Predigt zur Primiz von Michael Krause
11.05.2008
Lieber Michael,
liebe Familie Krause,
liebe Schwestern und Brüder!
Primizmessen
sind nicht gerade häufig -
heutzutage.
Daher bin ich sehr dankbar,
dass wir in unserer Pfarrei
heute dieses Fest feiern können.
Wir danken Gott,
dass er dich, Michael,
wie damals den Zöllner Matthäus
vom Bankschalter weg berufen hat.
Vorher hast du Kunden bedient,
jetzt dienst du
Schwestern und Brüdern,
begleitest sie auf ihrem Weg.
Immer wieder wirst du
ein Wegweiser sein
und dich bemühen,
den Weg selber zu gehen,
den du gewiesen hast.
Das tun Wegweiser sonst nicht,
sie sind in die Erde gerammt
und bleiben stehen.
Du darfst gehen -
nach Duisburg
und in Duisburg herum
und oft genug
durch "dick und dünn" …
aber
niemals allein.

Wir finden in den Bänken
ein Primizbild vor,
das diese Zuversicht:
"niemals allein"
ausstrahlt. Dieses Bild
vom Gang der Jünger
nach Emmaus
ist in den Kreuzgang
eines Mönchklosters gemalt.
Die beiden Jünger
sehen aus wie Mönche;
wer da vorbei geht, spürt:
Ich bin mit gemeint.
An der Stelle,
wo das Gemälde hängt,
biegt der Kreuzgang
nach rechts ab -
der Weg nimmt
eine neue Richtung.
Der Betrachter
sieht den Jüngern nach,
schaut nur auf ihre Rücken,
ist geradezu eingeladen,
ihnen nachzugehen.
Jesus geht in der Mitte.
Er ist die Mitte.
Aber man sieht nur Konturen.
Unerkannt ist er noch,
durchsichtig und schwerelos.
Noch nicht fassbar und
sich bald schon wieder entziehend.
Erst später wird er sich "verdichten"
und sich zu erkennen geben
im Brechen des Brotes.
Wie ein Lockruf,
alte Wege zu verlassen,
um neue zu entdecken,
geht er mit ihnen … und uns,
hinein in die Wüstenlandschaft
hin zu einem fernen Horizont.
Es bleibt offen, was die Jünger
am Ende des Weges erwartet.
Es scheint sie nicht zu bekümmern.
Sie vertrauen dem Unerkannten
unterwegs, der ihre Herzen
zum Brennen bringt.
-------

Liebe Gemeinde,
in einem Buch finde ich diese Szene:
Zu einem erfahrenen Eheberater
kommt ein Mann.
Seine Ehe ist gescheitert, er will
eine neue Beziehung eingehen.
Der Eheberater sagt ihm:
"Zwei Fragen muss sich jeder
im Leben stellen. Die erste heißt:
WOHIN GEHE ICH?
Und die zweite:
WER GEHT MIT MIR?
Beachten Sie diese Reihenfolge!
Wenn Sie die Reihenfolge
durcheinander bringen, kommen Sie
in des Teufels Küche!"
WOHIN GEHE ICH?
WAS IST MEIN WEG?
Frage 1.
Michael, wir haben schon
einen komischen Beruf:
nämlich Frage 1 wachzuhalten

unter Menschen, die sich ganz gern
an ihr vorbeidrücken,
sich oft lieber durchwursteln
durch dieses vertrackte Leben,
aber schon mit 15 Jahren
Frage 2 klar haben:
Wer geht mit mir?
Egal wohin?
Unser Beruf lässt uns lange
bei Frage 1 bleiben.
Wir sind Fragesteller.
Wir sind Wegsucher.
Klar - das ist
"ein komischer Beruf":
Brot zu backen
oder Autos zu lackieren
lässt sich leichter begründen
und plausibel machen.
Vielleicht haben wir es
auch falsch angepackt:
haben zu hochtrabend
vom "Sinn des Lebens" geredet,
haben zu schnell
glatte Antworten gewusst,

haben für jeden Topf gleich
einen Deckel gehabt …
Dabei ist der Erfahrungsschatz
der Kirche mit Frage 1
ungeheuer reich.
Die Antworten wurden und werden
gelebt,
nicht bloß besprochen.
Nimm das Beispiel deines Vaters,
der im wohl verdienten Ruhestand
nicht im Sessel hockte,
sondern z.B. sich mit Jugendlichen
auseinander setzte
und Firmunterricht gab.
Das drängte ihn:
den Glauben ins Gespräch zu bringen.
Das drängt eine ganze Menge Leute
heute in den Gemeinden,
Gott ernst zu nehmen
und die Menschen ernst zu nehmen
und beides miteinander zu verbinden.
Man nennt das:
NACHFOLGE.
Nachfolge ist dann spürbar,
wenn einer sich wirklich einlässt
auf den Weg Jesu Christi.
Wer weiß das schon von sich:
Ob er sich wirklich eingelassen hat.
Jedenfalls ist das etwas anderes als:
gescheit drüber reden
oder schön drüber predigen.
Vielleicht ist es eher:
um seine Armut wissen.
Den Glauben eher stammeln
- der große Denker Thomas von Aquin
hielt am Ende seines Lebens
seine Werke für "Stroh",
und Martin Luther fasste
auf dem Sterbebett sein Leben zusammen:
WIR SIND BETTLER: DAS IST WAHR.
Die offenen Fragen,
die stammelnden Antwortversuche,
die Unsicherheit und die Selbstzweifel,
die Befürchtungen über die Zukunft
von Kirche und Welt
können und dürfen wir
dem Herrn hinhalten und sagen:
"Auch wenn es so mit mir steht
- mit uns steht: -
Du kannst mich dennoch gebrauchen!
Liebe Schwestern und Brüder,
der Weg der Christen
kennt eine Besonderheit:
Wer sich mit der Frage 1
- wohin gehe ich -
auf den Weg des Glaubens macht,
erfährt dann unterwegs
die Antwort auch auf Frage 2:
Wer geht mit mir?
Die Jünger von Emmaus
haben es damals erfahren,
haben den Mitgeher Jesus Christus
an ihrer Seite gespürt.
Und nicht nur sie:
Immer wieder bezeugen Christen,
dass sie gerade in schweren Zeiten
und Phasen des Leidens
ihn an ihrer Seite wussten.
Ganz ähnlich ist es
mit unserem heutigen Fest:
Pfingsten.
Erst sind es ängstliche Jünger
hinter verschlossenen Türen,
sozusagen in der Sakristei,
im Ghetto verbarrikadiert,
- diese Verschämtheit geht bis heute:
"Hoffentlich merkt keiner,
dass ich Christ bin -
hoffentlich spricht mich
keiner drauf an"
(Michael hat es vor kurzem
in den USA ganz anders erfahren:
Glaubensfreude eher
und Glaubensmut).
Und dann: pfingstliches Brennen.
Immer dieses Brennen in der Bibel:
Ein brennender Dornbusch.
Ein Gott,
der vor Liebe brennt.
ICH BIN DA FÜR EUCH.
Zwei Jünger auf dem Weg
mit brennendem Herzen:
"Brannte uns nicht das Herz
in der Brust, als er
unterwegs mit uns redete und
uns den Sinn der Schrift erschloss?"
Und jetzt, zu Pfingsten -
Feuerzungen, Feuer und Flamme,
eine Zündung bis heute.
Da zündet der, der in ihnen ist,
in ihnen brennt.
Mit gewaltigen Wirkungen:
Er inspiriert so sehr,
dass es die Jünger bis nach Indien,
bis an die Ränder der Erde treibt.
"Was die Seele im Leib,
das sollen die Christen
in der Welt sein," schrieb
einer hundert Jahre später.
Wir haben uns daran gewöhnt,
heute eher die Rückstände
des Brennens zu sehen,
die Asche.
Manche hüten sie
wie das Erbe der Tradition.
Dabei gibt es immer noch
den freien Funkenflug
und die Glut, an der man
sich wärmen kann.
Wo einem das Herz brennt,
zündet es auch heute
bei anderen …
Lieber Michael,
wir wünschen Dir und uns
das brennende Herz.
Dass du noch staunen kannst
über Gott
wie ein Anfänger.
Dass du dich noch freuen kannst
am Evangelium
wie ein Kind.
Dass du manchmal noch
weinen kannst
über das Elend der Menschen
- und über dich selber.
Dass du dir noch Fragen erlaubst
wie ein Schüler.
Und dass du vertraust,
immer wieder vertraust,
nie aufhörst zu vertrauen -
wie ein Liebender …
Dann können
auch im Jahr 2020
oder 2058, wenn du
dein Goldenes Priesterjubiläum
feierst,
in einer unbekannten und
offenen Zukunft,
die Hindernisse und
die Stolpersteine
zur Brücke werden
und die Gegenwinde
zum Werkzeug Gottes.
Dein Lieblings-Seliger
Charles de Foucauld
hat das so angedeutet
und selber so erlebt.
Nimm alles hinein
in ein großes Vertrauen
und in eine große
Dankbarkeit -
dann wird dein Leben
und dein Priesterdienst
gesegnet sein.
Amen.
Text downloaden