Reisebüro Himmelfahrt
Predigt 17.05.2007
Es gibt Worte, die sind alles andere als abgedroschen, die sind kostbar und geheimnisvoll, und wir loten
sie nie ganz aus. Himmelfahrt! Wir kennen all die Abstürze und Talfahrten des Lebens, wir sehen Entwicklungen,
die herunterziehen, hören Worte, die heruntermachen. Die Abwärtstrends deprimieren. Das wäre doch eine
wunderbare andere Richtung: Himmelfahrt - Fahrt Richtung Himmel.
Ich habe schon viele Fahrten zu den schönsten Zielen gemacht: in die Berge, an die See, in den Dschungel, in
die Wüste, in die großen Haupt- und Kulturstädte. Aber eine Reise Richtung Himmel würde alles, wirklich alles
in den Schatten stellen …
Nehmen wir einmal an, wir könnten auch für die Himmelreise ins Reisebüro gehen und buchen. Wir haben viele Fragen:
Wie viel Gepäck nehmen wir mit? Welche Landkarten? Wie viel Zeit muss man kalkulieren? Welche Währung gilt? Wie
ist das Klima? Gibt es Gruppenreisen oder reist man besser allein? Wie ist die Sprache? Muss man fliegen? Erste
Antworten darauf in Kurzform:
Das Gepäck? Möglichst leicht. Kein Ballast. Erdenschwer sind wir schon genug, haben genug an uns selbst zu tragen.
Frei sollte man sein für die Himmelsreise, frei und leicht. Nicht umsonst sind die Engel die leichtesten
Himmelsbewohner.
Landkarten? Der Himmel ist nicht vermessbar. Atlas und Globus streiken. Kilometer zählen nicht. Entfernungen
schrumpfen: es kann alles sehr nah werden. Landkarten gibt es nicht für den Himmel, nur für die Hinwege und für
die Einstiege. Man nehme die Bibel und finde dort …
Reisedauer? Auch die Uhren streiken.Es herrscht Ewigkeit: intensive, erfüllte Zeit - Zeit, wo die Uhren stehen
bleiben.
Die Währung? Weder Dollar noch Euro. Eher: die kleine Münze Hoffnung. Nicht das gehortete, sondern das verschenkte
Geld. Das Kapital der Großzügigkeit.
Das Klima? Alles andere als kalt. Die Kälte gehört der Erde, nicht dem Himmel. Eher heiße Glut der Liebe. Auf jeden
Fall: warm. Menschliche Wärme, göttliche Wärme.
Gruppen- oder Individualreise? Eher Gruppenreise. "Wo zwei oder drei …" heißt es in der Bibel. Die Kirche als Groß-
oder Gruppenreisen in den Himmel. Individualreisende sind aber nicht ausgeschlossen; sie haben es nur schwerer, müssen
selber an alles denken.
Die Sprache? Oft: Zeichensprache. Zeichensprache der Sakramente - Brot und Wein als Beispiel, das Mahl, der gedeckte
Tisch. Bilder und Gleichnisse ohne Ende. Und ein Verstehen über alle Sprachgrenzen hinweg. Kommunikation der Herzen -
siehe Pfingsten.
Die Verkehrsmittel? Flugzeug? Rakete? Nein, nicht in die Luft gehen. Auf der Erde, der Erde treu bleiben. Also dann:
Bus, Schnellzug? Nein, es muss nicht schnell gehen. Langsam, aber gründlich scheint besser. Es reichen die zwei Beine,
um zum Nächsten hinzugehen. Vielleicht kann man sogar im Zimmer bleiben. Vielleicht muss man gar nicht reisen und sich
viel bewegen. Vielleicht kommt der Himmel auf mich zu - kommt ins Zimmer.
Merkwürdige Reise, diese Himmelfahrt, denken Sie vielleicht. Reisen, ohne zu verreisen. Reise nur mit Herz und Seele.
Ja, ganz recht: mit Herz und Seele. Aber bewegen sie mal Herz und Seele aus dem Trott und den Gewohnheiten. Gar nicht
so einfach. Herz und Seele sind manchmal so unbeweglich wie ein Gebirge.
Als die Jünger damals Zeugen der Himmelfahrt Jesu wurden, d.h. seinen Abschied erlebten, da kehrten sie "in großer Freude"
nach Jerusalem zurück. Der große Heilige Augustinus fragte: "Wie kann aus der Trennung und dem Abschied solche Freude
wachsen?" und gibt selbst eine Antwort: "Gott hat sich nicht hinter den Wolken versteckt, seine ganze Kraft und Herrlichkeit
hat in den Herzen seiner Freunde den Himmel eingerichtet; er beginnt in ihnen zu atmen."
Sagen wir das noch einmal: Gott hat in den Herzen seiner Freunde den Himmel eingerichtet. Paulus sagt es ähnlich: Jesus
Christus hat sich in seiner Himmelfahrt nicht auf- und davon gemacht, sondern lebt in uns, atmet in uns. Der Himmel - das
göttliche Leben - ist wie ein Kern in uns hinein gelegt, hat in uns schon begonnen.
Schon jedes Kommunionkind könnte etwas davon ahnen: Kind Gottes zu sein, in Kommunion (Gemeinschaft) zu sein. Der Gruß an
Maria gilt auch uns: Du bist voll der Gnade, du bist voll des Himmels.
Und so ist unsere Himmelfahrt eine Entdeckungsreise: entdecken, was schon angefangen hat in uns, entdecken, wer und was in
uns lebt. Und wie die Jünger damals könne wir in großer Freude zurückkehren - zu uns, zu Gott. Denn der Himmel wohnt schon
in uns, mögen wir mehr und mehr entdecken und spüren, wie er in uns atmet.
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