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KanaDie Hochzeit von Kana

Predigt 14.01.2007


Manchmal erzähle ich bei Brautmessen von dieser großen wunderbaren Hochzeitsfeier damals in Kana, einem Dörfchen, das ansonsten völlig unbekannt wäre. Ich weiß nicht, was die Brautleute - damals wie heute - wirklich davon aufnehmen - ob es für sie eine Art Zaubergeschichte ist, auf einmal sind 600 Liter Wein da, wo vorher leere Krüge waren. Jesus so eine Art David Copperfield, ein Magier der Antike? Dann wäre - bei einer solchen Ouvertüre - das Leben Jesu vermutlich eine Erfolgsstory geworden. Hier mal schnell ein Wunder und da mal schnell ein Wunder - wie wären die Leute zusammengeströmt! Wie hätten sie Jesus angehimmelt, was für ein leichtes Spiel hätte er mit ihnen gehabt!

Wunder sind, so sagt man, des Glaubens liebstes Kind. Aber sie sind auch gefährlich. Den Menschen geht es dann womöglich gar nicht um Jesus, gar nicht um Gott, sondern um ein Event, eine Sensation, um inneren Nervenkitzel.

Nein, für die große Show war Jesus nicht zu haben. Am Schluß heißt es: Er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Wohlgemerkt: Die Jünger! Nicht die Leute.Die haben entweder gar nichts mitgekriegt oder gar nichts verstanden.
Liebe Brautleute,so frage ich dann, was kennt ihr, was kennen wir in dieser Geschichte? Was könnte in Eurer Ehe, in Eurem Leben passieren ? Es ist ja nicht buchstäblich damit zu rechnen,dass auch in eurer Hochzeitsfeier mögliche Bewirtungspannen sich wunderbar lösen und durch Eingriff von oben die Getränkrechnung niedrig bleibt. Was kennt ihr in der Geschichte? Und vielleicht antworten die heutigen Brautleute: Wir kennen die leerenb Krüge: - doch,die kennen wir vom Leben miteinander, vom eigenen Leben selbst und auch vom Leben in größeren Gemeinschaften. Immer wieder sind die Krüge leer. Wir machen und tun und schöpfen und schöpfen - aber es wird oft nichts Rechtes draus. Und vom Festlichen, von der Feier, vom Wein sind wir weit entfernt.
Leere Krüge im Leben, auch in der Ehe: innere Leere, Langeweile, die sich mit der Zeit einstellen kann. Das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Wir sprechen von Leerlauf - wir halten die Hände durchaus nicht im Schoß, rastlos sind wir in Bewegung, in action, wir packen alles Mögliche in die leeren Krüge hinein - aber der zündende Funke fehlt, das Glück stellt sich nicht ein, es liegt kein Segen darauf, etwas Entscheidendes fehlt, das sich gar nicht so leicht benennen lässt.

Leere Krüge auch in der Kirche: Und das sind nicht nur die leeren Kassen, der Mangel an Geld, an Mitteln und an Personal. Wenn es nur das wäre - wir könnten damit leben. Aber die leeren Krüge in der Kirche bedeuten Mangel an Überzeugungskraft; Mangel an Mut und Geist. Ich bewundere manchmal im Fernsehen die jungen Muslime, auch die Kopftuch-Mädchen, mit welchem Eifer und welcher Ernsthaftigkeit sie ihren Glauben kennenlernen und leben wollen. Das hat Profil - und in der Begegnung mit ihren christlichen Freunden und Kollegen stossen sie auf die reine Ahnungslosigkeit und stochern sozusagen im Nebel. Da ist kaum noch Profil zu entdecken, wenig Selbstbewusstsein, sondern eher der Grundverdacht, eigentlich von vorgestern zu sein und keine wirkliche Zukunft mehr zu haben. Eine Christenheit, die unter sich bleibt und nicht mehr richtig wachsen will oder kann - und die nichts daran ändert,sondern so weitermacht wie bisher - ja, die erinnert nicht an volle Schatztruhen, sondern an leere Krüge!

Liebe Schwestern und Brüder, in unserem Evangelium haben nicht die leeren Krüge das letzte Wort. Das hat der Speisemeister, der das Geschehen mitbekommen hat: Du hast den besten Wein bis jetzt zurückgehalten…
Wie kann es sein, dass die leeren Krüge am Schluss besten Wein enthalten? Nun, der Evangelist Johannes bereitet diesen Schluss, dieses wunderbare Finale sorgsam vor. Als erstes sagt er: Jesus ist Gast beim Fest. Mit meinen Brautleuten von heute denke ich dann darüber nach, wie wir Jesus in unser Leben einladen können, wie er in unserem Leben Gast, ja Dauergast sein kann. Das Wunder hängt daran, dass Jesus dabei ist, dass er Gast ist. Wenn wir ihn nicht hereinlassen in unser Dasein, wenn wir ihm die Tür vor der Nase zuschlagen, dann bleiben die Krüge leer oder haben in sich nur Wasser…

Johannes baut danach eine Spannung auf in dem Gespräch zwischen Maria und Jesus. Maria, ganz aufmerksam, sagt: Sie haben keinen Wein mehr. Das heißt: tu was! Du kannst doch helfen. Du hast doch ein Herz für die Leute. Merkwürdig und schroff die Antwort von Jesus. In alter Übersetzung kommt das noch deutlicher heraus: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Und dann: Meine Stunde ist noch nicht gekommen! Jesus scheint unwillig. Seine Stunde ist bei Johannes, diesem Meister des Symbolischen, die Todesstunde am Kreuz, und diese Hochzeitsgeschichte in Kana ist wie ein Vorgriff, ein Vorhinweis darauf: Die Reinigungskrüge erinnern an die Fußwaschung, und der Wein an das Abendmahl und die dortige große endgültige Verwandlung: der Wein in das Blut Christi. Es ist, als wollte Jesus an dieser Stelle sagen: ich bin noch nicht so weit. Hier in Kana ist alles noch Andeutung - die große Hingabe, die große Wandlung steht noch aus - die große Wandlung, die wir im Herzen jeder Messe feiern!

Wir nennen Maria die Mutter vom guten Rat; - und ihr guter Rat ist: Was er euch sagt, das tut! Wir werden also - genauso wie die Diener bei der Hochzeit - auf Jesu Wort, auf seine Botschaft verwiesen.. Den Dienern sagt er: Füllt die leeren Krüge. Das ist wirklich Arbeit: 60 große Eimer vom Brunnen herüberschlepptun, was er sagt. Und so das Wunder vorbereiten, das nicht von uns kommt. Vorbereiten durch gute und harte Arbeit, die aber noch nicht alles ist. Vorbereiten durch die Mühen des Alltags. Vorbereiten vor allem durch unser gläubiges Vertrauen. Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist, sagte der Gründungspräsident Israels Ben Gurion; der selber miterleben konnte, wie die Wüste Negev bewässert wurde und heute fruchtbares Ackerland ist: Um die leeren Krüge im eigenen Leben wie in der Kirche zu füllen, braucht man Visionen, braucht man eine unbändige Hoffnung, braucht man Spiritualität und Gottvertrauen. Da mit es aber wirklich zündet und der Wein des Festes und der Freude, der Wein der Fülle und der Erfüllung in die Krüge kommt, brauchen wir Gott und seinen Boten Jesus Christus, den großen Verwandler, der immer wie der Trauer in Freude und Resignation in Hoffnung verwandelt hat.

Seine Hingabe und sein Segen ist das Wunder.

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