Medardus
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OsternDrei Könige

Predigt 06. 01.2008


Jetzt ziehen sie wieder durch die Straßen, die Sternsinger. Gehen in die Häuser, um zu singen und um Spenden zu bitten. „Da kommen die drei Könige,“ sagen die Leute, wenn sie anschellen.

In meiner Heimatgemeinde gab es einen Geistlichen, der seine Hörer manchmal gerne provozierte. So begann er einmal seine Dreikönigsgspredigt mit den Worten: „Wir feiern heute das Fest der heiligen drei Könige, die weder drei, noch heilig, noch Könige waren.“ - Ja, er hatte Recht.
Nirgendwo in der Bibel steht, dass es drei waren, die das Kind fanden. Das schließen wir vielmehr aus den drei Gaben.
Es waren auch keine Heiligen. Sie gehörten nicht zum Volk Gottes. Sie waren Heiden.
Auch steht in der Bibel nichts von Königen, sondern von Sterndeutern. Also Astrologen, Vertreter des Ostens und seiner Weisheit. Könige nennt man sie, weil sie so kostbare Geschenke mitbrachten, und weil alte Anspielungen gut dazu passten, so Jesaja in der Lesung: “Könige wandern zu deinem strahlenden Glanz.“

Sie kamen also – keiner weiß so genau, woher.
Und sie gingen wieder - keiner weiß so genau, wohin. Keiner weiß, was aus ihnen und ihrer Erfahrung geworden ist. Sie verschwinden im Unbekannten.

Wie könnte man die Sterndeuter deuten?
- Erstens: Sie kommen aus der Heidenwelt. Sie kommen von fern her. Daher wird seit dem Mittelalter einer immer als Schwarzer, als Afrikaner gemalt. Das heißt: Dieses Kind, dieser Jesus Christus geht die ganze Welt an. Er ist für alle gekommen, für alle gestorben, für alle auferstanden. Für alle – nicht nur für sein Volk.
- Zweitens: Nach den Hirten – den „ kleinen Leuten“ - kommen nun die Weisen und die Mächtigen und beugen das Knie - vor dem Kind. Das Kind in seiner Kleinheit und Ohnmacht ist stärker als die Weisheit und Macht der Welt.
- Drittens: Die Weisen sind „Aufbruchstypen“: Sie entdecken ein Zeichen – den Stern -, sie brechen auf und bleiben nicht hocken, sie fragen sich durch nach dem Weg. Und so finden sie, erkennen in einem neugeborenen Kind den Heiland der Welt.
- Viertens: Es gibt viele Wege zum Glauben – „ so viele, wie es Menschen gibt“, hat immerhin Papst Benedikt gesagt. Es gibt die, die immer dabei bleiben – sozusagen die Kirchlichen -, und es gibt die, die wieder aus dem Blickfeld verschwinden, wie unsere Sterndeuter. Gott selbst hat sie auf ihren ureigenen Weg zu Jesus geführt, und er lässt sie unter seiner Führung ihren eigenen Weg weitergehen, in die Ferne und Fremde hinein. Schon den ersten Christen zur Zeit des Matthäus war damit gesagt: Lasst auch solche gelten…

Das Mittelalter wollte alles handfest und greifbar haben und hat die Besucher von Bethlehem in den wunderbaren Dreikönigsschrein im Kölner Dom getan. Und als vor zweieinhalb Jahren Hunderttausende von Jugendlichen nach Köln kamen zum Weltjugendtag, da wurde die alte Geschichte mit den Sterndeutern wieder brandfrisch und ganz aktuell. „ Wir sind gekommen, ihn anzubeten,“ hatten damals die Weisen aus dem Morgenland gesagt. „Wir sind gekommen, ihn anzubeten,“ sagten nun Jugendliche aus aller Welt, sozusagen in der Spur dieser alten Vorbilder.

Keiner weiß, woher sie plötzlich alle gekommen sind. Vermutlich wussten viele von ihnen selbst nicht so genau, was sie dort suchten. Es war eine Sehnsucht, eine Hoffnung auf das große Gemeinschaftsgefühl, auf eine neue Erfahrung, auf ein religiöses Erlebnis. Wie auch immer…
Religiöses Vorwissen? Bei den meisten vermutlich nicht viel. Viele waren sicher durch die Heidenwelt von heute geprägt, die Heidenwelt nicht des Morgenlands, sondern des Abendlands.
Sie kamen nicht mit großartigen Geschenken, mit Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern mit Rucksack und Luftmatratze. Was sie mitbrachten, war eine große, schwer in Worte zu fassende Sehnsucht. Es ist ihnen etwas aufgeschienen – sozusagen ein heutiger „Stern“, und das hat sie auf den Weg gebracht. Es hat für ihre Verhältnisse viel Geld gekostet. Es hat auch Befremden bei manchen Gleichaltrigen ausgelöst. Aber ihre Sehnsucht war größer. Ihre Bereitschaft, weite Wege und manche Strapazen auf sich zu nehmen. Wie damals. Und auch die Freude war da, damals wie heute, eine ansteckende Freude und Begeisterung.
„Wir sind gekommen, ihn anzubeten,“ so hieß das Motto, mit dem sie kamen. Anschließend verschwanden sie wieder in alle Welt. Keiner kann nachprüfen, was aus ihnen geworden ist. Es ist ihnen etwas begegnet, das ihrer Sehnsucht entsprach und vermutlich neue Sehnsucht weckt. „ Wir haben seinen Stern gesehen.“ Gott hat ihn aufleuchten lassen wie damals in Bethlehem. Keiner weiß, was daraus wird. Das ist ein Geheimnis zwischen Gott und den einzelnen Menschen. Aber wer diesen Stern einmal gesehen hat, kann ihn wohl nicht ganz vergessen. Und daraus wird Gott werden lassen, was sein Wille ist…

Überall sind Menschen unterwegs, suchen Gott und sehen mal kleinere, mal größere Hoffnungssterne am Himmel. Das erfahre ich immer wieder, und es macht mich dankbar.
Man könnte meinen, bei uns braven Gemeindeleuten sei das anders. Man könnte meinen, wir hätten ja den Glauben gefunden und brauchten nicht mehr aufzubrechen und nicht mehr zu suchen. Der Stern hätte seine Schuldigkeit getan und könnte verblassen.
Wenn es s o ist, dann verblasst er auch.
Aber es ist ja nicht so. Wir haben unsere eigene Sehnsucht nach Gott, nach Leben in Fülle in uns. Wir sind „Kirche auf dem Weg“ Gott hat auch für uns noch seinen Stern. Unsere Hoffnungen sind ihm genau so wichtig wie die der „hergelaufenen Weisen“. Und damit machen wir anderen Mut, weiter zu suchen.
Kirche aus Juden und Heiden, aus wirklich Glaubenden, aus Suchenden und Zweiflern: Über allen leuchtet Gottes Stern, der uns zu ihm führen will.

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