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KarwocheIm Haus meines Vaters sind viele Wohnungen

Predigt 20.04.2008


Gerade haben wir Sätze gehört, die sollte man in Geschenkpapier einpacken und als sonntägliches Geschenk mit nach Hause nehmen….
Der erste Satz, der ins Geschenkpapier gehört: Ihr aber - wirklich: Ihr! - ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ihr seid eine königliche Priesterschaft, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde… Ihr seid das alles, damit ihr die großen Taten Gottes verkünden könnt, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat".
Ein Satz mit einem großartigen Geschenk darin. Nicht ein Geschenk, das wir dann haben wie ein Gegenstand, sondern ein Geschenk, das wir dann sind. Der Satz hat seine Quelle an einer der heiligsten Stellen des Alten Testaments, im Buch Exodus. Das Volk Israel hat sich am Berg Sinai versammelt. Gott steigt auf den Gipfel dieses Berges herab, um einen ewigen Bund zu schließen mit seinem Volk. Mose darf allein hin zu ihm und empfängt die zehn Gebote als Bundesvertrag. Dann schickt ihn Jahwe nach unten zu den anderen, und die Israeliten hören durch den Mund des Mose die Stimme Gottes: " Unter allen Völkern werdet ihr mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören." Diese großartige Berufung und Zusage an die Juden nimmt der erste Petrusbrief auf und bezieht sie nun auf die Christen. Sie sind jetzt Gottes auserwähltes neues Volk aus allen Rassen, Sprachen und Nationen - Volk Gottes in Rom und in New York, bei den Eskimos und Afrikanern, Volk Gottes auch in Lüdenscheid!
In meinem Neuen Testament steht als schüchterne Fußnote: Das ist die grundlegende neutestamentliche Stelle zum Priestertum aller Gläubigen." Das kann man wohl sagen, und man soll es deutlich sagen: "Priestertum aller Gläubigen" ist kein verbotener oder schiefer Begriff.
Es ist Geist der Bibel: Zuerst kommt das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen, und dann kommt - zum Dienst an den Gläubigen - das besondere Weihepriestertum der Bischöfe und Priester - nicht umgekehrt. Wir alle zusammen sind eine königliche Priesterschaft, sind das heilige Volk Gottes - so der Originalton im Neuen Testament.

Von ganz anderer Art, aber genauso wertvoll ist der andere Satz heute aus dem Johannes-Evangelium:" Euer Herz sei ohne Angst. (Euer Herz lasse sich nicht verwirren.) Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin." Am häufigsten hört man diese Sätze auf dem Friedhof. Es sind gute Hoffnungs- und Trostworte für Trauernde. Vielleicht gehen sie in die Herzen derer hinein, die keinen Ort mehr sehen für ihre Verstorbenen. Und die hören dann: Es gibt eine Wohnung bei Gott… Das ist eine menschenfreundliche und greifbare Formulierung, die helfen kann, den Verlust eines nahen Menschen zu verkraften.
Aber dieses Wort gilt nicht nur für Verstorbene und für die Trauer um sie. Es meint auch uns in unserem Alltags- und Sonntagsleben. Mit diesem Wort ist es doch so ähnlich wie z.B. mit einem Studenten in einer Großstadt. Der sucht seit Monaten ein Zimmer, eine Bude, hat schon hundertmal telefoniert, hat sich die Hacken abgelaufen, und jetzt plötzlich klappt es: er bekommt die Zusage für ein schönes Einzelzimmer. Es dauert zwar noch vier Wochen, bis er einziehen kann - aber wie sehr verändert sich sein Leben von diesem Augenblick an, da er seine Zusage für ein Zimmer bekommen hat. So ähnlich ist es auch bei uns. "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen." Von diesem Wort Jesu her ist unser Leben anders, ist es verwandelt, - wie das Leben des besagten Studenten, der zwar noch vier Wochen warten, aber nicht mehr suchen muss. Wir haben bereits eine Wohnung bei Gott. Sie ist für uns vorgesehen, freigehalten, schon hergerichtet. Wir leben zwar wie all die anderen auch, die von dieser Wohnung nichts wissen - und doch ist alles anders, alles verwandelt. Wir wissen wohin. Wir haben ein zukünftiges Zuhause. Wir werden nie obdachlos sein. Ein Dach ist da für den Leib - und für die Seele. Geht es uns damit wie dem Studenten, der seine Zimmerzusage hat und nun befreit aufatmen kann? Denn darum geht es. Wir haben schon eine Wohnung bei Gott, wir dürfen sein Geheimnis bewohnen. Wir werden nie obdachlos sein.
Das ist ein großer Grund zum Danken. Danke, Herr, dass uns so etwas von Jesus gesagt wird…

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