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EddieDer brennende Dornbusch

Predigt 11.03.2007


In der Lesung haben wir von einer eigenartigen Gottesbegegnung gehört - Gott gibt sich dem Mose in einem brennenden Dornbusch zu erkennen.

Was war vorher passiert? Mose war aus Ägypten geflohen. Er hatte Pech gehabt auf vielerlei Weise. Als jüdisches Baby im Nil ausgesetzt, war das Binsenkörbchen im Schilf zunächst die Rettung gewesen. Er hatte überlebt, und das Leben schien danach sehr angenehm zu werden. Das Findelkind war ja adoptiert worden vom Königshof des Pharao, er wuchs als eine Art Prinz auf. Heranwachsende fragen nach ihren Wurzeln, der junge Mose tat das auch und entdeckte seinen jüdischen Ursprung. Er lebte dann wie im Zwiespalt: nach außen hin ein Ägypter, ein adeliger dazu, im Inneren aber ein Jude, ein Angehöriger des Sklavenvolks. Mose ergriff Partei für die Juden, die unter der Aufsichtspeitsche der Ägypter schwer zu leiden hatten. Als er die Schinderei und Quälerei seines Volkes mit ansehen musste, schlug er im Zorn einen ägyptischen Aufseher tot, der es besonders schlimm mit den jüdischen Arbeitssklaven getrieben hatte. Da merkten die Juden, wie dieser Mose in der Rolle des ägyptischen Prinzen sie in Schutz nahm. Aber in einer anderen brenzligen Situation, als Mose aus Liebe zu seinem Volk die Juden zurechtweisen musste, um sie zu schützen, da schimpften sie auf ihn und sagten: Willst du jetzt über uns zu bestimmen haben ,dass du so mit uns redest? Wir werden es dem Pharao melden, dass du einen Ägypter, einen von seinen Aufsehern erschlagen hast! Mose war tief verletzt über diesen Undank und floh aus Ägypten, denn er hatte Angst vor der Rache des Pharao.

Man mag sich also in seine Situation hineindenken. Die ganze Geschichte ist völlig verfahren. Was soll jetzt mit ihm werden? Mose blickt nicht mehr durch. Er, der vielleicht sein unterdrücktes Volk hätte retten können, wird von den eigenen Leuten verraten. Jetzt lebt er bei einem heidnischen Hirten, bei Jitro, dessen Tochter er zur Frau nimmt. Seine ganze Laufbahn scheint verbaut, ein Holzweg, eine Sackgasse. Während er so in der Stille der Steppe mit den Schafen umherzieht, wird ihm das alles klar. Sein Leben ist verpfuscht und ausweglos. Er ist verzweifelt. Er weiß nicht weiter. Er ist einer von den vielen ausweglosen Fällen, die es schon immer gab und immer geben wird - auch heute.

Genau da passiert nun etwas; am Tiefpunkt gibt es manchmal so etwas wie eine Wende. Wenn man ganz unten ist, kann die Rettung kommen. Ein Dornbusch steht in Flammen. Ein eindrucksvolles Bild, das die Bibel da erzählt. Ein Dornbusch, ganz kahl, eigentlich zu nicht nütze, ohne Frucht, gefährlich obendrein, man kann sich an ihm stechen. Ein Bild, das zu der Stimmungslage des Mose bestens passt. Der Dornbusch, dieses Zeichen für das NIichts, steht in Flammen, - wird zum Zeichen für etwas ganz Neues. Aus dem Dornstrauch, der nicht verbrennt, spricht Gott: Mose, zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden!

Was könnte das bedeuten? Da, wo nichts mehr geht, wo es nur noch düster ist - da ist heiliger Boden! Gott spricht aus dem Dornbusch, er spricht aus der Verzweiflung, er begegnet uns gerade am Tiefpunkt, wo es in uns brennt.
Aus Guatemala - auch so einem Dornbusch-Land - höre ich, dass ein junges Ehepaar aus dem Umfeld unseres Projektes Samenkorn tödlich verunglückt ist. Die Frau und der Mann hinterlassen fünf kleine Kinder. Die Großmutter hat die Kinder zu sich genommen. Sie hat gesagt, dass sie Gott noch nie so nah gekommen sei wie in dieser schwierigen Situation. Sie frage nicht warum, wie wir das alle vermutlich tun würden. Gott ist ihr wirklich "in den Dornen" begegnet, spricht aus dem Dornbusch. Gott, der zu Mose gesagt hat: Ich kenne das Leid deines Volkes….

Der Dornbusch in der Wüste steht in Flammen, aber er verbrennt nicht. Mose wird von seiner Verzweiflung und Verbitterung nicht verschlungen. Vielmehr spürt er: Es gibt einen Weg, einen Ausweg - Gott gibt eine Vision: das Land, das von Milch und Honig überfließt. Ein lockendes Ziel wird gezeigt, es liegt uns voraus. Mose wird es kurz vor seinem Tod noch aus der Ferne sehen, aber nicht mehr betreten können. Und Gott gibt ihm einen Auftrag: führe mein Volk dorthin, befreie es aus der Knechtschaft.

In der Kraft dieser Vision und in der Kraft dieses Auftrags findet Mose wieder Boden unter den Füssen. Er geht zurück nach Ägypten, zurück in die Hand des Pharao. Er weiß nun, dass er nicht allein gehen muss. Gott hat seinen Namen genannt und darin sein Wesen ausgedrückt: JAHWE. ICH BIN DA. Der Name ist eine einzige Zusage: Ich bin da - für euch. Jederzeit, auch wenn ihr es nicht vermutet. Wenn ihr zwischen den Dornen hängt, bin ich der gute Hirt. Auch im Leiden bin ich bei euch. Durch nichts - wirklich: durch Nichts!- trenne ich mich von euch. Ich werde mit euch gehen, der Mitgeher gibt euch niemals auf.

Darauf verlässt sich Mose. Darauf vertraut er. Ihm wächst eine Stärke zu, die ihn durchs Rote Meer und durch die Wüste bis an den Rand des Gelobten Landes führt. Der Gott im Dornbusch, in den Stacheln und Dornen des Lebens lässt dann Milch und Honig fließen, gibt Brot und Wein. Der Gott des Kreuzes geht uns voran.

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