Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

Stimme des HerrnWas haben wir alles falsch gemacht?

Predigt 22.04.2007


Haben wir alles falsch gemacht? Leider haben wir Menschen immer wieder Grund und Anlass, uns so zu fragen. Denn es läuft nicht so, wie wir es uns erhofft und erträumt haben.

Haben wir alles falsch gemacht? So fragen Eltern, wenn ihre Kinder so ganz anders leben, als erhofft - wenn sie sich nicht an einen Partner binden können, wenn sie scheitern, wenn sie auf Abwege kommen, wenn sie - egal, ob glücklich oder unglücklich - so gar nicht den Vorstellungen entsprechen, die man sich vom "guten Leben" macht.

Haben wir alles falsch gemacht? So fragen gläubige Eltern, die sehen, wie ihre Kinder nicht mehr in die Kirche gehen oder überhaupt mit dem Glauben nichts mehr anfangen können. So fragen jetzt - eine Woche nach dem Weißen Sonntag in vielen Gemeinden wohl wieder viele Seelsorger oder Gruppenmütter, wenn sie nur wenige der Kinder im Gottesdienst wiedersehen. Sie haben sich viel Mühe gegeben, die Kinder gut vorzubereiten, haben die Begeisterungsfähigkeit in der Gruppe erlebt und den Ernst, mit dem so manches Mädchen und so mancher Junge innerlich dabei war. Sie sind auch mit vielen Eltern ins Gespräch gekommen und haben gespürt: Da könnte sich was bewegen, da kommen Menschen neu ins Fragen und Nachdenken - über den Glauben, über das Leben… Und danach: Die Leute machen nicht weiter mit, bleiben zu Hause. Und obwohl man es eigentlich besser wissen müsste, ganz zu vermeiden ist sie nicht, die Frage: Was haben wir eigentlich falsch gemacht? Soviel Einsatz und Aufwand, und so wenig Ertrag!

Gewiss; man sollte sich mit der Frage auch nicht verrückt machen. Als Pastor in St. Joseph und Medardus habe ich miterlebt, wie innerhalb meiner achtzehn Jahre hier die Zahl der Gottesdienstmitfeiernden von rund 1200 auf rund 800 sank. Das tut schon weh. Aber ich glaube, dass Jesus Christus sich nicht und uns auch nicht von Erfolg zu Erfolg führen wollte, dass die Leistungs- und Erfolgskurven der Wirtschaft mit ständiger Steigerung der Zuwachsraten nicht die Wachstumsregeln des Reiches Gottes sind. Gott sei Dank! Jesus berief einige Menschen, und sie folgten ihm und waren da. Und Jesus begegnete anderen Menschen, half ihnen weiter durch seine Worte und durch seine Taten - und sie zogen weiter, nicht hinter Jesus her. Die Begegnung war für sie gut und heilsam, sie bedeutete ihnen viel - aber sie folgten Jesus nicht nach. Eine Dauerbindung bei den einen - eine heilsame gute Begegnung bei den anderen - warum sollte es heute anders sein? Gott spricht auf verschiedene Weisen zu den Menschen, und die Menschen geben verschiedene Antworten: Wir können allenfalls mit dafür sorgen, dass Menschen mit Jesus Christus heute in Berührung kommen - auch aus Anlass von Tauffeiern, Hochzeiten, Erstkommunionen oder Beerdigungen. Was aus diesen punktuellen Berührungen wird, steht in der Regel nicht in unserer Hand.

Haben wir alles falsch gemacht? Diese Frage werden sich wohl auch die Jünger aus dem heutigen Evangelium gestellt haben. Sie waren die ganze Nacht unterwegs gewesen auf ihren Booten und hatten nichts im Netz - ein krasser Misserfolg! Obwohl sie doch Fachleute waren, und obwohl der See Genesareth bis auf den heutigen Tag für seinen Fischreichtum bekannt ist. Und obwohl die Nacht die richtige Zeit zum Fischen ist - wenn überhaupt, dann bringt die Nacht den Erfolg. Kurzum: Viele gute Voraussetzungen waren gegeben, - trotzdem: Es klappt nicht. Die Netze bleiben leer. Der Evangelist Johannes stellt uns in dieser Ostergeschichte die Situation der Kirche in einem Bild vor Augen. Die Jünger, die Bischöfe, die Priester und wer sonst noch Botschaft verkündet - sie sitzen in einem Boot - "im Schiff, das sich Gemeinde nennt"- und mühen sich mit dem ab, was ihr Beruf und ihre Berufung ist: Fischfang, Menschenfischer. Nur, es klappt nicht richtig, es kommt nichts dabei heraus! Das scheint nicht erst seit heute so zu sein. Es ist durch alle Jahrhunderte hindurch der Glaube nichts Selbstverständliches, nichts Automatisches gewesen, das man so lernen kann wie das kleine Einmaleins. Wohl gab es Zeiten wie die letzten Jahrhunderte, da war der Glaube durch die Kultur und durch große Mehrheiten gestützt, da war er sozusagen "üblich" - heute ist er - wie damals in den Anfängen - nicht selbstverständlich, nicht automatisch, sondern die Frucht einer Suche, eine persönliche Entscheidung des Einzelnen. Das macht den Glaube heute spannend, aber auch mühsam und manchmal einsam. Die Bootsbesatzung meint dann, vielleicht seien die Netze gerissen, vielleicht müsse das Boot repariert oder neu gestrichen werden, vielleicht solle man ins Rettungsboot steigen und einen eigenen Kurs nehmen. So manches wird versucht, die Netze zu füllen. Das Entscheidende steht nun nicht in diesem Evangelium, sondern in einem Paralleltext: Wir waren die ganze Nacht unterwegs und haben nichts gefangen, sagt Petrus da, - aber auf dein Wort hin will ich die Netze noch einmal auswerfen. Auf dein Wort hin…
Es kommt also nicht darauf an in unseren Gemeinden, die Kajüten neu zu streichen oder ein gemütliches Bordfest zu feiern, sondern auf Sein Wort hin neu hinauszufahren, die "Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer" (A. de Saint-Exupery) miteinander zu teilen und nicht im sicheren Hafen zu ankern. Im Hafen werden die Netze sicher nicht voll. Da muss man hinaus. Das Stichwort von der "missionarischen Kirche" erinnert uns daran. "Man soll sich nicht von schlechten Erfahrungen leiten lassen", sagt Adolf Kolping, "sondern von guten Erwartungen", - und er fügt hinzu: "um Menschen zu fischen, muss man sein Herz an die Angel hängen, oder ans Netz …"

Wenn uns unsere Erfolglosigkeit bedrückt, wenn uns wieder mal die Frage bedrängt: "Haben wir alles falsch gemacht?", dann könnten uns die Jünger vom See Genesareth ja einen Hinweis geben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Auferstandene auch heute noch am Ufer steht und dass er unser Tun und Mühen und unsere Verzagtheit sieht. Auf sein Wort hin können wir neu starten und wieder hinausfahren, mit guten Erwartungen. In seinem Wort liegt die Kraft, sein Wort kann uns motivieren und die Sehnsucht nach dem Meer und nach den Menschen stärken. Alles Weitere kommt danach. Lassen wir es kommen!

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