Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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BartimäusBartimäus

Predigt 29.10.2006


"Was soll ich dir tun, Bartimäus?"
Ja, so möchten wir auch einmal gefragt werden. Einmal einen Wunsch frei haben! "Was soll ich dir tun?", so fragt Jesus auch jeden von uns. Der Blinde antwortet, - und wie könnte es anders sein: "Herr, ich möchte wieder sehen können!" Er wusste, dass es unendlich schön und wichtig ist, sehen zu können.
Was könnten wir dem Herrn auf seine Frage hin antworten?

Vielleicht könnten wir so beginnen:
"Herr, lass mich erkennen, was mir fehlt!"
Ist das wirklich eine Gebetsbitte? Wissen wir nicht, was uns fehlt? Müssen wir darum eigens beten? Ich meine: ja. Wir ärgern und wundern uns manchmal über die Kinder, wenn sie so wählerisch sind. "Man weiß gar nicht mehr, was man ihnen schenken soll" - so hat schon manche Großmutter vor dem Geburtstag der Enkel geseufzt. "Sie haben ja alles!" Haben sie wirklich alles?
Herr, lass mich erkennen, was mir wirklich fehlt!" Natürlich fehlt uns manches: Arbeitsplätze mit Zukunft, Zeit, Gesundheit. Ja, das sind alles Bitten, wirklich wert, auch vor Gott ausgesprochen zu werden. Aber ist das wirklich alles, was uns fehlt?
Jesus hat uns gelehrt, um das tägliche Brot zu bitten. Aber er möchte uns mehr geben als das tägliche Brot. Er möchte uns mit dem Brot sein Leben schenken, Gottes Leben. Ist in uns diese Sehnsucht lebendig: nach Gott selbst und nach seinem Wort und nach seiner Nähe? Nach Vergebung der Schuld? Es gibt auch im Leben der Christen so manche Blindheit, der man sich nicht bewußt ist. Und darum: "Herr, lass mich erkennen, was mir wirklich fehlt!"
Weiß unsere Gesellschaft, was ihr fehlt? Gewalt breitet sich aus, Gefühlslosigkeit; Plattheiten und banale Schlagworte regieren. Spüren wir nicht täglich, was unserem Land fehlt? Nicht nur ein Konjunkturaufschwung, sondern ein Aufschwung der Herzen - nicht nur vollere Haushaltskassen, sondern mehr Solidarität und Bescheidenheit! Manchmal stehen Christen mit ihren Wertvorstellungen ziemlich allein da. Nachdenklichkeit, eigenes Urteil, die von der Tagesmeinung unabhänguige Grundhaltung, die sich am Evangelium orientiert - das zeichnet auch heute den Christen aus. Das ist meine Vorstellung, meine Vision von Kirche: Hier leuchtet Gottes Erbarmen mit uns Menschen auf. Hier kann jeder sein und wird nicht schief angesehen oder abgeschrieben. Hier ist jeder willkommen und zuhause - ob uns das fehlt?

Eine zweite Antwort sollten wir dem Herrn auf seine Frage geben:
"Herr, gib mir den Mut zum nächsten Schritt!"
Ich sehe heute die Gefahr, dass ein müder und enttäuschter Pessimismus um sich greift. Altes geht nicht mehr: wir kriegen alles in den Griff - eher das Gegenteil. Heute breitet sich Ernüchterung aus. Das ist gut so! Aber gleichzeitig wächst die Angst, werden Horrorszenarien von der Zukunft an die Wand gemalt. Hier gilt es, christliche Nüchternheit zu zeigen. In gefährlichen Situationen sind Menschen gefragt, die den Kopf oben behalten und sich nicht von Angst lähmen lassen. Sie neigen eher dazu, die Krise als Herausforderung anzunehmen, Kräfte zu aktivieren, den Nöten auf den Grund zu gehen und Abhilfe zu suchen.
Christen hoffen. So dunkel auch die Zukunft sein mag - wir leben sie mit Gott. Das macht Mut zum nächsten Schritt, der mir möglich ist. Den nächsten Schritt wagen!

Und schließlich eine weitere mögliche Antwort an den Herrn:
"Herr, lass mich spüren, dass du mich hälst!"
Wir können nur darum bitten. Es gibt Stunden, da spüren wir nichts, erfahren nichts, sind ganz leer und ausgebrannt. Aber auch solche Erfahrungen der inneren Trockenheit soll uns die Worte nicht nehmen: "Herr, lass uns deine Nähe erfahren." Im Bild gesprochen: Manche Schwimlehrer nehmen ihre Zöglinge gleich ins tiefe Wasser. Dort schlucken sie zwar mehr Wasser als im Planschbecken, aber sie lernen mit Sicherheit schneller schwimmen. Ob es Gott mit uns manchmal auch so macht? Er sieht uns kraulen und nach Luft schnappen. Aber er wird uns nicht allein lassen. Er geht mit uns in eine andere Zeit, mit neuen und unbekannten Herausforderungen. Der Christ ist dann einer, der "im Tiefen" schwimmen kann, der mitten in der Welt den "Aufblick" zu Gott behält, der auch dort steht und standhält, wo alles ins Schwimmen und Trudeln kommt. Er ist ein in Gott verankerter Christ. Gehören wir dazu?

Jesus fragt den blinden Bartimäus: "Was soll ich dir tun?" Er fragt auch uns, und wir können antworten: "Lass unsere Sehnsucht nach dir nicht absterben. Lass mich sehen, was mir wirklich fehlt. Gib mir den Mut zum nächsten Schritt. Uns lass mich wenigstens manchmal spüren, wie du mich hälst." Vielleicht geht es uns dann wie dem Bartimäus: Der Herr berührte ihn. Er konnte wieder sehen und folgte Jesus auf seinem Weg.

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