein, die Erbschuld, die sich sozusagen "von Adam und Eva an" durch die Generationen zieht und das Leben der Menschen
prägt und überschattet: davon ist heute kaum noch die Rede. Mir leuchtet die Erbsünde sehr ein. Ich
würde allerdings lieber von "Verstrickung" sprechen. Wir sind in einen großen Zusammenhang der Schuld und
Ungerechtigkeit "verstrickt", ob wir wollen oder nicht.
Mein Lieblingsbeispiel dafür: Wir gehen in den Supermarkt und kaufen ein Pfund Kaffee für 2,99 Euro. Je
preiswerter, desto lieber! Wir denken kaum darüber nach, dass ein Kaffeepflücker etwa in Guatemala unter diesem
Preisdruck nur einen Monatslohn von vielleicht 50 Euro bekommt, mit dem er seine Familie nicht ernähren kann. Das
Ganze ist sehr ungerecht! Es ist wirklich eine tief verwurzelte Erbsünde, in die wir verstrickt sind: wir profitieren
vom Elend der anderen! Wir wollen das wahrscheinlich gar nicht. Aber "wir hängen mit drin"!
Diese Ungerechtigkeit ist fern von Gott. Gott will sie nicht. Er hält dagegen. Wer nun Christ wird und sich taufen
lässt, ist berufen, ebenfalls "dagegen zu halten". Die Liebe Gottes und der Menschen, verkörpert in Jesus, wird
ihn prägen. Mit den Worten der Bibel: die Kraft des Heiligen Geistes. Der Christ ist berufen zu einem Leben, das nicht
mehr von Gott abgetrennt ist, - zu einem Leben, das die Bosheit in der Welt überwindet.
Vielleicht ist das Evangelium von der Taufe Jesu der beste Einstieg in das, was Taufe meint. "Der Himmel öffnete sich,
der Geist kam, und eine Stimme sprach: Du bist mein geliebter Sohn!" Hören wir das als eine große Zusage auch
für die Kinder heute! Deren Leben mag bis ins Jahr 2100 gehen, sie sind noch ganz am Anfang, und niemand weiß,
was kommt und passieren wird. Aber über dieser ganz unbekannten Zukunft steht seit der Taufe schon das Wort: Du bist
mein geliebter Mensch! Gott sagt zu Mose, zu Jesus, zu dir, zu mir: Ich bin da - für dich. Gott verspricht nicht: Ich
bin der Gott, der dich vor allen Gefahren bewahrt. In deinem Leben passiert dir nichts. Du bist ein Sonnenkind, ein
Glückskind! Nein, das sagt er nicht. Er ist kein Gott, der ein schönes Leben garantiert. Aber er sagt zu: "Nichts
in eurem Leben, wirklich nichts, auch nicht der Tod, kann euch trennen von der Liebe, die ich zu euch habe!"
Ein Vater erzählte mir einmal bewegt, er habe von der Taufe seines Kindes einen einzigen Satz behalten, und den
für immer. Er sei ja gefragt worden: Sind Sie bereit, zu diesem Kind zu stehen, wohin auch immer sein Weg führt?
Und da habe es ihn durchfahren, dass er dann ja eine Art "Stellvertreter Gottes" für sein Kind sei. Auch er, der
Vater, spreche dann wie Gott: Ich werde da sein für dich und mit dir gehen "durch dick und dünn", durch alle
Gefährdungen und Widersprüche deines Lebens hindurch. Da erst habe er zutiefst gespürt, was ein Vater ist.
Und er habe auch geahnt, was Kirche ist und sein kann: eine Gemeinschaft, die Gottes Treue verkündet und lebt. Nicht
als leere Versprechung, sondern in Tat und Wahrheit.
Das alles zu spüren und zu ahnen, könnte heißen, "mit dem geöffneten Himmel zu leben".
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