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Jüngling von NaimDie Auferweckung des Jünglings von Naim

RUHRWORT- Artikel zum 10.6.2007


"Alles tote Hose", sagt der Junge, der am Jugendheim immer auf der Stange sitzt. Er ist die personifizierte Langeweile: müde sein Blick, lustlos sein ganzes Gehabe. Pädagogen beißen sich an ihm die Zähne aus. " Er ist kaum zu motivieren," meint die Klassenlehrerin. Anstrengungen geht er grundsätzlich aus dem Weg. Seine berufliche Zukunft - drohende Jugendarbeitslosigkeit - schreckt ihn nicht. "Kein Bock auf nix," das trägt er wie ein Motto vor sich her.

Eines Tages kommt Bewegung hinein. Er hat sich verliebt! Ja, wahrhaftig, es ist doch noch Leben drin! Die Eltern, Lehrer, Freunde staunen. Bei dem beißt doch keine an! Fehlanzeige. Aus unerfindlichen Gründen - die Liebe ist mitunter seltsam - hat sich eines der Top-Mädchen in der Klasse für ihn interessiert, eine von den ganz aktiven mit vollem Terminkalender. Die Eltern, Lehrer, Freunde reiben sich die Augen. Die Freundin, Tina, nimmt ihn mit zu den Treffen von Greenpeace, und gerüchteweise heißt es schon, er wolle auch zum Weltjugendtag nach Sydney fahren…

Da wird er dann vielleicht an einer Bibelarbeit über den "Jüngling von Nain" teilnehmen und sich womöglich in diesem wiedererkennen. War der wirklich tot auf seiner Bahre, fragt er sich dann, oder nur "tot" in Anführungszeichen, sozusagen symbolisch tot, leblos, "tote Hose", wie er selbst in grauer Vorzeit - vor zwei Jahren - da auf der Stange hockend am Jugendheim, vor der großen Wende mit Namen Tina? Egal, denkt er, es läuft ja auf dasselbe hinaus. Die Trauer der Witwe damals in Nain war sicher ganz schrecklich gewesen, aber der Zoff mit ihm, die Sorge und Enttäuschung saß seinen Eltern auch tief in den Knochen. Wie kommt man von der Bahre herunter? Damals kam Jesus, der "Anführer des Lebens", wie er in der Bibel genannt wird, und erweckte den jungen Mann von seinem Tod. Er tat das aus der Liebe Gottes zum Leben, und ganz sicher aus Mitleid mit der Mutter, die als nun kinderlose Witwe keine Zukunft hatte, ganz mittellos und ungesichert war und sich sozial "mitbegraben" lassen konnte. Weine nicht! Leicht gesagt. Der Sohn wurde doch so dringend gebraucht. Er konnte und durfte - in den Augen Jesu - einfach nicht auf der Bahre bleiben...

Wie kam er selbst - der Junge von heute - herunter von der Stange am Jugendheim? Seine Freundin, seine Tina, hatte ihm die Augen geöffnet, hatte auch ihn "erweckt". Ja, auch er wurde gebraucht. Seinen Eltern und Lehrern hatte er das nie abgenommen, hatte es für schönes Gerede gehalten. Jetzt, durch Tina, war es ihm sonnenklar. Die hatte in ihren Weltjugendtagsunterlagen ein Zitat des alten Papstes Johannes Paul gefunden und rot angestrichen: " Die Welt braucht junge Menschen und ihr Engagement. Ihr seid die Baumeister einer neuen Zivilisation der Liebe und Gerechtigkeit." Das war ein bisschen steil ausgedrückt, aber er fand das gut mit dem "Baumeister". Und darum wollte er mit nach Sydney. Baupläne zeichnen lernen.

Noch eine andere Parallele war ihm aufgefallen. Jesus hatte in Nain sehr drastische Worte gefunden: " Junger Mann, ich befehle dir: Steh auf!" Ich befehle dir! Jesus neigte immer zu deutlichen Worten, er redete nicht um den heißen Brei, in göttlicher Vollmacht befahl er, und es geschah. Tina hatte auch ein wenig davon! Was hatte sie ihm in einem langen ersten Gespräch die Hölle heiß gemacht, von wegen Trägheit und "sein Leben weg werfen". Das Gespräch war mehr als deutlich gewesen, und genau das hatte geholfen. "Steh auf" - das ging nach so eindringlichen Gesprächen irgendwie, das ging vor allem durch die Unterstützung der Freundin, die er gerade in der ersten Zeit als ausgestreckte Hand und als Geh-Hilfe (als seine "Krücke") erlebte. Ja, er ist aufgestanden, er ist auch "auferstanden", Gott ist für ihn mit im Spiel. Der Herr schickt seine Boten - ob sie nun Jesus oder Tina heißen.

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