Alle verharren im Gebet
Predigt 04. 05. 2008
Christi Himmelfahrt liegt hinter uns. Ein wunderbares Wort: Himmel! Himmlisch! Es lässt uns hoffen, dass es neben
allem Irdischen, neben allen Freuden und Leiden des Alltags etwas anderes gibt, das durch die Dinge und Situationen
hindurch schimmert: den Himmel. Die Vollendung nach so vielen Bruchstücken und Bruchlandungen. Ein Ziel für alles.
Ziel und Ursprung zugleich. Ein gutes Ende - kein dickes Ende! Das Bild einer unzerstörbaren Gemeinschaft mit Gott und
den Menschen.
So bringt das Fest ein großes Geschenk. Es gibt den Himmel, und er ist nicht verschlossen. Er ist erreichbar,
Himmelfahrt ist das Ziel der Lebensreise.
Ich weiß nicht, warum der Tag so heruntergekommen ist: Ausflugstag, Vatertag, Sauftourtag … Ist das Gespür
für den Himmel eigeschlafen? Dabei gibt es doch eine so starke Sehnsucht, dass es mehr als alles hier geben möge.
Viele Menschen leiden an der Banalität und Oberflächlichkeit des Lebens. Sie sind den Materialismus satt. Ist das Wort
Himmel nicht wie ein Signal in die erhoffte Richtung? Oder gibt es den Verdacht, dass man mit diesem Wort nur ablenken will
mit dem Blick nach oben?
Was schaut ihr beim Loben
immer nach oben?
Schaut mal zur Seite,
dann seht ihr die Pleite!
Ein kleiner Text aus der Schülerzeitung in meiner Jugend, ich habe ihn nie vergessen. Alles nur Ablenkung,
Vertröstung, Flucht ins Jenseits? Um dem öden Diesseits zu entgehen? Ich denke, das wäre in der Tat ein
schlechtes und schädliches Reden vom Himmel. Es geht nicht darum, mit Blick auf den Himmel dem Diesseits zu entgehen,
zu entfliehen - es geht darum, im Diesseits zu bestehen.
Der Anblick zum Himmel bringt uns nicht weg von der Welt, sondern führt uns tiefer hinein, hilft uns sogar, die Welt
zu lieben - trotz allem. Weil sie als Schöpfung geliebt ist, und weil sie - mit einer starken Himmelshoffnung
betrachtet - erträglich wird.
Himmelfahrt - das heißt aber auch: Abschied von Jesus. Vierzig Tage nach Ostern, in denen den Jüngern die Augen
aufgingen. Und nun entzieht er sich ihren Blicken. Er ist nicht mehr zu sehen. Er ist zu glauben! Das ist unsere Situation
heute, und sie beginnt eigentlich im Obergemach der Apostelgeschichte: "Als sie nach Jerusalem kamen, vom Ölberg her,
gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben." Himmelsgespür und Abschied von Jesus, als
wollte er sagen: "Jetzt seid ihr dran: mit euren Herzen, mit euren Händen. Aber ich stärke euch den Rücken,
ich bleibe bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."
Und was machen die Jünger, was macht die beginnende Kirche? Sie bleiben zusammen, laufen nicht auseinander. Dann
werden sie alle einzeln mit Namen genannt: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, und wie sie alle heißen. Auch
die Frauen gehören dazu, eigens wird Maria erwähnt. Einer kann nicht ohne die anderen sein.
Das erste Bild der Kirche ist also eine Art Gebetsgruppe. "Sie alle verharrten einmütig im Gebet." Sie blieben ständig
zusammen. Sie stärken sich und erfahren den Himmel in dieser Gebetsgemeinschaft. Sie rüsten sich zu, ehe ihr
Einsatz beginnt - ihre Verkündigung bis an die Grenzen der Erde.
Sie verharrten im Gebet. Ausdauer ist gefragt, Durchhalten. Viele knicken ja beim ersten Gegenwind ein. Die Jünger
üben dagegen Treue ein, Treue zum Ursprung, Treue zu Christus. Der Gegenwind ist da, die Bedrohung von außen,
Verzagtheit von innen. Der Gegenwind ist immer da, auch heute heftig. Schnell hätte sich der Bazillus ausbreiten
können nach der Devise: Wir sind so ein kümmerlicher Rest, ein so kleiner Haufen - was können wir schon
ausrichten?
Wir merken, dass Menschen Enormes ausrichten können, wenn sie zusammen bleiben - im Gebet und in der Offenheit für den
Geist Gottes. Die erste Gemeinde hält durch. Mehrmals taucht das Wort auf: ein-mütig. Eines Mutes. Ohne Mut, ohne
Courage wären die ersten Christen schnell am Ende gewesen. Dieser Mut speist sich aus der Kraft des gemeinschaftlichen
Gebetes.
Regelmäßig kommen die ersten Christen zusammen. Nicht um endlos zu debattieren. Nicht um ausgeklügelte
Überlebenspläne zu schmieden. Schlicht und ergreifend kommen sie zusammen, um zu beten und Mahl zu halten. Ohne
die Versammlung wäre kein Zusammenhalt möglich gewesen. Gemeinsam wächst so eine Verbundenheit, in die der
Pfingstgeist dann hinein zünden kann - wie eine kräftige Flamme. Der Boden des Miteinanders ist so bereitet, dass
der Geist Gottes zum Zug kommen kann; auch er braucht einen günstigen Boden in uns.
Vielleicht hilft uns die Erinnerung an die Ursprünge des Gottesdienstes, auch in unseren Messen heute eine Kraft zu
entdecken, de Kraft des Miteinanders und Füreinanders, eine Kraft, in der sich - wie in einem Blitzlicht - der Himmel
zeigt.
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