Medardus
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Pfarrei St. Medardus

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Katholische Kirchengemeinde St. Joseph und Medardus - Jockuschstraße 12 - 58511 Lüdenscheid - Tel. 02351 / 66400-0

SchatztruheIn Christus liegen verborgene Schätze

Predigt Weihnachten 2007


Sehen Sie mal: Ich habe hier eine Schatzkiste. Der Leiter von Haus St. Joseph hat sie in der Adventsfeier an alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verteilt, als Kuratoriumsmitglied bekam ich auch eine. Eine Schatzkiste! Was tut man da hinein? Etwas war schon drin: Eine Karte, für jeden eine andere, mit dem Text: "Danke für dein Talent…" Und dann folgte das Talent, die jeweilige Begabung: die Geduld im Umgang mit schwierigen Kindern, die Fröhlichkeit oder die kreative Phantasie. Die Empfänger freuten sich sichtlich über die Kiste und mindestens genauso über die Karte, die sehr motivierend war.
Wer freut sich nicht, wenn sein Talent benannt wird? Übrigens waren Talente in der Antike unvorstellbar große Geld- und Goldmengen, ein wahrer Schatz, ehe sie die Bedeutung von Begabungen bekamen.

Das erste, was in die Schatzkiste hineinkam, ist also die Erinnerung an den Schatz, der in uns selber ist. In jedem von uns steckt ein Schatz, ein Schatz an menschli-chen Werten, und es könnte eine Sternstunde des Weihnachtsfestes sein, wenn wir einem anderen sagen oder schreiben, wie wir ihn schätzen, den Schatz in ihm.
Die eine Danke-Karte wäre ein bisschen wenig Inhalt für unsere Schatzkiste. Ich habe in meine noch die ganze Weihnachtspost hineingetan, die ich bekommen habe. Manche Karten und Briefe sind sehr persönlich, andere eher routiniert. Alles in allem wird mir beim Durchblättern deutlich der Schatz der menschlichen Beziehungen. Was ist das für ein Schatz, dass es die anderen gibt, die sich in den letzten Tagen gemeldet haben und die mein Leben bereichern…
Ich habe noch eine Bildkarte hinzugefügt, die mir wichtig, sehr wichtig ist. Hier: der Mitgeher. Jesus und neben ihm ein Christ. Jesus hat ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Mit der anderen Hand hält Jesus auch einen Schatz - in Buchform, prächtig verziert, und versiegelt. Im Kolosserbrief gibt es einen Vers, der mich daran erinnert: "In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis…" In Christus also ein Riesenschatz! Und der kommt Weihnachten zur Welt, wird Weih-nachten sichtbar, greifbar, hörbar.

Weihnachten ist heutzutage alles Mögliche. Familienfest, Fest der Liebe, stimmungsgeladen, sehnsuchtsgeladen, auch veräußerlicht und verkitscht bis zum Geht-nicht-mehr. Der Weihnachtsmann hat Jesus längst verdrängt, zumindest versucht er es. Aber in dieser Nacht und an diesem Fest gehen so um die zwanzig Millionen Menschen in unserem Land in die Kirchen. Warum? Nur aus Tradition und Nostalgie? Ich glaube, dass sie alle noch Schatzsucher sind, die in Jesus Christus den Schatz ahnen. Nicht irgendeinen Schatz, so beiläufig und nebenher, der auch ruhig fehlen könnte. Nicht einen Schatz für ein paar fromme Stunden, sondern den Schatz fürs ganze Leben. Und auch für den Tod…
In einem Gleichnis erzählt Jesus von einem Mann, der im Acker einen verborgenen Schatz entdeckte und wieder vergrub. Und dann geht er in großer Freude hin, ver-kauft alles, was er hat, und kauft den Acker. Er setzt alles auf diese eine Karte. Den Schatz im Acker möchte er heben.
Der Blick auf Jesus - heute - sagt uns:
Nicht der Schatz auf der Bank rettet uns. Er beruhigt, aber er rettet uns nicht. Auch nicht der Schatz an meiner Seite rettet mich. Er erfreut und bereichert, aber er rettet mich nicht.
Besitz ist wichtig, und menschliche Beziehungen, gerade die intensiven, mit einem "Schatz", sind sehr wichtig. Aber sie stehen unter einem Vorbehalt, unter einem letzten Einspruch: Das alles ist es noch nicht! Es muss im Leben mehr als alles das geben!

Wie kommt man an den verborgenen Schatz Jesu Christi heran, der dieses "mehr als alles" meint? Schätze liegen nicht einfach auf der Straße herum, wo man sie nur aufzuheben braucht. Der Schatz des Glaubens ist auch kein sorgfältig eingepacktes Paket, das man irgendwoher aufnimmt und weiterreicht. Manchmal reden wir etwas verräterisch davon, wir wollten den Glauben weitergeben, an die eigenen Kinder vor allem, und das klingt wirklich ein wenig nach einem Paket, das ich weiterreiche, wobei zu meiner Verwunderung die Kinder das Paket oft gar nicht haben wollen.
Nein, so einfach ist das nicht. Der Mann, der den Acker gekauft hat, wird zugleich einen Spaten mit gekauft haben, denn der Schatz muss ausgegraben werden. Sehr schön heißt es in einem Gedicht von Gottfried August Bürger aus dem 18. Jahrhundert:

Ein Winzer, der im Tode lag,
rief seine Kinder an und sprach:
"In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
grabt nur danach!" -"An welchem Platz?"
schrie alles laut den Vater an.
"Grabt nur!" o weh, da starb der Mann.
Kaum war der Alte weggeschafft,
so grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaten ward
der Weinberg um und um geschart…
Allein, da ward kein Schatz verspürt,
und jeder hielt sich angeführt.
Doch kaum erschien das nächste Jahr,
so nahm man mit Erstaunen wahr,
dass jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erst die Söhne klug
und gruben nun jahrein, jahraus
den Schatz mit Leidenschaft heraus….

Das sollten wir auch tun, die Söhne und die Töchter, die Kinder Gottes: jahrein, jahraus den Schatz des Glaubens ausgraben und uns dann über die Früchte freuen, über die dreifach tragende Rebe.
Manche wollen gerne die Früchte ernten, aber vorher nicht graben. Graben, das heißt: in die Tiefe hinein! Nicht an der Oberfläche bleiben, nicht im Seichten und Glitzernden, wo so vieles schnell wie eine Seifenblase zerplatzt.
Graben ist anstrengend. Man kommt ans Schwitzen. So "ein bisschen glauben", an irgendwen und irgendwas, ist noch nicht echte Schatzsuche und noch nicht Graben. Glauben "light", mal so im Vorübergehen, haftet selten. Man braucht ein ganzes Leben dazu und kommt nie an ein Ende. Der Schatz wird nie das fertige Paket. Der Schatz steckt im Leben, oft verborgen, steckt in unseren Erfahrungen und Begegnungen, in unseren Wünschen und Hoffnungen, im Umgang mit den Menschen und auch mit dem Leid und der Trauer, steckt in unseren Gebeten - auch den wortlosen -, steckt in unserem Vertrauen - ja, gerade da.
Im Gleichnis Jesu geht der Mann in seiner Freude hin und kauft den Acker. Der Schatz bedeutet große, ja die größte Freude. Die Mühe des Grabens wird dafür ge-rne in Kauf genommen.
Weihnachten führt uns an den Schatz heran, führt uns zum Kind in der Krippe. Das ist der Schatz Gottes "im Heu und auf Stroh": mitten in der Welt, und ziemlich unten. Gottes Liebe im Gesicht eines kleinen Kindes! Hier hat die Freude ihre Quelle, hier kann ich ausruhen vom Graben, von den Anstrengungen des Lebens, hier kann ich das Leben feiern und den menschgewordenen Gott mitten im Leben. In einem Weihnachtslied heißt es:

"Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen.
Und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen."

Freude, Anbetung, Staunen, erst mal Empfangen und noch nicht Machen und Tun, das Kleine und Verletzliche im Kind lieben, das Unfassbare der göttlichen Menschwerdung nachempfinden, die göttliche Liebe mit menschlicher Liebe beantworten - so kann unsere Schatzsuche heute aussehen, zu Weihnachten.

Ich nehme die Schatzkiste noch einmal in die Hand und denke an ein Wort des Apostels Paulus:" Gottes Licht hat auch unsere Herzen erhellt. Durch uns sollen nun die Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus aufstrahlt. Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind." (2 Kor 4). - Wir, wirklich zerbrechliche Gefäße, sterbliche, endliche, begrenzte Menschen, sind Träger und Hüter eines Schatzes, der größer ist als wir, und der zur Welt kommt in diesem Kind, in dieser Person Jesus Christus. Das darf gefeiert werden!

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